UNO, NSA und China arbeiten an Netzüberwachung
Die anonyme Nutzung soll so zukünftig weniger leicht möglich sein. Entwürfe, die von der "IP Traceback"-Gruppe der ITU, deren offizielle Kennzeichnung Q6/17 ist, erstellt wurden, werden in der kommenden Woche auf einem Treffen der Behörde diskutiert.
Die Veranstaltung findet allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das ist nicht verwunderlich, bedenkt man die möglichen negativen Auswirkungen auf den Schutz der Privatsphäre von Internet-Nutzern. Vor allem in Ländern, mit eingeschränkter Meinungsfreiheit müssten Regierungskritiker beispielsweise mit zunehmender Verfolgung rechnen.
Auch die Liste der Beteiligten an der Q6/17-Gruppe liest sich entsprechend der Zielsetzung: So arbeiten hier das chinesische Kommunikationsministerium und der US-Geheimdienst NSA in trauter Eintracht mit Vertretern der Wirtschaft zusammen. Darunter auch ein ITU-Abgesandter von Cisco Systems, dem weltweit größten Hersteller von Netzwerk- und Backbone-Systemen.
Offiziell gibt es derzeit noch nahezu keine Informationen zu dem Projekt. Lediglich ein Strategiepapier wurde dem US-Informatikprofessor Steve Bellovin von der Columbia University zugespielt - aus einer vertrauenswürdigen Quelle, wie dieser behauptet. Nach der Lektüre des Dokuments kam dieser zu dem Schluss, dass die Pläne in direktem Widerspruch zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO stehen. Allerdings sind noch keine technischen Einzelheiten bekannt.
Zwar wird die Planung - wie bei nahezu allen neuen Überwachungsprojekten - mit dem Kampf gegen Kriminalität begründet. Allerdings würde auch jede Regierung der Welt die Möglichkeit erhalten, oppositionelle Bestrebungen auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen. Selbst technische Anonymisierungsdienste würden hier kaum mehr helfen.
So kommentierte denn auch Jacob Appelbaum, einer der Entwickler des Tor-Systems: "Die technische Natur einer solchen Funktionalität ist so übel, dass sie niemals das Licht der Internet-Welt erblicken darf und das auch nicht wird." Die Einführung eines solchen Systems würde eher dazu führen, dass es genau von denjenigen missbraucht wird, gegen die es angeblich eingesetzt werden soll. "Kein Blackhat würde aber je dadurch gefasst", so Appelbaum.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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