Streit mit Entwickler eskaliert:
Torvalds schmeißt Dateisystem aus Linux

Linux Kernel 6.18 wird ohne das Bcachefs-Dateisystem ausgeliefert. Nach monatelangen Streitigkeiten über die Entwicklungsmethoden hat Linus Torvalds das moderne Copy-on-Write-Dateisystem jetzt aus dem Kernel geschmissen.
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Torvalds entfernt Bcachefs aus Linux Kernel 6.18

Linus Torvalds, der Vater von Linux, ist nicht gerade dafür bekannt, der umgänglichste Mensch zu sein. Er vertritt seine Meinung mit Nachdruck und scheut sich dabei auch nicht, Leuten auf die Füße zu treten. So beschimpfte er erst kürzlich den Code eines Programmierers als "nutzlosen Müll". Zudem schmiss er vor einem Jahr alle Russen aus dem Linux-Team. Jetzt gab es wieder einen Konflikt zwischen Torvalds und einem Programmierer - mit Folgen für den Linux-Kernel.

Nach einem lang schwelenden Streit hat Torvalds das Bcachefs-Dateisystem vollständig aus dem kommenden Kernel 6.18 entfernt. Das moderne Copy-on-Write-Dateisystem, das als Alternative zu Btrfs und ZFS entwickelt wurde, ist ab sofort nur noch als externes DKMS-Modul verfügbar. Die Entscheidung markiert das Ende einer turbulenten Beziehung zwischen Torvalds und Kent Overstreet, dem Hauptentwickler von Bcachefs.


Der Streit entzündete sich primär an Overstreets Entwicklungsmethoden, die Torvalds als unzureichend getestet und zu wenig kollaborativ kritisierte. Der Linux-Vater äußerte seine Frustration über Overstreets Arbeitsweise bereits im Oktober 2024 deutlich. Besonders problematisch war aus Torvalds' Sicht dabei, dass Patches häufig kurz vor Release-Terminen eingereicht wurden, ohne ausreichende Tests oder Community-Diskussionen.

Was ist Bcachefs?

Bcachefs ist ein modernes Copy-on-Write-Dateisystem mit Fokus auf Zuverlässigkeit und umfassenden Features wie Checksumming, Verschlüsselung, Kompression und Multi-Device-Unterstützung. Das System nutzt B-Trees mit ungewöhnlich großen Knoten von 256 KiB, die intern log-strukturiert sind - eine hybride Datenstruktur, die das Neuschreiben von Knoten bei Updates reduziert. Technisch gesehen kombiniert Bcachefs die Performance moderner Copy-on-Write-Systeme wie Btrfs und ZFS mit der Geschwindigkeit traditioneller Dateisysteme wie ext4 und XFS.

Die Entwicklung von Bcachefs begann 2015 als Weiterentwicklung des Bcache-Block-Layer-Caches. Kent Overstreet, der bereits bei Google an verschiedenen Storage-Projekten gearbeitet hatte, wollte ein Dateisystem schaffen, das die Vorteile von ZFS und Btrfs ohne deren Nachteile bietet. Besonders die Robustheit und Skalierbarkeit standen im Fokus. Bcachefs sollte sowohl auf kleinen Embedded-Systemen als auch auf großen Servern funktionieren.

Entwicklungskonflikt eskaliert

Der Konflikt Torvalds und Overstreet verschärfte sich, als letzterer während der Release-Candidate-Phase neue Features wie "journal-rewind" zur Verbesserung der Datenwiederherstellung einreichte - ein Zeitpunkt, der normalerweise nur für Bugfixes reserviert ist. Ein konkreter Streitpunkt war ein Build-Fehler auf Big-Endian-Maschinen, der durch unzureichende Tests entstanden war. Torvalds warf Overstreet vor, etablierte Kernel-Entwicklungsprozesse zu missachten und zu wenig mit der Community zusammenzuarbeiten.

Overstreet verteidigte seinen Ansatz mit dem Argument, dass Regeln flexibel gehandhabt werden sollten, besonders wenn es um Datenintegrität gehe. In einer frustrierten Reaktion forderte er Torvalds sogar dazu heraus, sein eigenes Dateisystem zu programmieren. Diese Aussage verdeutlichte die zunehmende Entfremdung zwischen den beiden Entwicklern und machte eine Versöhnung immer unwahrscheinlicher.

Zukunft als externes Modul ungewiss

Mit der Entfernung aus dem Kernel müssen Nutzer künftig auf DKMS-basierte Builds zurückgreifen, ähnlich wie bei Nvidia-Treibern oder VirtualBox-Modulen. Das erhöht die Hürden für die Adoption erheblich, da Distributionen möglicherweise keine bcachefs-dkms-Pakete bereitstellen und Nutzer das Modul manuell kompilieren müssen.

Mit der Entfernung des Dateisystems aus dem Mainline-Kernel hat der Streit jetzt einen neuen Höhepunkt erreicht. Für Nutzer bedeutet das, dass Bcachefs nicht mehr von den automatisierten Tests und der breiten Entwicklergemeinschaft profitiert, die zur Stabilität des Linux-Kernels beitragen. Für Overstreet wird es schwieriger, Bugs zu finden und zu beheben, da weniger Nutzer das Dateisystem testen werden. Ob Torvalds und Overstreet noch einmal einen gemeinsamen Weg finden, bleibt abzuwarten.

Was haltet ihr von Torvalds' harter Linie? Seht ihr Bcachefs trotz der Kontroversen als vielversprechende Alternative zu bestehenden Dateisystemen?

Zusammenfassung
  • Linus Torvalds entfernt Bcachefs aus dem kommenden Linux Kernel 6.18
  • Konflikt mit Kent Overstreet über unzureichende Tests und Entwicklungsmethoden
  • Bcachefs ist ein modernes Copy-on-Write-Dateisystem mit vielen Features
  • Streit eskalierte durch Einreichung neuer Features während Release-Candidate-Phase
  • Build-Fehler auf Big-Endian-Maschinen wurde zum konkreten Streitpunkt
  • Bcachefs ist künftig nur noch als externes DKMS-Modul verfügbar
  • Erhöhte Hürden für Nutzer durch fehlende automatisierte Tests und Support

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