Wikileaks: Hintergründe, Enthüllungen & Konflikte
Julian Assange: Mister Wikileaks
Julian Assange ist der Kopf der Organisation und derzeit der einzige öffentlich bekannte Vertreter. Der Australier wurde 1971 geboren. Seine Eltern unterhielten einen Wanderzirkus. Seine Mutter arbeitete nach der Trennung von seinem Vater beim Film. So war es Assange von Anfang an gewohnt, nie längere Zeit an einem Ort zu leben - eine Eigenschaft, die sich für seine Tätigkeit bei Wikileaks als Vorteil herausstellen sollte.
Die wesentliche Prägung erhielt er allerdings in seiner Jugend, als er unter dem Pseudonym "Mendax" in der Hacker-Szene aktiv war. Deren Weltsicht und Ideale hat Assange zutiefst verinnerlicht und setzt sie mit Wikileaks in die Praxis um. Um zu verstehen, warum der Australier so stark auf die Plattform fixiert ist, wäre es falsch, ihm einfach Geltungssucht oder Hass auf die USA zu unterstellen.
In seinem Blog IQ.org (Interesting Questions, auf deutsch: "Interessante Fragen"), das inzwischen abgeschaltet aber noch im Internet-Archiv zu finden ist, gab Assange zur Zeit der Wikileaks-Gründung einen Einblick in seine Gedanken. "Immer wenn wir eine Ungerechtigkeit erleben und nicht handeln, trainieren wir unseren Charakter darauf, passiv zu bleiben und verlieren dabei die Fähigkeit, uns und die, die wir lieben, zu verteidigen. In einer modernen Ökonomie ist es unmöglich, sich vor Ungerechtigkeiten abzuschotten", schrieb er.
Eindringlich appellierte er, Verstand und Mut nicht zu vergeuden und unsinnigen Tätigkeiten nachzugehen. Stattdessen solle man "die Macht unserer Talente gegen die stärksten Feinde der Liebe ins Feld zu führen", so Assange.
Die Hacker-Ethik der 1980er Jahre fiel bei einer solchen Sicht auf die Welt auf fruchtbaren Boden. Demnach versuche der Staat einerseits immer mehr Informationen über die Bürger zu sammeln. Andererseits wird die Geheimhaltung gegenüber den Menschen immer stärker ausgebaut, woraus ein Ungleichgewicht der Macht und eine immer autoritärere Gesellschaft entstehen. Das kann umgekehrt werden, indem Bürger die Werkzeuge zur sicheren Verschlüsselung ihrer persönlichen Daten erhalten und die geheim gehaltenen Informationen des Staates an die Öffentlichkeit gebracht werden.
"Je geheimnisvoller und ungerechter eine Organisation ist, umso stärker säht eine Enthüllung Angst und Paranoia in ihrer Führung und in den Planungsgremien", schrieb der Assange Ende 2006. Das führe dazu, dass die jeweilige Organisation sich stärker mit der Geheimhaltung in ihren eigenen Reihen beschäftigen müssen, was die interne Komplexität erhöht und die Machtposition nach außen schwächt.
Den Beginn dieses Effekts konnte man innerhalb der US-Regierung kürzlich beobachten: Nach der Veröffentlichung der ersten Botschaftsdepeschen hat das US-Außenministerium den Zugang des Militärs zu seinen diplomatischen Datenbanken unterbunden. Die Zuspitzung bis zu solchen Maßnahmen fassen wir auf der letzten Seite noch einmal zusammen und blicken auf das abwechslungsreiche Wikileaks-Jahr 2010 zurück.
Julian Assange ist der Kopf der Organisation und derzeit der einzige öffentlich bekannte Vertreter. Der Australier wurde 1971 geboren. Seine Eltern unterhielten einen Wanderzirkus. Seine Mutter arbeitete nach der Trennung von seinem Vater beim Film. So war es Assange von Anfang an gewohnt, nie längere Zeit an einem Ort zu leben - eine Eigenschaft, die sich für seine Tätigkeit bei Wikileaks als Vorteil herausstellen sollte.
Die wesentliche Prägung erhielt er allerdings in seiner Jugend, als er unter dem Pseudonym "Mendax" in der Hacker-Szene aktiv war. Deren Weltsicht und Ideale hat Assange zutiefst verinnerlicht und setzt sie mit Wikileaks in die Praxis um. Um zu verstehen, warum der Australier so stark auf die Plattform fixiert ist, wäre es falsch, ihm einfach Geltungssucht oder Hass auf die USA zu unterstellen.
In seinem Blog IQ.org (Interesting Questions, auf deutsch: "Interessante Fragen"), das inzwischen abgeschaltet aber noch im Internet-Archiv zu finden ist, gab Assange zur Zeit der Wikileaks-Gründung einen Einblick in seine Gedanken. "Immer wenn wir eine Ungerechtigkeit erleben und nicht handeln, trainieren wir unseren Charakter darauf, passiv zu bleiben und verlieren dabei die Fähigkeit, uns und die, die wir lieben, zu verteidigen. In einer modernen Ökonomie ist es unmöglich, sich vor Ungerechtigkeiten abzuschotten", schrieb er.
Eindringlich appellierte er, Verstand und Mut nicht zu vergeuden und unsinnigen Tätigkeiten nachzugehen. Stattdessen solle man "die Macht unserer Talente gegen die stärksten Feinde der Liebe ins Feld zu führen", so Assange.
Die Hacker-Ethik der 1980er Jahre fiel bei einer solchen Sicht auf die Welt auf fruchtbaren Boden. Demnach versuche der Staat einerseits immer mehr Informationen über die Bürger zu sammeln. Andererseits wird die Geheimhaltung gegenüber den Menschen immer stärker ausgebaut, woraus ein Ungleichgewicht der Macht und eine immer autoritärere Gesellschaft entstehen. Das kann umgekehrt werden, indem Bürger die Werkzeuge zur sicheren Verschlüsselung ihrer persönlichen Daten erhalten und die geheim gehaltenen Informationen des Staates an die Öffentlichkeit gebracht werden.
"Je geheimnisvoller und ungerechter eine Organisation ist, umso stärker säht eine Enthüllung Angst und Paranoia in ihrer Führung und in den Planungsgremien", schrieb der Assange Ende 2006. Das führe dazu, dass die jeweilige Organisation sich stärker mit der Geheimhaltung in ihren eigenen Reihen beschäftigen müssen, was die interne Komplexität erhöht und die Machtposition nach außen schwächt.
Den Beginn dieses Effekts konnte man innerhalb der US-Regierung kürzlich beobachten: Nach der Veröffentlichung der ersten Botschaftsdepeschen hat das US-Außenministerium den Zugang des Militärs zu seinen diplomatischen Datenbanken unterbunden. Die Zuspitzung bis zu solchen Maßnahmen fassen wir auf der letzten Seite noch einmal zusammen und blicken auf das abwechslungsreiche Wikileaks-Jahr 2010 zurück.
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