Trumps Anbiederung: USA sehen Russland nicht mehr als Cyberrisiko

Wenn Fakten der aktuell herrschenden Ideologie entgegenstehen, müssen diese eben weitestmöglich ausgeblendet werden. Wie dies funktioniert, lässt sich derzeit live in Washington beobachten: Für die USA ist Russland jetzt offiziell keine Bedrohung im Netz mehr.
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Entgegen der Realität

Bisher wurde Russland von den US-Geheimdiensten und Behörden, die für Cybersicherheit zuständig sind, als eine der gravierendsten Bedrohungen überhaupt eingestuft. Das hatte seinen Grund: So verursachen Banden, die vom russischen Staat geduldet werden, gravierende Schäden durch Ransomware, und im Rahmen der hybriden Kriegsführung werden kritische Infrastrukturen infiltriert und natürlich in großem Umfang Spionage betrieben.

Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass Russland in den USA nicht mehr als zentrale Cyberbedrohung wahrgenommen wird, berichtete die britische Tageszeitung The Guardian. Liesyl Franz, stellvertretende Abteilungsleiterin für internationale Cybersicherheit im US-Außenministerium, sprach letzte Woche vor einer UN-Arbeitsgruppe zum Thema Cybersicherheit. Dabei nannte sie China und Iran als Bedrohungen, erwähnte jedoch Russland nicht. Auch die russische Gruppe LockBit, die als eine der gefährlichsten Ransomware-Organisationen gilt, blieb unerwähnt.


Im Gegensatz dazu betonten Vertreter der EU und Großbritanniens die Gefahren, die von russischen Cyberangriffen ausgehen. Die britische Delegation hob hervor, dass Moskau gezielte Cyberattacken gegen die Ukraine als Teil seiner Kriegsführung einsetze. Experten sehen die neue Haltung der USA daher kritisch. "Es ist unbegreiflich, eine Rede über Cyberbedrohungen zu halten und Russland nicht zu erwähnen. Wer glaubt, dass dies Russland freundlich stimmt, irrt sich gewaltig", so James Lewis, ein ehemaliger Analyst des Center for Strategic and International Studies.

Auch innerhalb der US-Behörden gibt es Hinweise auf eine veränderte Strategie. Ein internes Memo der Cybersicherheits- und Infrastruktursicherheitsagentur (CISA) nennt China als Priorität, nicht aber Russland. Ein Insider berichtete zudem, dass Analysten mündlich angewiesen wurden, russische Bedrohungen nicht mehr zu verfolgen.

"Riskant und naiv"

Beobachter sehen die Entwicklung als Teil einer Hinwendung des US-Präsidenten Trumps nach Moskau, der aktuell die transatlantische Partnerschaft geopfert wird. Erst kürzlich stimmte die US-Regierung bei den Vereinten Nationen gegen eine EU-Resolution, die Russland für seinen Angriff auf die Ukraine verurteilte. "Die USA haben Russland, China und Iran stets als führende Cyberbedrohungen betrachtet. Dass nun Russland aus dieser Liste verschwindet, ist bezeichnend", kommentierte der Analyst Scott Horton.

Obwohl das Heimatschutzministerium nachträglich bestritt, dass sich die Prioritäten der CISA geändert hätten, bleibt die Unsicherheit groß. Die jährliche Bedrohungsanalyse der US-Geheimdienste hatte Russland zuletzt als "anhaltende globale Cyberbedrohung" eingestuft. Viele Experten bezeichnen den neuen Kurs der Trump-Regierung daher als riskant und naiv.

Zusammenfassung
  • Die USA stufen Russland nicht mehr als zentrale Cyberbedrohung ein
  • US-Vertreter erwähnen Russland nicht mehr bei Cybersicherheitsthemen
  • EU und Großbritannien betonen weiterhin Gefahren russischer Cyberangriffe
  • Experten kritisieren neue US-Haltung als unbegreiflich und riskant
  • Interne Anweisung: US-Analysten sollen russische Bedrohungen ignorieren
  • Beobachter sehen Trumps Hinwendung zu Moskau als Grund für Strategiewechsel
  • Heimatschutzministerium dementiert Änderung der Sicherheitsprioritäten

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