Chips für russischen Bomben-Terror:
Ukrainer verklagen Intel & Co.

Der Terror Russlands gegen die ukrainische Zivilbevölkerung wäre kaum im derzeitigen Umfang möglich, wenn nicht westliche Technik dabei helfen würde. Mehrere große US-Halbleiterhersteller wurden deshalb nun von Betroffenen verklagt.
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Sanktionen unzureichend beachtet

In einer Serie von Klagen werden Intel, Advanced Micro Devices (AMD) und Texas Instruments beschuldigt, nicht ausreichend verhindert zu haben, dass ihre Chips trotz Sanktionen in russische Waffen gelangten, die gegen Zivilisten eingesetzt wurden. Die Klagen wurden im US-Bundesstaat Texas eingereicht und stammen von Anwälten um den bekannten Massenkläger Mikal Watts sowie der Kanzlei Baker & Hostetler.

Die Anwälte vertreten Dutzende ukrainische Zivilisten, die bei Angriffen zwischen 2023 und 2025 verletzt wurden oder Angehörige verloren haben, berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg. In den Schriftsätzen ist von fünf konkreten Attacken die Rede, bei denen unter anderem Marschflugkörper des Typs KH-101, Iskander-Raketen sowie Drohnen eingesetzt worden seien. Einige dieser Waffensysteme hätten elektronische Bauteile enthalten, die mit Intel- oder AMD-Produkten in Verbindung gebracht werden.


Den beklagten Unternehmen wird vorgeworfen, eine "vorsätzliche Ignoranz" an den Tag gelegt zu haben. Obwohl bekannt gewesen sei, dass Chips über Zwischenhändler und Scheinfirmen nach Russland und in den Iran gelangten, hätten die Hersteller ihre Kontrollmechanismen nicht ausreichend verschärft. Eine Klage spricht von "unternehmerischer Fahrlässigkeit" innerhalb der USA, da Exportkontrollen und Systeme zur Verhinderung von Weiterleitungen versagt hätten.

Intel wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte, man habe sämtliche Geschäfte in Russland und Belarus nach Beginn des Krieges eingestellt und halte sich strikt an US-Exportgesetze und Sanktionsvorgaben. Auch AMD und Texas Instruments haben in der Vergangenheit betont, die Sanktionen einzuhalten und jede militärische Nutzung ihrer Produkte in Russland abzulehnen. Aktuelle Stellungnahmen der beiden Firmen lagen zunächst nicht vor.

Händler im Visier

Teil der Klagen ist zudem der Elektronikhändler Mouser Electronics aus Texas, der zum Berkshire-Hathaway-Konzern des Investors Warren Buffett gehört. Mouser soll laut Klägern eine zentrale Rolle beim Weiterverkauf der Chips gespielt haben, unter anderem durch Lieferungen an Firmen, die von russischen Strohmännern kontrolliert worden seien. Das Unternehmen erklärte, man werde sich vor Gericht äußern und nicht über die Medien.

Bereits frühere Recherchen hatten gezeigt, dass westliche Sanktionen den Zufluss moderner Halbleiter in die russische Rüstungsindustrie nicht vollständig stoppen konnten. Auch US-Politiker hatten Chiphersteller wiederholt aufgefordert, ihre Lieferketten strenger zu überwachen. Die Verfahren wurden in Texas angestrengt, da dort mehrere der beteiligten Unternehmen ihren Sitz oder bedeutende Niederlassungen haben.

Zusammenfassung
  • US-Halbleiterhersteller werden von ukrainischen Zivilisten verklagt
  • Vorwurf: Chips gelangten trotz Sanktionen in russische Waffensysteme
  • Intel, AMD und Texas Instruments sollen Kontrollen vernachlässigt haben
  • Angriffe mit Marschflugkörpern und Drohnen verletzten zahlreiche Menschen
  • Unternehmen bestreiten Vorwürfe und betonen Einhaltung von Sanktionen
  • Elektronikhändler Mouser Electronics spielte laut Klägern zentrale Rolle
  • Klagen wurden im US-Bundesstaat Texas von bekannten Anwaltskanzleien eingereicht

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