Borderlands 4 im Test: Neue Freiheit, tolles Gameplay, alte Probleme

Neue offene Welt, verbessertes Kampfsystem, erwachsenere Story - Borderlands 4 will vieles besser machen. Doch Gearbox stolpert: Künstliche Barrieren blockieren die Freiheit, technische Probleme nerven. In unserem Test verraten wir, ob sich der Loot-Shooter trotz aller Schwächen lohnt.
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Borderlands 4: Abschied von Pandora

Borderlands 4 markiert einen bedeutenden Wendepunkt für die traditionsreiche und auch beliebte Shooter-Serie von Gearbox. Nach 16 Jahren seit dem ersten Teil unternimmt das Studio den Versuch, die bewährte Formel durch weitreichende strukturelle Veränderungen zu modernisieren.

Die zentrale Neuerung besteht in der Implementierung einer echten offenen Welt - eine Premiere für die Reihe, die bisher auf segmentierte Gebiete mit Ladebildschirmen setzte. Diese grundlegende Designentscheidung zieht sich durch sämtliche Aspekte des Spiels und beeinflusst sowohl dessen Stärken als auch Schwächen. Denn das Rad erfindet Gearbox deshalb nicht neu und in diesem Test verraten wir, ob die offene Spielwelt mehr ist als nur so etwas wie Kosmetik.

Spielwelt in Kairos und Handlung

Das Spiel verabschiedet sich jedenfalls vom langjährigen Schauplatz Pandora und verlegt das Geschehen auf den Planeten Kairos. Diese neue Umgebung präsentiert sich in vier unterschiedlichen Regionen: die Welkfelder, die gebirgigen und von Psychos überrannten Wüstengipfel der Terminus-Weite, das zerstörte Ödland von Carcadia sowie die Festungsstadt Dominion. Atmosphärisch ist Carcadia Burn am überzeugendsten ausgefallen - hier zeigt sich die gestalterische Kompetenz von Gearbox am deutlichsten, mit verfallenden Industrieanlagen und wackeligen Wellblechsiedlungen.


Die Handlung dreht sich um den Timekeeper, einen diktatorischen Herrscher, der die Bevölkerung mittels Kontrollimplantaten unterjocht. Diese Implantate ermöglichen ihm theoretisch die Kontrolle über jeden Träger, einschließlich der Spielerfigur. Allerdings erhält der Held einen Roboterbegleiter namens Echo, der das Signal des Timekeepers blockiert.

Die Story selbst kann man durchaus kritisch sehen, auch wenn diese noch nie den zentralen Reiz der Borderlands-Spiele darstellte. Gegenüber Borderlands 3 fällt die deutlich erwachsenere Erzählweise positiv auf, die auf übermäßige Meme-Referenzen und Toiletten-Witze verzichtet. Allerdings wirken die neuen Charaktere trotz guter Sprecher mitunter zu eindimensional und austauschbar. Während Borderlands traditionell polarisierende Figuren präsentierte, rufen die Charaktere in Teil 4 kaum emotionale Reaktionen hervor.

Das ist natürlich auch eine Geschmacksfrage: Wer die überdrehte Präsentation früherer Teile als störend empfand, wird die nun zurückhaltendere Inszenierung schätzen. Spieler, die gerade die schrillen Persönlichkeiten als Markenzeichen der Serie betrachteten, könnten hingegen etwas enttäuscht sein.

Die Vault Hunter und Charakterprogression

Borderlands 4 bietet vier spielbare Charaktere, die sogenannten Vault Hunter, also Kammerjäger. Die Sirene Vex nutzt Weltraummagie für elementaren Schaden und kann Beschwörungen einsetzen. Rafa, ein Exo-Soldat, konstruiert holographische Waffen vom Schultergeschütz bis zur Nahkampfklinge. Harlowe manipuliert als Gravitar die Schwerkraft und kann Gegner in Blasen gefangen halten. Amon schließlich ist ein Schmiederitter, der auf kybernetisch verstärkte Nahkampfangriffe spezialisiert ist. Borderlands 4Hier die Skills von Rafa, der als Spezialfähigkeit auf das Ballern per Schultergeschütz setzt Dies stellt die bislang vielseitigste und ausgewogenste Charakterauswahl der Serie dar. Jeder Kammerjäger verfügt über drei Fertigkeitsbäume, die jeweils auf einer von drei Varianten ihrer einzigartigen Aktionsfähigkeit basieren. Innerhalb dieser Bäume existieren weitere Verzweigungen, die deutlich unterschiedliche Spielstile ermöglichen. Fertigkeitspunkte können natürlich neu verteilt werden, was das Experimentieren mit verschiedenen Builds erheblich fördert.

Diese Tiefe des Charaktersystems überzeugt, wenngleich sich dieses erst ab etwa Level 15 voll entfaltet. Die frühen Spielstunden im Loot-Shooter, in denen nur ein Fertigkeitspunkt pro Level verfügbar ist, gestalten sich vergleichsweise zäh. Nach Abschluss der Kampagne können neue Charaktere jedoch auf Level 30 gestartet werden, was diese anfängliche Hürde bei weiteren Durchgängen eliminiert.


