Glasfaser-Paradox: Breko will DSL-Vermarktung endlich stoppen lassen

Die Glasfaser liegt vor der Tür, doch die Verträge bleiben im Regal. Trotz massivem Netzausbau aktivieren nur wenige Haushalte in Deutschland die modernen Anschlüsse - ein Dilemma, das die Branche zunehmend unter Druck setzt.
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    Die Zahlen lügen nicht

    Im Juni 2026 lag die sogenannte Aufnahmerate bei mageren 27,5 Prozent. Das bedeutet: Von 28,7 Millionen Haushalten und Unternehmen, die theoretisch Glasfaser bis vor die Haustür haben ("Homes Passed"), haben gerade einmal 7,9 Millionen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen ("Fiber to the Home").

    Mitte 2025 waren es 24,3 Millionen verfügbare Anschlüsse bei 6,6 Millionen Aktivierungen. Die absolute Zahl wächst also, doch die Quote stagniert auf niedrigem Niveau. Die Zurückhaltung hat handfeste Gründe. Viele Haushalte sind mit ihrer bestehenden VDSL-Infrastruktur zufrieden, für sie fehlt einfach ein Grund zu wechseln.


    Durch Vectoring und Supervectoring erreichen die alten Kupferleitungen oft mehr als 100 Megabit pro Sekunde, was für Streaming, Homeoffice und Alltag völlig ausreichend ist. Dazu kommen höhere Preise für Glasfaser-Tarife und auch praktische Hürden. In Mehrfamilienhäusern scheitern Anschlüsse häufig an der fehlenden Zustimmung der Vermieter für notwendige Baumaßnahmen im Gebäude.

    Die Branche fordert radikale Mittel

    Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), der vor allem die Wettbewerber der Deutschen Telekom vertritt, schlägt nun drastische Maßnahmen vor. In seiner aktuellen Marktanalyse warnt der Verband vor einer getrübten Stimmung unter den Netzbetreibern. Die Forderung: Sobald in einer Region 85 Prozent der Haushalte mit Glasfaser erschlossen sind, soll der Verkauf klassischer DSL-Tarife gestoppt werden.

    Ein solcher Übergangsprozess von Kupfer auf Glasfaser dauert laut Branchenplanungen etwa drei Jahre. Bundesweit könnten bereits 5,7 Millionen Haushalte in genau diese Phase eintreten. Schleswig-Holstein gilt als Vorreiter mit einer Ausbauquote von 94 Prozent.

    Auf Basis eines verbindlichen, regelgebundenen Fahrplans für den Umstieg vom Kupfer- auf das Glasfasernetz wären gut drei Viertel (77 %) der Unternehmen zu weiteren Investitionen in den Glasfaserausbau bereit.
    Breko Marktanalyse 2026

    Der Konflikt mit der Telekom spitzt sich zu

    Hinter den Kulissen tobt derweil ein Verteilungskampf. Die alternativen Netzbetreiber sehen sich durch gestiegene Kosten für Tiefbau und Material unter Druck. Sie fordern von Regierung und Bundesnetzagentur klare gesetzliche Vorgaben. Bis 2035 sollen die letzten Kupferleitungen in Deutschland stillgelegt werden. Infografik Breitband: Deutschland macht Fortschritte beim schnellen InternetBreitband: Deutschland macht Fortschritte beim schnellen Internet

    Ist das Festhalten an Kupfer ein Risiko?

    Die Deutsche Telekom, der die Mehrheit der alten Telefonkabel gehört, lehnt einen externen Abschaltmechanismus strikt ab. Der Konzern möchte den Zeitpunkt für das Ende der alten Technologie eigenständig bestimmen. Für die regionalen Betreiber birgt dieses Festhalten an Kupferkabeln ein enormes wirtschaftliches Risiko. Sie sind darauf angewiesen, dass Kunden zeitnah auf die neuen Netze migrieren, um ihre Milliardeninvestitionen zu refinanzieren.

    Ohne steigende Vertragsabschlüsse droht mittelfristig ein Stillstand beim weiteren Ausbau - besonders in ländlichen, bisher unterversorgten Gebieten. Der Branchenverband stellt daher die Forderung: Entweder der Staat schafft verbindliche Regeln für den Kupfer-Ausstieg, oder das "Glasfaser-Paradox" könnte den digitalen Fortschritt in Deutschland ausbremsen.

