Statt Palantir: Verfassungsschutz wählt neue Überwachungssoftware

Das Bundesamt für Verfassungsschutz rückt vom US-Anbieter Palantir ab und setzt künftig auf die europäische KI-Software ArgonOS. Der Geheimdienst will damit riesige Datenmengen analysieren und strategische Abhängigkeiten beenden.
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BfV wählt europäische KI-Software

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) setzt künftig auf eine europäische Datenanalyse-Software. Die Bonner Behörde erwarb nach Recherchen von WDR, NDR und SZ das BfV die Datenanalyse-Software ArgonOS. Die KI-gestützte Anwendung soll große Datenmengen auswerten und komplexe Netzwerke sichtbar machen. Damit rückt der Inlandsgeheimdienst von der Technologie des US-Konzerns Palantir ab.

BfV-Präsident Sinan Selen hatte den Kurswechsel bereits Ende 2025 angekündigt. Ziel ist eine stärkere europäische Souveränität und weniger Abhängigkeit von US-Anbietern. ArgonOS verknüpft Daten aus verschiedenen Quellen und ermöglicht auch Recherchen in offen zugänglichen Informationen (Open Source Intelligence).


Testphase erfolgreich beendet

Wie die tagesschau berichtet, ist die Testphase beim BfV abgeschlossen. Die Software gilt als einsatzbereit und soll vor allem bei Terrorismusbekämpfung und Spionageabwehr eingesetzt werden. In Frankreich nutzen bereits mehrere Behörden, darunter der Inlandsgeheimdienst DGSI, das System.

ChapsVision wurde 2019 gegründet und wuchs durch Übernahmen rasch im europäischen Sicherheitssektor. In Deutschland kooperiert das Unternehmen mit Rola Security Solutions, einer Tochter von T-Systems, die seit Jahren Analysesoftware für Polizeibehörden liefert.

Vorteile und Hürden der neuen Lösung:

  • Höherer Datenschutz durch Server-Standorte innerhalb der Europäischen Union
  • Geringere Abhängigkeit von politisch umstrittenen US-Anbietern
  • Derzeit eingeschränkte Nutzung wegen unklarer rechtlicher Grundlagen

Kritik an US-Anbieter wächst

Die Kritik am US-Unternehmen Palantir hält an. Gründer Peter Thiel steht wegen seiner politischen Nähe zur Regierung von Donald Trump in der Kritik. Zudem wird die Rolle des Unternehmens bei der US-Abschiebebehörde ICE als problematisch für Datenschutz und Bürgerrechte bewertet. Das Bundesverfassungsgericht beanstandete Anfang 2023 den Einsatz der Software bei deutschen Polizeibehörden.

Während einige Bundesländer weiterhin auf Palantir setzen, deutet sich auf Bundesebene ein Kurswechsel an. Allerdings kann das BfV die Möglichkeiten von ArgonOS erst nach einer geplanten Reform des Nachrichtendienstrechts vollständig nutzen. Das Bundesinnenministerium arbeitet an einer entsprechenden Gesetzesänderung, die den Einsatz von KI erweitern soll.

Begrüßt ihr den Wechsel zu einer europäischen KI-Software oder seht ihr Nachteile beim Verzicht auf US-Technologie? Teilt eure Gedanken zu dem Strategiewechsel gerne in den Kommentaren mit uns!

Welche KI-Software nutzt das BfV?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) setzt künftig auf eine europäische Lösung zur Datenanalyse. Laut übereinstimmenden Medienberichten hat die Behörde das System ArgonOS der französischen Firma ChapsVision erworben.

Für IT-Profis im Behördenumfeld bedeutet dies einen klaren Richtungswechsel. Statt auf US-Technologie zu setzen, rückt die digitale Souveränität Europas in den Fokus. Der deutsche IT-Dienstleister Rola Security Solutions ist angeblich als lokaler Partner involviert.
Warum wird Palantir aussortiert?
Die US-Software Palantir ist bei vielen Sicherheitsbehörden umstritten. Kritiker bemängeln die Abhängigkeit von einem außereuropäischen Anbieter und fürchten, dass sensible Daten abfließen oder die Kontrolle über kritische Infrastrukturen verloren gehen könnte.

Zudem steht der Palantir-Gründer wegen politischer Aussagen in der Kritik. Für IT-Entscheider zeigt dieser Fall praxisnah, wie wichtig geopolitische Faktoren und die Vermeidung von Vendor Lock-in bei der Beschaffung von Enterprise-Software geworden sind.
Was genau kann das System ArgonOS?
ArgonOS ist eine Plattform, die riesige Datenmengen mithilfe von Künstlicher Intelligenz durchforstet. Sie verknüpft Informationen aus unterschiedlichen, isolierten Datenbanken und macht komplexe Netzwerke für die Ermittler sichtbar.

Ein wichtiges Feature für Analysten ist die Integration von OSINT (Open Source Intelligence). Damit lassen sich auch frei zugängliche Quellen im Internet automatisiert auswerten. In Frankreich wird das System bereits erfolgreich vom Inlandsgeheimdienst genutzt.
Ziehen andere Behörden jetzt nach?
Das BfV ist die erste Bundesbehörde, die sich aktiv für diese europäische Alternative entschieden hat. Auch das Bundeskriminalamt und Teile der Bundeswehr sollen sich zuletzt skeptisch gegenüber US-Lösungen geäußert haben.

Auf Länderebene zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Bayern und Hessen weiterhin Palantir nutzen, wird in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen laut Quellen bereits über einen Ausstieg oder den Wechsel zu europäischen Alternativen diskutiert.
Zusammenfassung
  • Verfassungsschutz kauft europäische KI-Software ArgonOS von ChapsVision
  • Das Programm wertet große Datenmengen aus und macht Netzwerke sichtbar
  • BfV-Präsident Selen kündigte den Wechsel bereits Ende 2025 an
  • Ziel ist mehr europäische Souveränität statt Abhängigkeit von USA
  • Frankreich nutzt ArgonOS bereits bei Geheimdiensten wie der DGSI
  • ChapsVision wurde 2019 gegründet und wächst durch Übernahmen
  • Kritiker bemängeln Palantir wegen Nähe zu Trump und ICE-Rolle
  • Das Bundesverfassungsgericht beanstandete 2023 Palantir-Einsatz bei Polizei
  • Geplant ist eine Reform des Nachrichtendienstrechts für ArgonOS

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