Norwegen beklagt per Video die "Verscheißifizierung" des Internets
Eine globale Kampagne aus Norwegen kämpft gegen die zunehmende Verschlechterung digitaler Dienste. Tech-Konzerne locken Nutzer anfangs mit Funktionen und ruinieren danach Plattformen und Geräte systematisch für mehr Gewinn.
Ziel der Initiative ist es, den schleichenden Qualitätsverfall bei Software, sozialen Medien und vernetzten Geräten zu stoppen. Unterstützt wird die Aktion von über 70 Organisationen aus Europa und den USA, darunter Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen. Sie fordern gemeinsam strengere Regeln für Tech-Konzerne, um die Rechte der Endanwender zu stärken.
Wie The Guardian berichtet, argumentiert Finn Lützow-Holm Myrstad, Direktor für Digitalpolitik beim Verbraucherrat, dass Nutzer den künstlichen Verfall in der analogen Welt niemals akzeptieren würden. Der Begriff Enshittification wurde ursprünglich 2022 vom kanadisch-britischen Autor Cory Doctorow auf der Plattform Pluralistic geprägt. Er wählte das Wort, um den Verfall von Plattformen wie Amazon oder Facebook zu beschreiben.
Doctorow beschreibt einen dreistufigen ökonomischen Zyklus. Zunächst locken Online-Plattformen Nutzer mit hervorragenden und oft kostenlosen Funktionen an. In einer zweiten Phase wird der Dienst zugunsten von Geschäftskunden und Werbetreibenden verschlechtert. In der Endphase werden beide Gruppen systematisch ausgenutzt, um die Gewinne der Aktionäre zu maximieren. Das (urkomische) Kampagnenvideo veranschaulicht das Prinzip anschaulich und sammelte bereits Millionen Aufrufe.
Besonders im Fokus stehen vernetzte Geräte und Fahrzeuge. Ein prominentes Thema im Bericht ist die Praxis, Funktionen bei Autos nachträglich hinter Abonnements zu sperren, etwa Sitzheizungen oder Assistenzsysteme für autonomes Fahren. Auch Drucker, die softwareseitig keine günstigen Fremdpatronen akzeptieren, oder Smart-Home-Geräte, die nach Updates Funktionen verlieren, werden als klassische Beispiele für das Phänomen genannt.
Hintergrund der Entwicklung ist oft die Monopolstellung weniger großer Tech-Konzerne. Wenn echter Wettbewerb fehlt, haben Nutzer keine Ausweichmöglichkeiten. Die Kampagne argumentiert, dass der Prozess keine technologische Notwendigkeit ist. Er ist vielmehr das Ergebnis bewusster geschäftspolitischer Entscheidungen, die durch Regulierung korrigiert werden können. Historisch gesehen greifen Kartellbehörden erst spät ein, was die Aktivisten nun ändern wollen.
Beobachtet ihr bei euren Geräten ebenfalls einen schleichenden Verlust von Funktionen? Diskutiert eure Erfahrungen und mögliche Lösungen gerne mit uns unten in den Kommentaren!
Siehe auch:
Norwegen rügt digitalen Verfall
Ein Mann sägt heimlich Tischbeine an und schneidet Löcher in Socken: Mit einem satirischen Video macht der norwegische Verbraucherrat Forbrukerrådet auf ein ernstes Problem der IT-Branche aufmerksam. Die Organisation startete Mitte März 2026 eine globale Kampagne gegen die sogenannte Enshittification (also so viel wie Verscheißifizierung) digitaler Produkte und Dienstleistungen.Ziel der Initiative ist es, den schleichenden Qualitätsverfall bei Software, sozialen Medien und vernetzten Geräten zu stoppen. Unterstützt wird die Aktion von über 70 Organisationen aus Europa und den USA, darunter Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen. Sie fordern gemeinsam strengere Regeln für Tech-Konzerne, um die Rechte der Endanwender zu stärken.