    Nutzt ihr bereits einen modernen Glasfaseranschluss oder reicht euch die alte Kupferleitung noch völlig aus? Teilt eure Erfahrungen und Beweggründe gerne mit uns in den Kommentaren!

    Droht bald das Aus für DSL-Anschlüsse?
    Die Telekommunikationsbranche diskutiert intensiv über die Abschaltung des alten Kupfernetzes. Der Verband Breko fordert einen verbindlichen Fahrplan, der das Ende von DSL bis zum Jahr 2035 besiegeln soll.

    Für IT-Profis bedeutet dies, rechtzeitig Migrationsstrategien zu planen. Sobald in einer Region 85 Prozent Glasfaserabdeckung erreicht sind, soll laut Branchenvorschlag eine dreijährige Übergangsfrist starten. Die Telekom möchte den Zeitpunkt der Abschaltung jedoch lieber selbst bestimmen.
    Kommt ein Verkaufsstopp für DSL-Tarife?
    Um den Wechsel auf Glasfaser zu beschleunigen, schlagen Wettbewerber der Telekom einen sogenannten "Stop-Sell" vor. Es heißt, dass ein solcher Verkaufsstopp für xDSL-Tarife die Verbraucher motivieren könnte, schneller auf zukunftssichere Anschlüsse umzusteigen.

    Ob und wann diese Regelung politisch durchgesetzt wird, ist noch unklar. Angeblich seien die Signale aus der Politik aber positiv. Für Unternehmen und Home-Office-Nutzer hieße das, dass bei Neuverträgen oder Umzügen künftig nur noch Glasfaser buchbar wäre, sofern verfügbar.
    Warum stockt der Glasfaser-Umstieg?
    Obwohl mittlerweile 62 Prozent der Haushalte und Unternehmen in Deutschland an ein Glasfasernetz angeschlossen werden könnten, nutzen nur knapp 28 Prozent diese Möglichkeit. Die sogenannte Take-up-Rate stagniert, da viele Nutzer vor einem Wechsel zurückschrecken.

    Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben einer gewissen Kaufzurückhaltung und leicht höheren Kosten bremsen auch hohe Bau- und Tiefbaukosten den Ausbau. Netzbetreiber verlegen den teuren Hausanschluss oft nur noch, wenn bereits ein unterschriebener Kundenvertrag vorliegt.
    Warum reicht VDSL vielen Nutzern noch?
    Ein Hauptgrund für die verhaltene Glasfaser-Nachfrage ist das in Deutschland vergleichsweise leistungsfähige VDSL-Netz. Für alltägliche Aufgaben wie E-Mails, Videocalls oder normales Surfen reicht die Bandbreite der alten Kupferleitungen vielen Anwendern aktuell noch völlig aus.

    Dennoch warnen Experten davor, sich auf diesem Status quo auszuruhen. Die Anforderungen an die Netze steigen kontinuierlich. Wer als IT-Verantwortlicher erst reagiert, wenn die VDSL-Leitung an ihre Grenzen stößt, riskiert Produktivitätsverluste im Arbeitsalltag.
    Wer treibt den Glasfaserausbau voran?
    Entgegen der landläufigen Meinung wird der Großteil des Ausbaus nicht vom Marktführer gestemmt. Die Wettbewerber der Deutschen Telekom verantworten mit 72 Prozent der angeschlossenen Gebäude den Löwenanteil und investieren deutlich mehr in die neue Infrastruktur.

    Um die Netze effizient auszulasten, setzen 88 Prozent dieser Anbieter auf sogenannte Open-Access-Modelle. Dabei wird die Leitung auch für andere Anbieter geöffnet. Ein faires Zusammenspiel der Provider ist essenziell, um Monopole zu verhindern und faire Preise zu garantieren.
    Zusammenfassung
    • Die Glasfaser-Aufnahmerate stagniert trotz Ausbaus bei nur 27,5 Prozent
    • Viele Haushalte sind mit ihren bestehenden VDSL-Tarifen völlig zufrieden
    • Der Verband Breko fordert einen Verkaufsstopp für DSL-Tarife ab 85 Prozent
    • Bis zum Jahr 2035 sollen alle alten Kupferleitungen stillgelegt werden
    • Die Deutsche Telekom lehnt einen festen Abschaltplan für Kupfernetze ab

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