Der Schwarm: Quallen legen französisches Atomkraftwerk lahm

Ein Schwarm Quallen hat am gestrigen Montag den Betrieb des Atomkraftwerks Gravelines in Nordfrankreich unterbrochen. Der Vorfall ereignete sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da auch andere Anlagen wegen einer Hitzewelle nicht wie geplant arbeiten.
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Eines der größten AKW

Nach Angaben des Betreibers Électricité de France (EDF) drang eine "massive und unvorhersehbare Menge an Quallen" in die Filtersysteme der Kühlwasserversorgung für das Kraftwerk ein. Die Tiere verstopften den Kreislauf, woraufhin vier der sechs Reaktorblöcke automatisch abgeschaltet wurden. Die beiden übrigen Blöcke waren zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb.

EDF betonte, es habe "keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen, des Personals oder der Umwelt" gegeben. Die Quallen seien ausschließlich im nicht nuklearen Teil der Anlage gefunden worden. Einsatzteams seien vor Ort, um die Filter zu reinigen und die Kühlwasserzufuhr wiederherzustellen. Ziel sei es, die betroffenen Reaktoren zeitnah und sicher wieder hochzufahren.


Das Kernkraftwerk Gravelines, gelegen zwischen Dünkirchen und Calais, gehört zu den größten Frankreichs. Jeder der sechs Blöcke produziert 900 Megawatt Strom; die Anlage wird über einen Kanal gekühlt, der mit der Nordsee verbunden ist. In den warmen Sommermonaten kommen dort vermehrt verschiedene Quallenarten vor.

Laut dem Kerntechniker Ronan Tanguy gelangten die Meerestiere trotz vorhandener Schutzsysteme in die Anlage. Ihre weichen, gelatinösen Körper ermöglichten es ihnen, die ersten Filter zu passieren, bevor sie im sekundären Trommelsieb hängenblieben. Dadurch verringerte sich die Kühlwasserzufuhr, was die automatische Abschaltung der Reaktoren auslöste. Tanguy betonte, es handle sich um ein rein technisches Problem, nicht um einen nuklearen Zwischenfall.

Hitzewelle in Frankreich

Ähnliche Vorfälle sind selten, aber nicht unbekannt: 2011 legten Quallen das britische Kernkraftwerk Torness lahm, 2013 war die schwedische Anlage Oskarshamn betroffen. Fachleute vermuten, dass die aktuellen Hitzewellen in Westeuropa eine Rolle gespielt haben. Wie die Meeresbiologin Ruth Chamberlain der BBC erklärte, seien Quallen in warmen Monaten besonders aktiv. Höhere Wassertemperaturen führten zudem zu mehr Plankton - der Hauptnahrung der Tiere - und lockten sie in Küstennähe.

Der Vorfall ereignet sich für die EDF zu einem schwierigen Zeitpunkt. Denn auch andere Kernkraftwerke können aktuell nicht wie gewohnt betrieben werden: In Frankreich verzeichnet man aktuell eine Hitzewelle, die an vielen Orten die Temperaturrekorde purzeln lässt. Dies heizt die Flüsse auf, die so nicht mehr das benötigte Kühlwasser liefern können. Die Folge sind weitere Reaktor-Abschaltungen.

Zusammenfassung
  • Quallenschwarm verstopfte Kühlwasserfilter im AKW Gravelines
  • Vier von sechs Reaktorblöcken wurden automatisch abgeschaltet
  • Laut EDF bestand keine Gefahr für Sicherheit, Personal oder Umwelt
  • Weiche Körper der Quallen konnten erste Filtersysteme überwinden
  • Höhere Wassertemperaturen begünstigen vermehrtes Quallenaufkommen
  • Ähnliche Vorfälle gab es bereits in britischen und schwedischen AKWs
  • Hitzewelle in Frankreich erschwert zusätzlich den Betrieb anderer Anlagen

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