Open World und Erkundung

Wie anfangs erwähnt stellt die offene Welt die fundamentalste Änderung gegenüber früheren Borderlands-Teilen dar. Anders als die bisherigen großen Zonen, die durch Ladebildschirme getrennt waren, präsentiert Kairos eine nahtlos verbundene Spielwelt. Diese strukturelle Entscheidung erweist sich als zweischneidiges Schwert.

Positiv fällt die nicht lineare Progression auf. Man kann zwischen Hauptquests in verschiedenen Regionen wechseln, Nebenmissionen absolvieren oder die Karte erkunden, ohne an eine feste Reihenfolge gebunden zu sein. Die Integration des Loot-Shooter-Prinzips mit dem Open-World-Design erzeugt einen besonders starken Spielfluss, der die Kurzweiligkeit fördert, aber auch seine Längen hat. Die Verbindung aus dem befriedigenden Kampfsystem und der Vielzahl an Aktivitäten schafft eine äußerst wirksame Motivationsschleife.

Die Fortbewegung wurde erheblich verbessert. Neben dem aus Teil 3 bekannten Rutschen und Klettern gibt es nun Doppelsprünge, einen Enterhaken und eine Gleitfunktion. Ein persönliches Fahrzeug kann auf Befehl beschworen werden, was die umständliche Suche nach Spawn-Punkten überflüssig macht. Der Roboterbegleiter Echo fungiert als Navigationssystem und zeigt den Weg zum nächsten Ziel - sofern das System funktioniert, denn gelegentlich verweigert Echo den Dienst oder findet keinen sinnvollen Pfad.

Die Kehrseite dieser offenen Struktur zeigt sich in der Weltgestaltung selbst. Kairos ist voller unsichtbarer Wände, an denen man beim Gleiten oder Klettern unerwartet abprallt. Die Umgebungen wirken wie gestapelte Teller konstruiert - Felsplatten mit scharfen Kanten, die scheinbar willkürlich das Erklettern verhindern. Oft führt nur ein spezifischer, mitunter umständlicher Weg zum Ziel.

Diese Einschränkungen fallen besonders negativ auf, da eine offene Welt üblicherweise das Erkunden nahelegt, während Borderlands 4 diese durch künstliche Barrieren einschränkt. Gearbox muss sich hier die Kritik gefallen lassen, dass die offene Welt nur eine schönere "Verpackung" der früheren Zonen ist.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Fast-Travel-Optionen, die auf wenige Schlüsselstandorte und eroberte Schutzhäuser beschränkt sind. Checkpoints können hunderte Meter von Kampfschauplätzen entfernt liegen, was zu unnötigen Laufwegen führt.

Kampfsystem und Bewegungsmechanik

Das Kampfsystem indes profitiert erheblich von den erweiterten Bewegungsoptionen. Zusätzlich zum Laufen und Rutschen kann man nun doppelt springen, gleiten, den Enterhaken nutzen, in beliebige Richtungen ausweichen und endlich sogar schwimmen - Wasser ist nicht länger tödlich. Diese Mechaniken lassen sich auch im Gefecht einsetzen: Man kann sich zu Aussichtspunkten schwingen, während des Gleitens schießen oder hinter Deckung schweben, um sich zu heilen. Borderlands 4Der Oberschurke von Borderlands 4: der Timekeeper bzw. Zeitwächter Es braucht eine gewisse Zeit, alle Optionen zu verinnerlichen, doch nach dieser Eingewöhnung funktioniert das Kampfsystem außerordentlich befriedigend und natürlich. Situationen entstehen, in denen man etwa seinen Schild gezielt brechen lässt, sich dann mit dem Enterhaken in die Luft schwingt und die resultierende Schildexplosion nutzt, um einen fliegenden Gegner auszuschalten.

Die Kämpfe selbst präsentieren sich straffer und reaktionsfreudiger als in früheren Teilen: Gegner werden durch die Luft geschleudert, Explosionen erzeugen spektakuläre visuelle Effekte. Die Vielfalt der Feindtypen hat sich deutlich erhöht, da der Szenenwechsel von Pandora eine Neugestaltung der Gegner erforderte - wovon das Spiel eben profitiert.

Neben den maskierten Psychos, die in keinem Borderlands-Spiel fehlen dürfen, gibt es u. a. mechanische Spinnen, die Kugeln reflektieren, während sie ihre Beine rotieren lassen, sowie kristallbedeckte Kreaturen, die erst nach Zerstörung ihrer Kristalle verwundbar werden.

Besonders hervorzuheben sind die Bosskämpfe, die nun häufiger spezielle Mechaniken erfordern. Diese reichen vom Werfen toxischer Bomben zur Entfernung von Panzerung bis zum Jonglieren in der Luft mittels Gleiten und Enterhaken, wenn der Boden gefährlich wird. Die Komplexität erreicht zwar nicht das Niveau anderer Boss-lastiger Spiele, stellt aber eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Borderlands-Kämpfen mit Endgegnern dar, die oft auf simples Ausweichen und Schießen beschränkt waren.

Der Schwierigkeitsgrad erweist sich dabei als anspruchsvoll - und für einige sogar frustrierend. Selbst mit mächtigen Fähigkeiten und guten Waffen bleiben Kämpfe herausfordernd, was knappe Siege besonders befriedigend und spaßig macht.

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