Minecraft und Co.: Spiele-Lobby nennt private Server illegale Piraterie

In Kalifornien ist ein Gesetzentwurf zur Spieleerhaltung vorerst gescheitert. Die Kampagne Stop Killing Games wollte Publisher zwingen, Offline-Modi nach Serverabschaltungen anzubieten. Die Lobbygruppe ESA blockierte das Vorhaben jedoch erfolgreich.
Gaming, Petition, Stop Killing Games
Stop Killing Games

Gesetz zur Spieleerhaltung gestoppt

In Kalifornien ist der Gesetzentwurf AB 1921, auch bekannt als Protect Our Games Act, vorerst gescheitert. Die Initiative Stop Killing Games möchte Entwickler dazu verpflichten, nach dem Abschalten offizieller Server eine Offline-Alternative oder private Hosting-Optionen anzubieten. Damit soll verhindert werden, dass gekaufte Titel wie The Crew vollständig unspielbar werden. Der zuständige Senatsausschuss lehnte das Vorhaben nach einer Abstimmung knapp ab.

Während der Anhörung kam es zu einem Schlagabtausch zwischen dem Abgeordneten Chris Ward und Jennifer Gibbons, einer Vertreterin der Entertainment Software Association (ESA). Die ESA vertritt große Publisher wie Electronic Arts, Sony Interactive Entertainment und Microsoft. Als Ward anmerkte, dass Titel wie Minecraft oder Call of Duty bereits durch die Community gehostet werden, fiel ihm Gibbons ins Wort. Sie bezeichnete solche Angebote pauschal als illegal.


Piraterie oder legitime Lösung?

Wie PC Gamer berichtet, ging Gibbons noch weiter und setzte private Server mit Piraterie und Schwarzmärkten gleich. Sie verwies auf anhängige Klagen und Berichte der US-Regierung über entsprechende Märkte. Das sorgte für Verwunderung, da Microsoft auf der Webseite von Minecraft Dateien zum Erstellen eigener Server anbietet. Die ESA ruderte später zurück und präzisierte die Aussagen.

Der Verband erklärte im Nachgang, dass man sich auf Server beziehe, die unautorisiert urheberrechtlich geschützte Inhalte verbreiten. Zudem fehle bei privaten Netzwerken die Aufsicht durch den Herausgeber. Ohne diese Kontrolle könnten Sicherheitsstandards nicht gewährleistet werden, was ein Risiko für die Spieler darstelle. Publisher müssten das Recht behalten, gegen Verletzungen ihres geistigen Eigentums vorzugehen. Ein Zwang zur Öffnung würde das erschweren.

Kritiker planen nächste Schritte

Die Kampagne Stop Killing Games musste kürzlich bereits in der Europäischen Union einen Rückschlag hinnehmen. Dort schlug die zuständige Kommission nach Gesprächen mit der Industrie lediglich unverbindliche Vereinbarungen vor. Die Aktivisten werfen der ESA vor, Politiker mit gezielten Falschaussagen zu verunsichern. Lobbyisten würden das Bild zeichnen, dass offizielle Server für immer online bleiben müssten, was die Initiative gar nicht fordert.

Trotz der Niederlage in Kalifornien gibt sich die Gruppe kämpferisch. Ein Vorteil der aktuellen Debatte sei, dass die Argumente der Industrie nun öffentlich dokumentiert sind. Die Organisation rekrutiert derzeit weitere Unterstützer. Man plant, mit Entwicklern zusammenzuarbeiten und das Thema in anderen US-Bundesstaaten oder auf Bundesebene voranzutreiben.

Wie bewertet ihr die Aussagen der Spielelobby zu privaten Servern? Teilt eure ehrliche Meinung zum Thema Spieleerhaltung unten in den Kommentaren mit der Community.

Zusammenfassung
  • Gesetzentwurf AB 1921 zur Spieleerhaltung in Kalifornien gescheitert
  • Initiative fordert Offline-Optionen nach dem Abschalten von Servern
  • Branchenverband ESA setzte private Server vorerst mit Piraterie gleich
  • Der US-Branchenverband ruderte später zurück und präzisierte seine Aussagen
  • Auch in der Europäischen Union erlitt die Initiative jüngst einen Dämpfer
  • Die Kampagne Stop Killing Games will in anderen US-Staaten weitermachen

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