Sperren: GEMA wirft YouTube Stimmungsmache vor

Die aktuelle dramatische Lage in der Ukraine hat auch in Deutschland einen eher unerwarteten Nebenschauplatz bekommen, nämlich die Sperre von YouTube-Live-Streams aus Kiew. Im Clinch sind wie üblich GEMA und YouTube bzw. Google.
Youtube, Anonymous, Gema
Die Weltöffentlichkeit blickt derzeit nach Kiew und die Proteste der Opposition gegen Präsident Janukowitsch. Eine wichtige Rolle spielen die Live-Streams, auf die man u. a. auch über die Google-Plattform YouTube zugreifen kann. Doch in Deutschland waren nicht alle davon tatsächlich erreichbar: In einigen Fällen gab es einen unerwarteten Hinweis zu sehen, dass der Kanal nicht erreichbar sei, da das Video "möglicherweise" Musik enthält, für die die erforderlichen Rechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden - die dazugehörige Anzeige kennt wohl jeder regelmäßige YouTube-Nutzer aus Deutschland.

Um die Blockade ist nun eine Debatte entstanden bzw. ist diese wieder hochgekocht: In einem Interview mit der Tageszeitung taz (via Kraftfuttermischwerk) wirft GEMA-Sprecherin Ursula Goebel YouTube Stimmungsmache vor. Sie betont, dass die Verwertungsgesellschaft nicht dafür verantwortlich sei, da YouTube tatsächlich nur zwölf in einem Musterverfahren benannte Musikstücke sperren müsse.

Goebel verweist auf die ihrer Meinung nach wahllosen Sperren und eine entsprechende GEMA-Klage gegen YouTube. Sie meint, dass es der Videoplattform gelungen sei, der GEMA "den Schwarzen Peter zuzuschieben." Die Sperrtafeln, die YouTube immer wieder einblendet, seien demnach alleine dazu gedacht, die GEMA als "die Böse" darzustellen. Nun sei "der Punkt erreicht, an dem wir 'Nein' sagen", so Goebel, man gehe nun gerichtlich gegen die Sperrtafeln vor.

Ein YouTube-Vertreter erklärte gegenüber dem Wall Street Journal Deutschland, dass es bei Live-Streams nicht absehbar sei, ob dabei auch Musik, an denen die GEMA die Rechte halten könnte, übertragen werde. Demnach erfolge die Sperre von Streams auf Basis von möglichen und nicht konkreten Verstößen. Im Falle der aktuellen Übertragungen aus der Ukraine wurden die Sperren "auf Verdacht" allerdings deaktiviert.
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