Alle möglichen Melodien wurden generiert und frei ins Netz gestellt

Zwei Musiker wollen versuchen, teure und langwierige Prozesse um Ur­sprung und Copyright auf bestimmte Melodien komplett abzuschaffen. Sie haben dafür alle denkbaren Tonfolgen generiert, schützen lassen und nun der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Damien Riehl and Noah Rubin brachten für ein solches Projekt im Grunde alle Voraus­se­tzun­gen mit: Die beiden sind nicht nur Musiker, sondern können auch Programmieren und Riehl ist sogar noch Anwalt mit Schwerpunkt auf Urheberrechts-Fragen. Ihr Ziel besteht darin, dass Künstler sich in ihrem kreativen Prozess frei entfalten können, ohne ständig die recht­li­chen Belange im Hinterkopf haben zu müssen.

Es ist letztlich kein Kreatives, sondern eher ein mathematisches Problem, wie viele ver­schie­dene Melodien es theoretisch geben kann. Immerhin bietet jede Oktave nur eine be­grenzte Menge an Tönen, die sich miteinander kombinieren lassen. Die Menge der Mög­lich­keiten ist durchaus enorm, aber eben auch kein unlösbares Problem, wenn man einen sauberen Al­go­rith­mus auf moderner Hardware arbeiten lässt. Und im MIDI-Format lassen sich die Ton­fol­gen auch sehr platzsparend speichern, wie aus einem Bericht des US-Magazins Motherboard hervorgeht.

Life-Hacks in der Juristerei

Riehl und Rubin brachten es soweit, dass ihre Software 300.000 Melodien pro Sekunde ge­ne­rier­te und auf eine Festplatte schrieb. Na­tür­lich ist dabei anzumerken, dass es sich in den meis­ten Fällen nicht um besonders wohl­klin­gende Beispiele handeln dürfte. Das macht aber nichts, da es ja nur darum geht, alle Mög­lich­kei­ten auszuschöpfen.

Damit auch die bereits vorhandenen Melodien von ihnen abgedeckt werden können, stützen sie sich auf ein Konstrukt, das sich aus der bestehenden Copyright-Gesetzgebung ableiten lässt: Noten sind im MIDI-Format letztlich nur Zahlen. Und Zahlen stellen Fakten dar, die sich wiederum nicht über die Copyright-Regelungen der US-Gesetzgebung schützen lassen. "Vielleicht haben diese Zahlen schon seit dem Anbeginn der Zeit existiert und wir haben sie nur ausgegraben", erklärte Riehl.

Mit diesem Trick wollen sie also dafür sorgen, dass sich die reinen Tonfolgen nicht mehr Urheberrechtlich schützen lassen können. Das soll in erster Linie Prozesse verhindern, in denen es um ähnlich klingende Tonfolgen geht. Das direkte Abkupfern per Sample oder die Verwendung gleicher Arrangements wäre hingegen nicht abgedeckt. Riehl und Rubin haben den Code für das Projekt auf GitHub veröffentlicht, die generierten MIDI-Melodien stehen über das Internet Archive öffentlich und unter freien Lizenzen zur Verfügung.

Siehe auch: YouTubes lizenzfreie Musik wird jetzt Video-Anbietern zum Verhängnis
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