Update nach 13 Jahren: 30 % mehr Leistung für alte AMD-GPUs in Linux

Wer bestimmte ältere Radeon-Grafikkarten von AMD nutzt, darf sich freuen. Denn Linux 6.19 bringt durch einen Wechsel des Standard­treibers bis zu 30 Prozent mehr Leistung für die teils bis zu 13 Jahre alte Hardware. Dank Vulkan-Support öffnen sich zudem neue Türen.
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AMD

Linux 6.19 beschenkt Retro-Hardware

In den vergangenen Monaten haben etliche ältere Technologien unter Linux erweiterten Support erhalten. So gab es im September etwa ein überraschendes Treiber-Update für Disketten und mit dem erst kürzlich veröffentlichten Linux-Kernel 6.19 die Integration einer Retro-Schnittstelle, 53 Jahre nach ihrer Einführung. Und auch bei Grafikkarten wird entsprechende Hardware unterstützt, wie im August implementierte Treiber für 20 Jahre alte ATI-GPUs zeigen. An der GPU-Front gibt es pünktlich zum Weihnachtsfest und dem bevorstehenden Jahreswechsel jetzt zudem eine weitere positive Überraschung.

Anwender, die noch Grafikkarten der Serien Radeon HD 7000 (Southern Islands, GCN 1.0) oder Radeon HD 8000 beziehungsweise der R7- und R9-200-Reihe (Sea Islands, GCN 1.1) von AMD betreiben, erhalten durch eine Änderung im Kernel-Code einen deutlichen Leistungsschub. So haben die Entwickler den Standardtreiber für diese über 13 Jahre alten GPUs gewechselt. Anstelle des veralteten Radeon-DRM-Moduls wird nun standardmäßig der moderne AMDGPU-Kernel-Treiber geladen.


Diese Umstellung ist ein wichtiger Schritt in der Pflege von Legacy-Hardware unter Linux und betrifft Chipsätze mit den Codenamen Tahiti, Cape Verde, Pitcairn sowie Oland. Während neuere AMD-Grafikkarten bereits seit Jahren den AMDGPU-Treiber nutzen, verharrten die ersten Generationen der Graphics-Core-Next-Architektur (GCN) standardmäßig auf dem alten Modul. Zwar war ein manueller Wechsel mittels Kernel-Parametern bereits in früheren Versionen möglich, doch erst jetzt haben die Entwickler die nötige Stabilität und Feature-Parität erreicht, die einen automatischen Wechsel für alle Endanwender rechtfertigt. Dieser Schritt integriert die alten Karten besser in das moderne Linux-Grafik-Ökosystem und vereinheitlicht den Software-Stack.

Benchmarks belegen Leistungsplus

Wie Phoronix in umfangreichen Tests ermittelt hat, führt der Wechsel zu messbaren Verbesserungen. In einem Testsystem mit einer Radeon HD 7950 und einem aktuellen Ryzen 9 9950X3D zeigte sich unter Ubuntu 25.10 ein Leistungszuwachs von durchschnittlich satten 30 Prozent über verschiedene OpenGL-Anwendungen hinweg. Besonders relevant ist dabei, dass der AMDGPU-Treiber den Zugriff auf den modernen RADV-Vulkan-Treiber von Mesa ermöglicht. Das war mit dem alten Radeon-Treiber technisch nicht umsetzbar und stellt für die Hardware einen Modernisierungsschub dar. Benchmark: AMDGPU-Treiber für alte Radeon-GPUs (Linux 6.19)Die älteren Grafikkarten liefern jetzt deutlich mehr Leistung Der treibende Faktor hinter dieser späten Optimierung ist dabei nicht primär der Chiphersteller AMD, sondern Valve. Der Entwickler Timur Kristóf hat maßgeblich daran gearbeitet, die Unterstützung für die GCN-1.0- und 1.1-Chips im AMDGPU-Treiber auf ein Niveau zu heben, das den alten Radeon-Treiber überflüssig macht. Das zeigt erneut, wie stark das Engagement von Valve im Linux-Bereich auch Hardware zugutekommt, die weit vor dem Steam Deck veröffentlicht wurde. Durch die Vereinheitlichung der Treiber-Basis sinkt zudem der Wartungsaufwand für die Entwickler-Community, da weniger Code-Pfade für uralte APIs gepflegt werden müssen.

Vulkan-Support öffnet Türen

Durch die native Unterstützung von Vulkan mittels RADV eröffnen sich für Retro-Gamer und Nutzer älterer Workstations neue Möglichkeiten. Spiele und Anwendungen, die zwingend Vulkan voraussetzen oder via Proton von Direct3D zu Vulkan übersetzt werden, laufen nun effizienter oder starten überhaupt erst. Es wäre jedoch unrealistisch zu erwarten, dass eine Radeon HD 7950 aus dem Jahr 2012 plötzlich moderne AAA-Titel wie Cyberpunk 2077 flüssig darstellt. Der limitierte Videospeicher von oft nur drei Gigabyte und die fehlenden Hardware-Features moderner Architekturen bleiben als technischer Flaschenhals bestehen.

Dennoch ist der Schritt bemerkenswert für die Langlebigkeit von IT-Komponenten und passt in die aktuelle Debatte um Nachhaltigkeit. Dass Hardware, die vor über einem Jahrzehnt auf den Markt kam, heute noch relevante Software-Updates und Performance-Steigerungen erhält, ist ein seltenes Phänomen in der schnelllebigen Tech-Branche. Für Bastler und Nutzer von Zweit-PCs bedeutet Linux 6.19, dass ihre Hardware noch eine Weile länger vor dem Elektroschrott bewahrt bleibt und unter modernen Linux-Distributionen ohne manuelle Eingriffe die bestmögliche Leistung liefert.

Nutzt ihr noch solch alte Hardware unter Linux oder liegen die Karten längst im Schrank? Verratet uns in den Kommentaren, ob ihr dem Oldie noch eine Chance gebt. Wir sind gespannt auf eure Erfahrungsberichte.

Zusammenfassung
  • Linux 6.19 bietet bis zu 30 Prozent mehr Leistung für ältere AMD-GPUs
  • Wechsel vom veralteten Radeon-DRM-Modul zum modernen AMDGPU-Treiber
  • Betrifft GCN 1.0 und GCN 1.1 GPUs der Serien HD 7000, HD 8000 und R7/R9-200
  • AMDGPU-Treiber ermöglicht erstmals Vulkan-Unterstützung für die alten Karten
  • Entwickler Timur Kristóf und Valve sind treibende Kräfte hinter dem Update
  • Verbesserung fördert Langlebigkeit und Nachhaltigkeit von Hardware aus 2012
  • Moderner Treiber wird ohne manuelle Eingriffe automatisch für alte GPUs geladen

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