"Hausfrauen, die Drohnen bauen":
Rheinmetall-CEO beleidigt Ukraine

Rheinmetall-Chef Armin Papperger sorgt mit abfälligen Aussagen über ukrainische Drohnen für einen diplomatischen Eklat. Er verglich die Produktion mit "Lego-Spielen" und nannte die Hersteller "Hausfrauen". Die Reaktionen aus Kiew fielen deutlich aus.
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Die ukrainische Drohnenentwicklung gilt international als eines der bemerkenswertesten Kapitel des laufenden Krieges gegen Russland. Kostengünstige FPV-Drohnen (First Person View) haben seit Kriegsbeginn auf dem Schlachtfeld gepanzerte Fahrzeuge im Wert von Millionen zerstört und konventionelle Waffensysteme teilweise alt aussehen lassen. Doch ausgerechnet der Chef eines der größten europäischen Rüstungskonzerne hat diese Leistung nun öffentlich herabgewürdigt - und damit einen veritablen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

In einem Interview mit dem US-Magazin The Atlantic, das vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, äußerte sich Rheinmetall-CEO Armin Papperger abfällig über die ukrainische Drohnenproduktion. Auf die Frage nach der technologischen Entwicklung der Ukraine antwortete er sinngemäß, das sei wie "mit Legos spielen".

Die größten Drohnenproduzenten in der Ukraine seien "Hausfrauen", die "3D-Drucker in der Küche" hätten und damit Teile für Drohnen herstellten. Das sei keine Innovation. Papperger stellte zudem klar, dass die ukrainische Technologie nicht auf dem Niveau von Konzernen wie Lockheed Martin, General Dynamics oder eben Rheinmetall sei.

Scharfe Kritik aus Kiew

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Oleksandr Kamyschin, Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj und ehemaliger Minister für strategische Infrastruktur, konterte auf Twitter/X mit Sarkasmus bezüglich der Lego-Drohnen: "Rheinmetall sage also, die ukrainischen Lego-Drohnen seien von Hausfrauen in ihren Küchen gebaut. Nun gut - diese Lego-Drohnen haben inzwischen mehr als 11.000 russische Panzer zerstört." In einem weiteren Beitrag betonte Kamyschin, dass ukrainische Frauen in Rüstungsfabriken gleichberechtigt neben Männern arbeiteten und Respekt verdienten.

Auch aus der ukrainischen Verteidigungsindustrie selbst kam deutlicher Widerspruch. Jaroslaw Kalinin, CEO des ukrainischen Rüstungsunternehmens Infozahyst, argumentierte auf Facebook, dass militärische Innovationen an ihrer Wirksamkeit auf dem Schlachtfeld gemessen werden sollten - nicht an ihrer technologischen Komplexität.

Eine FPV-Drohne für 500 Dollar (etwa 460 Euro), die einen Panzer im Millionenwert zerstöre, sei sehr wohl Innovation - nicht nach Konzernstandards, aber nach dem einzigen Maßstab, der im Krieg zähle: Effizienz. Kalinin kritisierte zudem westliche Rüstungskonzerne für ihren zurückhaltenden Technologietransfer in Richtung Kiew.

Andere meinten, dass sich Papperger seit Jahrzehnten in einer Branche bewege, in der ein zehn Jahre altes Produkt noch als innovativ gelte. Schwere Plattformen wie Panzer würden in zukünftigen Kriegen kaum noch eine Rolle spielen - das sei auf den Schlachtfeldern der Ukraine bereits sichtbar.

In den sozialen Medien entwickelte sich unterdessen der Hashtag #MadeByHousewives zum viralen Protest. Nutzerinnen und Nutzer reagierten mit Memes und satirischen Beiträgen, die die Effektivität ukrainischer Drohnen und Flugabwehrsysteme hervorhoben.

Unterstützung erhielt die Ukraine zudem aus der deutschen Rüstungsbranche selbst. Florian Seibel, Mitgründer und Co-CEO des deutschen Drohnenherstellers Quantum Systems, zeigte sich auf LinkedIn beschämt über die Aussagen seines Branchenkollegen. Quantum Systems stehe an der Seite aller "ukrainischen Hausfrauen", schrieb er, und bot an, militärische Aufnäher mit dem Motiv ukrainischer Frauen am Drohnensteuer zu verteilen.

Rheinmetall rudert zurück

Am Sonntag veröffentlichte Rheinmetall auf X eine Stellungnahme, die direkt an Kamyschin adressiert war. Darin betonte das Düsseldorfer Unternehmen, man habe "höchsten Respekt vor den immensen Anstrengungen des ukrainischen Volkes" bei der Verteidigung ihres Landes. Jede einzelne Frau und jeder einzelne Mann in der Ukraine leiste einen "unermesslichen Beitrag". Es sei ein besonderes Verdienst der Ukraine, dass das Land selbst mit begrenzten Ressourcen hocheffektiv kämpfe. Die Innovationskraft und der Kampfgeist der ukrainischen Bevölkerung seien eine Inspiration, so Rheinmetall weiter.

Rheinmetall ist womöglich auch "nur" nervös, denn die Ukraine baute in den vergangenen Monaten und Jahren ihre Position als globaler Akteur im Bereich Drohnentechnologie weiter aus. Präsident Selenskyj war zuletzt im Nahen Osten unterwegs, um die ukrainische Expertise in der Drohnenkriegsführung an Länder zu vermitteln, die sich gegen iranische Drohnen- und Raketenangriffe verteidigen müssen. Langfristige Verteidigungsabkommen mit mehreren Golfstaaten sollen Drohnenproduktion, Technologieaustausch und gemeinsame Fertigung umfassen.

Was haltet ihr von der Debatte - hat Papperger einen Punkt, wenn er auf den technologischen Abstand zu großen Rüstungskonzernen verweist, oder zeigt gerade die ukrainische Drohnenentwicklung, dass Innovation nicht immer aus dem Konzernlabor kommen muss? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Zusammenfassung
  • Rheinmetall-Chef Papperger nannte ukrainische Drohnen ein Lego-Spiel
  • Er bezeichnete die Drohnenhersteller abfällig als Hausfrauen
  • Selenskyjs Berater Kamyschin konterte mit Sarkasmus auf Twitter/X
  • FPV-Drohnen für 500 Dollar zerstörten Panzer im Millionenwert
  • Der Hashtag #MadeByHousewives wurde zum viralen Protest im Netz
  • Quantum-Systems-Chef Seibel zeigte sich beschämt über die Aussagen
  • Rheinmetall veröffentlichte am Sonntag eine respektvolle Stellungnahme

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