Mathematiker sauer: OpenAI mit KI-Lösungen für 372 Mathe-Probleme

OpenAI hat massenhaft KI-generierte Lösungen für komplexe mathematische Probleme veröffentlicht. Ein unveröffentlichtes Modell erstellte Hunderte Manuskripte. Während die KI-Firma von Fortschritt spricht, wächst in der Wissenschaft die Sorge.
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WinFuture/KI-generiert
  • OpenAI publiziert auf GitHub 722 Manuskripte zu mathematischen Problemen
  • Ein unveröffentlichtes KI-Modell bearbeitete rund 4000 komplexe Aufgaben
  • Die Arbeiten behandeln unter anderem Hilbertsche Probleme und NP-Schwere
  • Zur formalen Verifikation liefert der Entwickler Code in der Sprache Lean
  • Fachleute sorgen sich um die Originalität und menschliche Prüfbarkeit
  • Geplante Konferenzen sollen Wissenschaftlern bei der Einordnung helfen

KI löst komplexe Mathematik

Das derzeit wohl bekannteste KI-Unternehmen hat am Dienstag auf der Plattform GitHub insgesamt 722 Manuskripte veröffentlicht, die in 372 Forschungsfamilien unterteilt sind. Die Dokumente enthalten Lösungsansätze und Beweise für offene mathematische Probleme aus Bereichen wie der Zahlentheorie, der theoretischen Informatik und der mathematischen Physik. Erstellt wurden die Arbeiten von einem bislang unveröffentlichten internen KI-Modell von OpenAI.

Dasselbe Modell hatte bereits im September 2026 eine mögliche Lösung für das bekannte Navier-Stokes-Problem gefunden. Die Lösung befindet sich allerdings noch in der Prüfung. Zudem kam die Frage auf, ob die Künstliche Intelligenz lediglich die finalen Beweisschritte abschließe, nachdem sie Ideen von menschlichen Mathematikern übernommen habe.


Laut den Entwicklern benötigte das System für jedes akzeptierte Ergebnis durchschnittlich eine Rechenleistung, die etwa drei Stunden Denkzeit in ChatGPT Pro entspricht. Insgesamt versuchte das Modell während des Forschungsprozesses, rund 4000 verschiedene Probleme zu bearbeiten.

Maschinelle Beweisführung

Die Resultate umfassen unter anderem Ansätze zu einer schwächeren Formulierung der Riemannschen Vermutung, zu zwei der Hilbertschen Probleme sowie zur NP-Schwere. Die Veröffentlichung erfolgt bewusst auf GitHub statt in traditionellen Fachzeitschriften. Wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag erklärt, liefert das Repository zudem Protokolle für Überarbeitungen und Zitierungen.

Um die Menge an neuen Informationen überprüfbar zu machen, liefert OpenAI für viele der Beweise Code in der Programmiersprache Lean mit. Lean ermöglicht es Forschern, mathematische Aussagen in formalen Code zu übersetzen, sodass ein Computer die logischen Schritte automatisiert kontrollieren kann. Für zehn der 372 Forschungsfamilien veröffentlichte OpenAI zusätzliche Zusammenfassungen des Gedankengangs des Modells.

Kritik aus der Wissenschaft

Die maschinelle Prüfung bestätigt allerdings lediglich die formale Korrektheit der Schritte, bewertet jedoch weder die wissenschaftliche Relevanz noch die Originalität der Lösungswege. Das Vorgehen stößt in der Fachwelt deshalb entsprechend auf geteilte Meinungen. OpenAI wollte der Kritik zuvorkommen und beriet sich im Vorfeld mit der unabhängigen Beratungsgruppe für Mathematik und Künstliche Intelligenz am Institute for Advanced Study.

Der Empfehlung der Gruppe, fortschrittliche mathematische Probleme nicht mehr auf proprietären Modellen zu testen, folgte das Unternehmen offenbar jedoch nicht. Einige Mathematiker befürchten nun, dass die massenhafte Produktion von KI-Beweisen die menschliche Kapazität zur Überprüfung übersteigt und das tiefe konzeptionelle Verständnis verloren geht. Der KI-Entwickler plant, künftig Konferenzen und Workshops zu finanzieren, um Wissenschaftlern bei der Einordnung der Ergebnisse zu helfen.

Glaubt ihr, dass Künstliche Intelligenz die Mathematik in Zukunft dominieren wird, oder bleibt der menschliche Verstand unverzichtbar? Teilt eure Meinung in den Kommentaren mit uns!

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Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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