LibreOffice: Das Fehlen von KI-Funktionen gilt nun als Feature

Die Entwickler von LibreOffice verzichten bewusst auf die Integration von Künstlicher Intelligenz. Da der Schutz von Nutzerdaten im Vordergrund steht, gilt das Fehlen von KI-Funktionen in der Office-Suite nun offiziell als Feature.
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WinFuture/KI-generiert
  • LibreOffice verzichtet vorerst ganz bewusst auf generative KI-Funktionen
  • Der Datenschutz sensibler Daten von Behörden und Kanzleien hat Vorrang
  • Eine spätere Integration erfordert strikte Kriterien ganz ohne Telemetrie
  • Gemeinnützige Strukturen erfordern anders als Konzerne keine KI-Gebühren
  • Wer möchte, kann lokale Sprachmodelle über Erweiterungen selbst einbinden
  • Die Standardinstallation bleibt bis zur Erfüllung aller Auflagen KI-frei

Bewusste Entscheidung gegen KI

Nach der Veröffentlichung von LibreOffice 26.8 Ende August hat The Document Foundation klargestellt, dass die quelloffene Bürosoftware vorerst keine generativen Funktionen für Künstliche Intelligenz erhalten wird. Das Fehlen von KI-Assistenten ist dabei kein technischer Rückstand, sondern eine bewusste Designentscheidung der Entwickler.

Zu den Nutzern von LibreOffice zählen Krankenhäuser, Anwaltskanzleien und Behörden, also Einrichtungen, die regelmäßig mit sensiblen oder rechtlich geschützten Informationen arbeiten. Nach Ansicht der Stiftung sollen Nutzer die Kontrolle über ihre Daten behalten. Die Entwickler betonen, dass bei der Verarbeitung von vertraulichen Dokumenten die einzige verlässliche Garantie für einen Datenschutz-Audit darin besteht, dass die Daten den lokalen Rechner niemals verlassen.


Strenge Kriterien für die Zukunft

Wie Gründungsmitglied Italo Vignoli in einem Blogbeitrag erklärt, lehnt das Projekt die Technologie nicht grundsätzlich ab. Eine Integration in die Standardinstallation erfolgt jedoch erst, wenn strenge Kriterien erfüllt sind. So darf keine Telemetrie stattfinden und es darf keine Abhängigkeit von den Schnittstellen eines einzelnen Anbieters entstehen. Zudem müssen KI-generierte Inhalte im ODF-Format vorliegen und ihre Struktur, Formatvorlagen und Semantik beibehalten.

Die Position unterscheidet sich von kommerziellen Konkurrenten wie Microsoft 365 oder Google Workspace. Da The Document Foundation als gemeinnützige Organisation agiert, gibt es keine Abonnements, für die eine Preiserhöhung durch neue KI-Funktionen gerechtfertigt werden müsste. Zudem existiert kein Geschäftsmodell, das auf der Monetarisierung von Nutzerdaten basiert. KI-Funktionen müssten zudem vollständig optional sein, sich also installieren, entfernen und aus der Benutzeroberfläche ausblenden lassen.

Erweiterungen als Alternative

Anwender, die nicht auf Künstliche Intelligenz verzichten möchten, können die Funktionalität eigenverantwortlich nachrüsten. Über Drittanbieter-Erweiterungen lässt sich das Programm beispielsweise mit lokal ausgeführten Modellen via Ollama oder LM Studio verbinden. Dabei verlassen die Dokumenteninhalte den eigenen Computer ebenfalls nicht, allerdings obliegt die Prüfung der Datensicherheit bei solchen Plugins den jeweiligen Nutzern oder Administratoren.

Die aktuellen Kriterien stellen somit keine endgültige Absage an die Technologie dar. Die Entwickler beobachten die schnellen Fortschritte bei quelloffenen Modellen und der lokalen Datenverarbeitung auf Standard-Hardware genau. Bis eine Lösung alle Bedingungen erfüllt, bleibt die Software in ihrer Grundeinstellung jedoch komplett KI-frei.

Nutzt ihr LibreOffice im Alltag und wie bewertet ihr die Haltung der Entwickler zum Thema Künstliche Intelligenz? Teilt uns eure Meinung gerne in den Kommentaren mit!

Siehe auch:
Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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