Drogen und Gewalt: Europol nimmt Chat-Netzwerk für Kriminelle hoch

Drogen, Tabletten, Pulver Bildquelle: tvcelje.si
Nach rund drei Jahren Ermittlungsarbeit hat Europol in Zusammenarbeit mit französischen und niederländischen Strafverfolgungs- und Justiz­be­hörden ein vorrangig von Kriminellen genutztes Chat-Netzwerk lahmgelegt. Zuvor hatten sie die Verschlüsselung geknackt und so etliche Straftaten vereitelt. Das hat Europol heute bekannt gegeben. Demnach hat man bereits Mitte Juni das Chat-Netzwerk Encrochat deaktiviert. Damit einhergegangen waren in den Wochen davor lange Obser­vationen. Die Behörden hatten die Kriminellen, die sich über Encrochat ausgetauscht haben, lange Zeit abgehört. Dabei wurden verschiedene Straftaten aufgedeckt, unter anderem gewalttätige Angriffe, Korruption, Mordversuche und groß angelegte Drogentransporte. Schließlich griffen die Behörden ein und stoppten das Netzwerk, da sich weitere schwere Straftaten angedeutet hatten - Konkretes nannte man auf der Pressekonferenz aber zunächst nicht.

Drogen, Waffen, Bargeld

"Die Informationen werden als Quelle einzig­artiger Einsichten weiter analysiert, die Zugang zu einer noch nie dagewesenen Menge neuer Beweise ermöglichen, um die organisierten kriminellen Netzwerke tiefgreifend zu be­kämpfen", so Europol in einer Mitteilung. Es dürften noch weitere Berichte folgen, sobald die Daten ausgewertet sind. Man hatte die Infor­mationen direkt an der Quelle gesammelt, da sich die Krimminellen sicher vor der Abhörung gefühlt und so frei ihre illegalen Geschäfte besprochen hatten.

Schon jetzt hat man über 100 Verdächtige in der EU festgenommen, und mehr als 8000 Kilo Kokain und 1200 Kilo Crystal Meth beschlagnahmt. 19 Labore für synthetische Drogen wurden geschlossen, Dutzende automatische Schusswaffen, teure Uhren und 25 Autos beschlagnahmt. Zudem wurden fast 20 Millionen Euro in bar beschlagnahmt. Britische Behörden sollen rund 750 Festnahmen in Zusammenhang mit Enrcochat durchgeführt haben.

Bei der Kommunikation über das Android-Tool Encrochat hatten sich die Kriminellen sicher gefühlt. Interessant ist dabei auch das Geschäftsmodell des Anbieters gewesen. Die Encrochat-Telefone garantierten vollkommene Anonymität und Fern-Löschung, falls ein Gerät einem Unbefugten in die Hände fällt. Dafür wurden die Geräte zu einem Preis von rund 1000 Euro verkauft - zudem wurden 1500 Euro für sechs Monate "24/7-Support" fällig. Encrochat soll mehr als 60.000 Nutzer weltweit gehabt haben.

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