Nintendo patentiert banale Spielmechaniken, Experten sind entsetzt
Nintendo hat zwei neue US-Patente für grundlegende Gameplay-Mechaniken erhalten, die das Beschwören von Charakteren und das Reiten auf Objekten betreffen. Rechtsexperten warnen vor weitreichenden Folgen für die Spielebranche.
Die Patentanmeldungen gehen wohlgemerkt auf das Jahr 2021 zurück und basieren auf ursprünglichen japanischen Anträgen aus dem Jahr 2020. Beide Patente wurden ohne Einsprüche oder Widersprüche erteilt, was in der Branche als ungewöhnlich gilt. Die Mechaniken, die in den Patenten beschrieben werden, sind in zahlreichen Pokémon-Spielen zu finden und könnten theoretisch auch andere Spiele des Monster-Taming-Genres betreffen.
Die Prüfung durch das US-Patentamt basierte lediglich auf 16 US-Patenten, sieben japanischen Patenten und einem Artikel von Pokemon.com als Referenzmaterial. Diese geringe Anzahl an Vergleichsquellen wird von Experten als unzureichend für eine ordnungsgemäße Prüfung angesehen. Das erste Patent umfasst ein komplexes System, bei dem Spieler eine Hauptfigur steuern, einen separaten "Unter-Charakter" beschwören und je nach Erscheinungsort des Helfers unterschiedliche Kampfmechaniken auslösen können.
Das zweite Patent fokussiert sich auf Bewegungsmechaniken, die es Spielern ermöglichen, nahtlos zwischen verschiedenen Fortbewegungsmitteln zu wechseln oder auf Objekten zu reiten. Solche Mechaniken sind in modernen Open-World-Spielen weitverbreitet und könnten theoretisch eine Vielzahl von Titeln betreffen, die ähnliche Systeme verwenden.
Die Timing der Patenterteilungen wirft Fragen über Nintendos Herangehensweise auf, wie Florian Mueller auf Games Fray schreibt. Kritiker sehen darin einen Versuch, das rechtliche Arsenal gegen Konkurrenten zu erweitern und möglicherweise andere Entwickler von ähnlichen Projekten abzuschrecken. Palworld hatte bei seinem Early-Access-Start im Januar 2024 großen Erfolg und verkaufte innerhalb weniger Wochen über 25 Millionen Kopien.
Verschärfend kommt hinzu, dass das US-Patentamt unter der aktuellen Führung es zunehmend schwieriger macht, bereits erteilte Patente anzufechten. Das bedeutet laut Sigmon, dass "schlechte Patente länger auf dem Markt bleiben und eine größere Bedrohung für die gesamte Branche darstellen". Die Entwicklung könnte dazu führen, dass grundlegende Gameplay-Mechaniken, die seit Jahrzehnten in verschiedenen Spielen verwendet werden, plötzlich unter Patentvorbehalt stehen.
Was haltet ihr von Nintendos Patent-Strategie? Seht ihr darin eine Bedrohung für kleinere Entwickler oder legitimen Schutz geistigen Eigentums? Teilt eure Meinungen in den Kommentaren mit uns.
Siehe auch:
Nintendo sichert sich umstrittene Gameplay-Patente
Nintendo und die Pokémon Company haben Anfang September zwei US-Patente erhalten, die fundamentale Spielmechaniken in Videospielen abdecken. Das erste Patent mit der Nummer 12.403.397 wurde am 2. September 2025 vom US-Patent- und Markenamt erteilt und beschreibt ein System zum Beschwören von Charakteren für Kämpfe durch das Werfen eines Balls. Das zweite Patent trägt die Nummer 12.409.387 und bezieht sich auf Mechanismen, die das nahtlose Wechseln zwischen verschiedenen Objekten oder das Reiten auf diesen ermöglichen.Die Patentanmeldungen gehen wohlgemerkt auf das Jahr 2021 zurück und basieren auf ursprünglichen japanischen Anträgen aus dem Jahr 2020. Beide Patente wurden ohne Einsprüche oder Widersprüche erteilt, was in der Branche als ungewöhnlich gilt. Die Mechaniken, die in den Patenten beschrieben werden, sind in zahlreichen Pokémon-Spielen zu finden und könnten theoretisch auch andere Spiele des Monster-Taming-Genres betreffen.
