Amazon: Wer Retouren sorgfältig verpackt, zahlt wohl bald Gebühren

Amazon testet neue Rücksendegebühren und begründet dies mit Umweltschutz. Dabei erschwert der Versandhändler den Kunden die kostenlose Retoure. Denn nur wer Waren unverpackt in Paketshops abgibt, vermeidet Gebühren.
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Neue Regeln für Amazon-Retouren

Wie auch Zalando ist Amazon weiterhin damit beschäftigt, seine Rückgaberichtlinien zum Nachteil der Kunden anzupassen. Schon vor gut einem Jahr kürzte das Unternehmen bei vielen Artikeln die Rückgabefrist um die Hälfte. Eine eigentlich kundenfreundliche Regelung, die es Käufern seit 2022 erlaubt, Retouren ohne Karton zurückzuschicken, führt in Zukunft aber wohl ebenfalls zu einer Verschlechterung.

So testet der Onlinehändler gerade eine Anpassung, durch die einige Kunden, die Waren in Kartons zurücksenden möchten, zwischen 1,95 und 2,95 Euro zahlen. Kostenlos sind Retouren nur noch bei unverpackter Abgabe in Paketshops oder DHL-Packstationen. Sollte diese neue Regelung nach dem Test tatsächlich eingeführt werden, gilt sie wohl auch für Prime-Mitglieder.


Fragwürdige Umweltschutz-Argumente

Die Begründung des Konzerns erscheint dabei wenig stichhaltig. Denn angeblich wolle man "Produktrücksendungen für unsere Kund:innen so einfach und umweltfreundlich wie möglich zu gestalten". Allerdings müssen Käufer vorhandene Versandkartons nun entsorgen, in denen die Bestellung gekommen ist, während die Waren in den Paketshops wohl in neue Versandtaschen verpackt werden. Zudem entstehen möglicherweise zusätzliche Autofahrten zum nächsten Paketshop. Denn einem Paketboten kann die Retoure dann nicht mehr mitgegeben werden. Umweltfreundlich und einfacher klingt das nicht.

Nach Informationen von Onlinehändler News läuft der Test bereits seit Anfang März. Die Änderungen treffen Kunden jedoch unvorbereitet, da sie erst während des Retourenprozesses damit konfrontiert werden. Besonders irreführend ist, dass die Rückgabebedingungen in den Kundenkonten häufig bisher nicht aktualisiert wurden und Käufer weiterhin darauf hingewiesen werden, dass ein Ausdrucken von Retourenetiketten bzw. das sichere Verpacken der Artikel notwendig ist. Infografik Online-Shopping: Amazon führt bei fast allen wichtigen ProduktgruppenOnline-Shopping: Amazon führt bei fast allen wichtigen Produktgruppen

Intransparente Vorgaben

Amazon lässt offen, nach welchen Kriterien Kunden von den neuen Gebühren betroffen sind. Weder die Anzahl der Testteilnehmer, noch die geplante Testdauer werden kommuniziert. Die verfügbaren Rückgabeoptionen unterscheiden sich zudem unter den Nutzern. Bei direkt von Amazon verkauften Produkten stehen zum Teil mehrere kostenlose Unverpackt-Optionen zur Verfügung, während Marketplace-Käufer oft nur eine einzige gebührenfreie Rückgabemöglichkeit haben.

Probleme mit der neuen Regelung

Die unverpackte Rückgabe wirft zudem Datenschutzfragen auf. Denn Kunden müssen ihre Einkäufe öffentlich im Paketshop 'vorzeigen'. Bei sensiblen oder persönlichen Produkten entsteht dabei eine potenziell unangenehme Situation. Wer Diskretion wünscht, muss in Zukunft wohl die neuen Gebühren in Kauf nehmen.

Und auch bei Retouren, die mehrere Artikel enthalten, ist sowohl der Transport zum Paketshop als auch die weitere Abwicklung der Retoure komplizierter. So könnten sich etwa Fehler aufgrund verloren gegangener Einzelartikel häufen.

Amazon hält sich bedeckt

Schon im Herbst 2023 führte Amazon ähnliche Tests durch. Damals kam es jedoch nicht zu einer breiten Anwendung der neuen Rücksenderichtlinien für alle Kunden. Wann und ob es dieses Mal dazu kommt, lässt Amazon nicht durchblicken. Kunden sollten momentan bei Retouren jedoch aufmerksam sein und genau überprüfen, welche Optionen ihnen angezeigt werden und ob ihnen bei einer Retoure in einer Umverpackung zusätzliche Kosten berechnet werden.

Was haltet ihr von Amazons potenziellen neuen Rückgabegebühren? Glaubt ihr an die Umweltschutz-Begründung, oder seht ihr andere Motive? Teilt eure Meinung über die Retouren-Regeln in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Amazon testet Rücksendegebühren für verpackte Retouren von 1,95-2,95 €
  • Kostenlose Retouren nur noch unverpackt in Paketshops oder Packstationen
  • Umweltschutz als Begründung, aber Sinnhaftigkeit wird angezweifelt
  • Test läuft seit Anfang März, trifft Kunden jedoch oft unvorbereitet
  • Datenschutzbedenken bei unverpackter Rückgabe sensibler Produkte
  • Komplexere Abwicklung bei Retouren mit mehreren Artikeln befürchtet
  • Kunden sollten Retourenoptionen und mögliche Zusatzkosten genau prüfen

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