China: Bargeld fast aus dem Alltag verschwunden - das birgt Konflikte

Die rasante Digitalisierung in China geht damit einher, dass Bargeld im Alltag inzwischen kaum noch eine Rolle spielt. Das führt zunehmend aber auch zu Konflikten zwischen der Wirtschaft und den staatlichen Institutionen.
China, Flagge, Wappen, Flaggen, Fahnen, Peking, Volksrepublik China, Great Wall, Rote Fahne, Chinesische Mauer

Alle nutzen nur noch Apps

"Unter 80 nutzt fast jeder die Apps. Nur für die ganz Alten nehme ich noch Bargeld", zitiert die französische Zeitung Le Monde den Markthändler Ma Dian, der auf dem Xinmin-Markt im Herzen Pekings seine Waren feil bietet. Binnen der letzten zehn Jahre habe in dieser Beziehung ein gravierender Wandel stattgefunden - der vor allem ältere Menschen oft abhängt.

Und dies ist nicht nur auf dem Markt so. Im täglichen Leben in China werden fast alle Zahlungen über Apps wie WeChat oder Alipay abgewickelt. Ob Supermarkt, Taxi oder Straßenverkauf - ohne QR-Code läuft kaum noch etwas. Bargeld wird vielerorts gar nicht mehr akzeptiert, und selbst Kleinstunternehmen verzichten oft auf eine klassische Kasse.


Das bringt auch ausländische Besucher gern mal in Probleme. Denn wer sich nicht auf die Situation vorbereitet, hat oft schon Probleme, vom Flughafen zum eigentlichen Zielort zu kommen. Immerhin wird beispielsweise auch das Taxi nicht nur digital bezahlt, sondern auch per App geordert. Das Problem dabei: Die verbreiteten westlichen Online-Bezahldienste lassen sich in China natürlich in der Regel nicht nutzen.

Wirtschaft vs. Staat

Die Verschiebung im Nutzungsverhalten birgt inzwischen sogar einen Konflikt um die Macht, hieß es. Die Vormachtstellung von WeChat (ursprünglich ein soziales Netzwerk) und Alipay (vom E-Commerce-Riesen Alibaba) hat traditionelle Banken an den Rand gedrängt. Vor allem die chinesischen Staatsbanken verlieren zunehmend Einfluss auf den Zahlungsverkehr.

Um gegenzusteuern, hat die Zentralbank den digitalen Yuan (e-CNY) entwickelt. Trotz Pilotprojekten und Millionen eröffneter Konten bleibt seine Nutzung im Alltag aber gering. Und der frühere Leiter des Projekts, Yao Qian, wurde 2024 wegen Korruptionsverdachts festgenommen - ironischerweise soll er Bestechungsgelder in Kryptowährungen verschleiert haben.

Der Kampf um die Kontrolle über Chinas Finanzsystem wird somit zunehmend auch zu einem politischen Machtspiel zwischen den großen und finanzstarken Tech-Konzernen und der Staatsführung in Peking, in dem die Bürger mit den Füßen abstimmen. Wie dies in einem autoritären Staat letztlich ausgehen wird, ist völlig offen.

Zusammenfassung
  • Bargeldloses Bezahlen mit Apps wie WeChat und Alipay dominiert in China
  • Menschen über 80 Jahre werden durch digitale Zahlungsmethoden ausgegrenzt
  • Ausländische Besucher stoßen auf Probleme ohne chinesische Bezahl-Apps
  • Traditionelle Banken und staatliche Institutionen verlieren an Einfluss
  • Der digitale Yuan konnte sich trotz millionenfacher Konten nicht durchsetzen
  • Konflikt zwischen Tech-Konzernen und Staatsführung um Finanzkontrolle

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!