Ein Tag im Leben eines Ensh*ttificators
Wie The Guardian berichtet, argumentiert Finn Lützow-Holm Myrstad, Direktor für Digitalpolitik beim Verbraucherrat, dass Nutzer den künstlichen Verfall in der analogen Welt niemals akzeptieren würden. Der Begriff Enshittification wurde ursprünglich 2022 vom kanadisch-britischen Autor Cory Doctorow auf der Plattform Pluralistic geprägt. Er wählte das Wort, um den Verfall von Plattformen wie Amazon oder Facebook zu beschreiben.
Doctorow beschreibt einen dreistufigen ökonomischen Zyklus. Zunächst locken Online-Plattformen Nutzer mit hervorragenden und oft kostenlosen Funktionen an. In einer zweiten Phase wird der Dienst zugunsten von Geschäftskunden und Werbetreibenden verschlechtert. In der Endphase werden beide Gruppen systematisch ausgenutzt, um die Gewinne der Aktionäre zu maximieren. Das (urkomische) Kampagnenvideo veranschaulicht das Prinzip anschaulich und sammelte bereits Millionen Aufrufe.
Fokus auf Autos und Drucker
Der zur Kampagne gehörende Bericht (PDF) trägt den Titel Breaking Free und umfasst rund 80 Seiten. Er ist zugänglich und humorvoll gestaltet. Kapitelüberschriften wie "Do androids dream of electric s***" - eine Anspielung auf den Roman von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968, der später als Blade Runner verfilmt wurde - lockern die Analyse, die natürlich auch jede Menge Fakrten bietet, auf.Besonders im Fokus stehen vernetzte Geräte und Fahrzeuge. Ein prominentes Thema im Bericht ist die Praxis, Funktionen bei Autos nachträglich hinter Abonnements zu sperren, etwa Sitzheizungen oder Assistenzsysteme für autonomes Fahren. Auch Drucker, die softwareseitig keine günstigen Fremdpatronen akzeptieren, oder Smart-Home-Geräte, die nach Updates Funktionen verlieren, werden als klassische Beispiele für das Phänomen genannt.
Forderung nach Regulierung
Die Allianz fordert politische Entscheidungsträger in 14 Ländern auf, bestehende Gesetze konsequenter durchzusetzen. Dazu gehören insbesondere der Datenschutz und das Wettbewerbsrecht. Ein zentraler Punkt ist die Förderung von Interoperabilität: Nutzer sollen leichter zwischen verschiedenen Diensten wechseln können, ohne ihre Daten zu verlieren.Hintergrund der Entwicklung ist oft die Monopolstellung weniger großer Tech-Konzerne. Wenn echter Wettbewerb fehlt, haben Nutzer keine Ausweichmöglichkeiten. Die Kampagne argumentiert, dass der Prozess keine technologische Notwendigkeit ist. Er ist vielmehr das Ergebnis bewusster geschäftspolitischer Entscheidungen, die durch Regulierung korrigiert werden können. Historisch gesehen greifen Kartellbehörden erst spät ein, was die Aktivisten nun ändern wollen.
Beobachtet ihr bei euren Geräten ebenfalls einen schleichenden Verlust von Funktionen? Diskutiert eure Erfahrungen und mögliche Lösungen gerne mit uns unten in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Norwegens Verbraucherrat startete Mitte März 2026 eine globale Kampagne
- Satirisches Video kritisiert die Verscheißifizierung digitaler Dienste
- Über 70 Organisationen aus Europa und den USA unterstützen die Aktion
- Cory Doctorow prägte den Begriff Enshittification im Jahr 2022
- Plattformen locken Nutzer an und verschlechtern dann ihre Angebote
- Autofunktionen wie Sitzheizungen werden hinter Abonnements gesperrt
- Die Allianz fordert strengere Regulierung und mehr Interoperabilität
Siehe auch:
- Disney+ kürzt Qualität: Verbraucherzentrale rät zur Rückforderung
- USA verbieten Drohnen von DJI & Co: Verbraucher starten Panikkäufe
- Emergency Call: Verbraucherzentrale warnt vor Abbuchungsbetrug
- Verbraucherschutz kritisiert Microsoft: Windows 10-Problem verschoben
- EU möchte Schutz europäischer Verbraucher nicht für Apple aufweichen
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