Charme-Offensive: Microsoft hat Angst vor Verlust von EU-Kunden

Angesichts der wachsenden politischen Distanz zwischen Europa und den USA bekommt Microsoft Angst um sein Geschäft in der EU. Microsoft-President Brad Smith kündigte daher eine Charme-Offensive an, mit der man auf europäische Befindlichkeiten eingehen will.
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Smith legt Fünf-Punkte-Programm vor

Vor allem im Cloud-Geschäft fürchtet Microsoft zunehmende Probleme: Europäische Firmen wollen derzeit schnell ihre Verknüpfungen über den Atlantik reduzieren, nachdem die US-Regierung bereits versuchte, verschiedene Unternehmen zu erpressen, auf politische Forderungen wie die Abschaffung der Gleichberechtigung aller Menschen einzugehen.

Für Microsoft, das hohe Einnahmen damit generiert, seine Cloud-Infrastruktur auch an Firmen in der EU zu vermarkten, ist das ein Risiko. In einem Blogbeitrag kündigte Smith daher nun ein umfassendes Fünf-Punkte-Programm an, das Vertrauen schaffen und die digitale Resilienz Europas stärken soll:

  1. Wir werden dazu beitragen, ein breites KI- und Cloud-Ökosystem in ganz Europa aufzubauen
  2. Wir werden die digitale Widerstandsfähigkeit Europas auch bei geopolitischer Volatilität aufrechterhalten
  3. Wir werden weiterhin die Privatsphäre europäischer Daten schützen
  4. Wir werden stets dazu beitragen, die Cybersicherheit Europas zu schützen und zu verteidigen
  5. Wir werden dazu beitragen, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, auch im Bereich Open Source

Ein zentraler Punkt des Vorstoßes ist die massive Erweiterung der europäischen Rechenzentrumsinfrastruktur. Microsoft plant, die Kapazitäten in Europa bis 2027 mehr als zu verdoppeln und in 16 Ländern neue Rechenzentren aufzubauen. Allein in den nächsten zwei Jahren soll die Kapazität um 40 Prozent steigen. Dies umfasst unter anderem den Ausbau der "Microsoft Cloud for Sovereignty", die europäischen Kunden mehr Kontrolle über Datenstandort, Verschlüsselung und administrativen Zugriff bietet. Dadurch soll es EU-Kunden letztlich möglich sein, Microsofts Cloud zu nutzen, ohne dass Daten in den USA landen.


Die Initiative ist eine direkte Antwort auf zunehmende Skepsis gegenüber US-Cloudanbietern, insbesondere nach der Wahl Donald Trumps in die US-Präsidentschaft. Politiker und Technologiefachleute in Europa warnen zunehmend vor der Reichweite amerikanischer Gesetze wie dem CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten gewährt - auch unabhängig vom physischen Speicherort. Der niederländische IT-Experte Bert Hubert und Nextcloud-Chef Frank Karlitschek gehören zu den Stimmen, die vor einem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber US-Hyperscalern wie Microsoft, Google und AWS warnen.

Lokale Kooperationen

Smith versichert, Microsoft werde notfalls vor Gericht ziehen, um europäische Kundendaten vor Zugriffen zu schützen - selbst gegenüber der eigenen Regierung. Diese Verpflichtung wird künftig vertraglich in Abkommen mit europäischen Regierungen verankert. Darüber hinaus sollen lokale Partner in Ländern wie Deutschland und Frankreich im Ernstfall den Betrieb eigenständig fortführen können. Der Quellcode von Microsofts Systemen wird dazu in einer sicheren Umgebung in der Schweiz hinterlegt.

Neben Datenschutz verspricht Microsoft auch verstärkte Maßnahmen zur IT-Sicherheit. Ein eigener europäischer Deputy CISO, die Einbindung unabhängiger Prüfer und zusätzliche Investitionen in Sicherheitsinitiativen sollen das Vertrauen europäischer Nutzer festigen.

Abschließend betont Smith, Microsoft wolle auch zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Europas beitragen - einschließlich der Unterstützung von Open-Source-Technologien. Trotz mancher Skepsis bleibt Microsofts Engagement in Europa deutlich: Rund ein Viertel des weltweiten Umsatzes wird hier erzielt - ein klarer Anreiz, die Kunden auf dem Kontinent nicht zu verlieren.

Zusammenfassung
  • Microsoft startet Charme-Offensive zur Kundenbindung in der EU
  • Fünf-Punkte-Programm soll digitale Resilienz Europas stärken
  • Massive Erweiterung der europäischen Rechenzentrumsinfrastruktur geplant
  • 'Microsoft Cloud for Sovereignty' bietet mehr Kontrolle über Daten
  • Schutz europäischer Kundendaten vor US-Behördenzugriff zugesichert
  • Verstärkte IT-Sicherheitsmaßnahmen und unabhängige Prüfer vorgesehen
  • Unterstützung für Open-Source-Technologien in Europa angekündigt

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