Neue Treiber nach 20 Jahren:
Alte ATI-Radeon-GPUs erhalten ein Update

Neue OpenGL-Erweiterungen für zwei Jahrzehnte alte ATI-Radeon-Grafikkarten zeigen, wie weit Community-Support gehen kann. Entwickler implementieren damit frische Memory-Management-Funktionen für R300-GPUs unter Linux.
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ATI

    Community bringt neue Features für Veteranen-Hardware

    Heutzutage ist es normal, das Geräte nicht aufgrund physischer Defekte in Rente geschickt werden müssen, sondern einzig aufgrund der Tatsache, dass der Software-Support durch den Hersteller eingestellt wird. Jüngste Beispiele dafür sind etwa die Gigaset Smart-Home-Geräte, Spotifys Autozubehör Car Thing oder Microsofts sündhaft teure Surface Hubs.

    In einigen Fällen gibt es jedoch Online-Communitys, die sich um die weitere Versorgung der Hardware mit Updates kümmern. Wie weit ein solcher Community-Support gehen kann, zeigt jetzt die Veröffentlichung neuer Linux-Treiber für 20 Jahre alte ATI-Radeon-Grafikkarten. Der unabhängige Entwickler Brais Solla hat zwei wichtige OpenGL-Erweiterungen für die R300-Serie implementiert, die ursprünglich mit der legendären Radeon 9700 PRO im August 2002 startete.


    Die neuen Erweiterungen ermöglichen es OpenGL-Programmen wie glxinfo, detaillierte Informationen über den verfügbaren Grafikspeicher abzurufen. Das ist besonders relevant für die betagten Karten, da sie oft nur über 128 MB DDR-Speicher verfügen. Bei dieser Menge zählt schließlich jedes Megabyte.

    Wie Phoronix berichtet, endete der offizielle Windows-Support für diese GPUs bereits im März 2009 mit dem Catalyst 9.3-Treiber. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Linux-Community die Hardware weiterhin mit neuen Features versorgt.

    Die R300-Serie

    Die R300-Serie markierte das Debüt der ersten vollständig DirectX 9-kompatiblen Consumer-Grafikchips und bedeutete einen Wendepunkt in der GPU-Geschichte. Die Radeon 9700 PRO wurde am 19. August 2002 eingeführt und brachte DirectX 9.0-Unterstützung sowie OpenGL 2.0 auf den Desktop. Mit ihrer 0,15-Mikrometer-Fertigungstechnologie und acht Pixel-Pipelines setzte sie neue Maßstäbe bei der Grafikleistung.

    Erstmals konnten Consumer-Grafikkarten komplexe Shader-Programme ausführen, die zuvor professionellen Workstation-Karten vorbehalten waren. Die Radeon 9700 PRO verfügte mit 110 Millionen Transistoren und einen 256-Bit-Speicherbus über Spezifikationen, die damals beeindruckend waren. Die Karte kostete bei ihrer Markteinführung etwa 460 Euro und konkurrierte direkt mit Nvidias GeForce4-Ti-Serie.

    Technische Details und Verfügbarkeit

    Die jetzige Erweiterung liefert detaillierte Einblicke in den VRAM-Verbrauch und ähnliche Funktionen für das GPU-Hardware-Memory-Management. Beide Extensions helfen Spielen und Anwendungen dabei, die Speichernutzung effizienter zu verwalten. Diese Erweiterungen stammen ursprünglich aus dem Jahr 2009, wurden aber nie für die R300-Architektur implementiert.

    Die Implementierung erfolgt als Teil der kommenden Mesa 25.3-Version und wird auch die nachfolgenden X700/X800 (R400) und X1000 (R500) Serien unterstützen. Mesa 25.3 befindet sich derzeit in der Entwicklung und dürfte im vierten Quartal 2025 erscheinen. Die Änderungen werden auch in den Kernel-Space-Radeon-DRM-Treiber einfließen, der weiterhin mit diesen 20 Jahre alten Grafikkarten funktioniert.

    Was haltet ihr von diesem außergewöhnlichen Community-Support für alte Hardware? Nutzt ihr noch Retro-Systeme mit derartigen Grafikkarten?

    Zusammenfassung
    • Neue OpenGL-Erweiterungen für 20 Jahre alte ATI-Radeon-Grafikkarten unter Linux
    • Entwickler Brais Solla implementiert Memory-Management für R300-GPUs
    • Offizieller Windows-Support endete bereits im März 2009 mit Catalyst 9.3
    • Die Radeon 9700 PRO erschien am 19. August 2002 als DirectX 9-Pionier
    • Die Erweiterungen helfen bei effizienterer Verwaltung des VRAM-Verbrauchs
    • Implementation erfolgt als Teil der kommenden Mesa 25.3-Version
    • Community-Support ermöglicht Weiternutzung alter Hardware unter Linux

    Siehe auch:
    Felix Krauth

    Redakteur für Windows & Hardware

    War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.

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