Scharfe Kritik von Rechtsexperten
Videospiel-Patent-Anwalt Kirk Sigmon bezeichnete gegenüber PC Gamer die Erteilung der Nintendo-Patente als "peinliches Versagen des US-Patentsystems". Demnach stellen diese Patente eine grundlegende Bedrohung für Kreativität und Innovation in der Spieleindustrie dar. Sigmon kritisierte besonders, dass das Patent für das Beschwören von Charakteren ohne jeglichen Widerstand erteilt wurde, was seiner Ansicht nach "extrem ungewöhnlich ist und eine große Anzahl von Warnsignalen auslöst".Palworld: Launch-Trailer zum Pokémon-inspirierten Überraschungshit
Die Prüfung durch das US-Patentamt basierte lediglich auf 16 US-Patenten, sieben japanischen Patenten und einem Artikel von Pokemon.com als Referenzmaterial. Diese geringe Anzahl an Vergleichsquellen wird von Experten als unzureichend für eine ordnungsgemäße Prüfung angesehen. Das erste Patent umfasst ein komplexes System, bei dem Spieler eine Hauptfigur steuern, einen separaten "Unter-Charakter" beschwören und je nach Erscheinungsort des Helfers unterschiedliche Kampfmechaniken auslösen können.
Technische Details der Patent-Mechaniken
Das Patent 12.403.397 beschreibt detailliert, wie Spieler durch das Werfen eines Objekts einen Charakter beschwören können. Wenn der beschworene Helfer direkt auf einen Feind trifft, beginnt ein spielergesteuerter Kampf. Erscheint der Charakter hingegen an einer anderen Stelle, bewegt er sich automatisch in eine vom Spieler bestimmte Richtung. Diese Mechanik ist seit Jahrzehnten ein Kernbestandteil der Pokémon-Spiele und findet sich in ähnlicher Form auch in anderen Titeln des Genres.Das zweite Patent fokussiert sich auf Bewegungsmechaniken, die es Spielern ermöglichen, nahtlos zwischen verschiedenen Fortbewegungsmitteln zu wechseln oder auf Objekten zu reiten. Solche Mechaniken sind in modernen Open-World-Spielen weitverbreitet und könnten theoretisch eine Vielzahl von Titeln betreffen, die ähnliche Systeme verwenden.
Verbindung zu Palworld-Klage
Die neuen Patente gewinnen besondere Brisanz vor dem Hintergrund der laufenden Klage zwischen Nintendo, der Pokémon Company und dem Palworld-Entwickler Pocketpair. Nintendo wirft Pocketpair vor, mit Palworld gegen mehrere Gameplay-Patente verstoßen zu haben. Im Mai 2025 änderte Pocketpair bereits bestimmte Mechaniken in Palworld, wie die Fähigkeit, "Pals" durch das Werfen von "Pal Spheres" zu beschwören, um "weitere Störungen bei der Entwicklung zu verhindern".Die Timing der Patenterteilungen wirft Fragen über Nintendos Herangehensweise auf, wie Florian Mueller auf Games Fray schreibt. Kritiker sehen darin einen Versuch, das rechtliche Arsenal gegen Konkurrenten zu erweitern und möglicherweise andere Entwickler von ähnlichen Projekten abzuschrecken. Palworld hatte bei seinem Early-Access-Start im Januar 2024 großen Erfolg und verkaufte innerhalb weniger Wochen über 25 Millionen Kopien.
Die Androhung einer Klage kann den Wettbewerb ausreichend ersticken, wenn es Millionen von Dollar kosten würde, sich zu verteidigen
Verschärfend kommt hinzu, dass das US-Patentamt unter der aktuellen Führung es zunehmend schwieriger macht, bereits erteilte Patente anzufechten. Das bedeutet laut Sigmon, dass "schlechte Patente länger auf dem Markt bleiben und eine größere Bedrohung für die gesamte Branche darstellen". Die Entwicklung könnte dazu führen, dass grundlegende Gameplay-Mechaniken, die seit Jahrzehnten in verschiedenen Spielen verwendet werden, plötzlich unter Patentvorbehalt stehen.
Was haltet ihr von Nintendos Patent-Strategie? Seht ihr darin eine Bedrohung für kleinere Entwickler oder legitimen Schutz geistigen Eigentums? Teilt eure Meinungen in den Kommentaren mit uns.
Zusammenfassung
- Nintendo erhält zwei US-Patente für grundlegende Spielmechaniken
- Patente betreffen das Beschwören von Charakteren und Reiten auf Objekten
- Experten kritisieren die Patente als Bedrohung für die Spieleindustrie
- Rechtsanwalt Sigmon bezeichnet die Patenterteilung als peinliches Versagen
- Die Patentprüfung basierte auf unzureichendem Vergleichsmaterial
- Zeitliche Nähe zur Klage gegen Palworld-Entwickler Pocketpair auffällig
- Kritiker sehen darin Strategie zur Abschreckung von Konkurrenten
Siehe auch:
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