Bangladesh: Kritischer Blogger auf Straße erschlagen

In Bangladesh ist ein kritischer Blogger auf offener Straße erschlagen worden. Ahmed Rajib Haider hatte sich in der Vergangenheit immer wieder offen gegen religiöse Bevormundung durch islamistische Kräfte ausgesprochen.
Blogger, Bangladesch, Ahmed Rajib Haider
Reporter ohne Grenzen
Wie die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" mitteilte, sei Haiders Leiche vor einigen Tagen in seiner Wohnung in Palashnagar, einem Bezirk von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeshs, aufgefunden worden. Der Körper sei mit Verletzungen, die offenbar von Macheten verursacht wurden, übersät gewesen.

Der 30-jährige Architekt war Mitglied des Aktivisten-Netzwerkes Shahbagh. Bekannt war er vor allem durch seine Beiträge im Blog 'Somewhereinblog.net', in dem er unter dem Pseudonym Thaba Baba Texte veröffentlichte, die sich kritisch mit den Einflüssen fundamentalistischer Auslegungen des Islams auseinandersetzten.

"Wir haben Hochachtung vor Haiders Kampf für die Informationsfreiheit und wir wollen seiner Familie und seinen Kollegen unser herzlichstes Beileid aussprechen", hieß es in einer Erklärung von Reporter ohne Grenzen. "Solch ein grausamer Mord darf nicht ungestraft bleiben und wie fordern die Behörden Bangladeshs auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Täter zu ermitteln und sie unverzüglich vor Gericht zu bringen."

Der Tod Haiders hatte in der Gesellschaft des Landes unmittelbare Folgen: In der letzten Zeit dokumentierte der Blogger Demonstrationen von Bürgern, die forderten, dass die islamischen Führungskräfte, die im Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan Anfang der 1970er Jahre Kriegsverbrechen begingen, endlich vor Gericht gestellt werden.

Die Demonstranten hatten gerade erst beschlossen, ihre Präsenz auf den Straßen auf sieben Stunden am Tag zu beschränken, um Kräfte zu sparen. Nachdem die Nachricht von der Ermordung Haiders die Runde machte, ließ man diese Entscheidung fallen und kündigte an, von nun an rund um die Uhr Präsenz zu zeigen.

Der Premierminister Bangladeshs Sheikh Hasina hat sich daraufhin bereits an die Familie des Toten gewandt. Weiterhin wurden die Ermittlungen von der lokalen Polizei abgezogen und direkt an die obersten Kriminalistiker des Landes vergeben. Diese sollen bereits mehrere Personen vernommen, aber noch keine konkreten Fortschritte erzielt haben.
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!