Seagate äußert sich zu Betrug mit gebrauchten Festplatten

Der Skandal um als in Deutschland neu verkaufte, in Wirklichkeit aber gebrauchte Seagate-Festplatten weitet sich aus. Während Händler nun Rücknahmen und Entschädigungen anbieten, kündigt Seagate eine gründliche Untersuchung an. Die Spuren führen nach China.
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Festplatten-Betrug: Seagate reagiert auf den Skandal

Der Skandal um gebrauchte Seagate-Festplatten, die als Neuware verkauft wurden, nimmt immer größere Ausmaße an. Nachdem Ende Januar erste Fälle bekannt wurden, häufen sich nun die Meldungen aus aller Welt. Betroffene Kunden haben festgestellt, dass ihre vermeintlich neuen Server-Festplatten bereits tausende Betriebsstunden aufweisen.

Die manipulierten Laufwerke tauchen nicht nur in Deutschland auf, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, den USA und sogar in Australien und Thailand. Die Erkennung ist dabei gar nicht so einfach.Die üblichen SMART-Werte, die Auskunft über den Zustand einer Festplatte geben, wurden offenbar zurückgesetzt. Erst eine Analyse der sogenannten FARM-Werte (Field Accessible Reliability Metrics) bringt dann die Wahrheit ans Licht. Wie das funktioniert, haben wir euch schon in dem ersten Beitrag über den Betrugsfall erläutert (mehr dazu auch am Ende dieses Beitrags).


China als möglicher Ursprung des Betrugs

Wie Heise berichtet, verdichten sich die Hinweise auf einen Ursprung dieser Betrugsmasche in China.

Vieles deutet darauf hin, dass die ge­brauch­ten Fest­platten aus ehe­mal­igen Server­farmen zum Schürfen der Krypto­währung Chia stammen. Nachdem sich das Mining nicht mehr ren­tiert, werden diese Farmen nun abge­schaltet und die Hardware weiter­ver­kauft. Im Durchschnitt waren die be­troffenen Platten bereits rund 25.000 Stunden in Betrieb.

Seagate reagiert mit Untersuchung und Maßnahmen

Seagate hat inzwischen reagiert und eine Stellungnahme abgegeben.

Wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst und führen eine gründliche Untersuchung durch
Seagate, Festplattenhersteller
Das Unternehmen betont, dass es die betroffenen Laufwerke weder an Händler verkauft noch vertrieben habe. Vielmehr vermutet Seagate, dass es sich um ursprünglich neue Produkte handelt, die später auf dem Gebrauchtmarkt weiterverkauft und fälschlicherweise als Neuware deklariert wurden.

Um das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen, hat Seagate mehrere Maßnahmen angekündigt:

  • Eine detaillierte Untersuchung der Vorfälle
  • Zusammenarbeit mit lokalen Behörden
  • Einrichtung einer speziellen E-Mail-Adresse (fraud@seagate.com) für Hinweise
  • Anonyme Meldemöglichkeit über eine Ethik-Hotline

Die Hotline wird ab Montag, 10.2., erreichbar sein.

Händler bieten Rücknahmen und Entschädigungen an

Auch die betroffenen Händler reagieren. Viele bieten inzwischen Rücknahmen, Austausch oder Entschädigungen an. Alternate beispielsweise ermöglicht betroffenen Kunden sowohl einen Austausch als auch eine Rückerstattung. Proshop-Kunden können die Festplatten kostenlos zurücksenden und erhalten Ersatz oder ihr Geld zurück. Heise hat dazu eine Liste erstellt, wie die angefragten Verkäufer mit dem Problem umgehen.

Was denkt ihr über diesen Festplatten-Skandal? Habt ihr selbst Erfahrungen mit vermeintlicher Neuware gemacht, die sich als gebraucht herausstellte? Teilt eure Gedanken und Erlebnisse in den Kommentaren!

Wie erkenne ich betroffene HDDs?
Bei äußerlicher Betrachtung können Gebrauchsspuren wie Kratzer oder Schrammen erste Hinweise geben. Die üblichen SMART-Werte zeigen dabei oft nur wenige Betriebsstunden an.

Entscheidend ist die Prüfung der FARM-Werte mit spezieller Software wie Smartmontools (ab Version 7.4) oder Seagate's SeaTools. Diese zeigen die tatsächliche Laufzeit, die bei betroffenen Platten zwischen 15.000 und 50.000 Stunden liegt.
Welche Modelle sind betroffen?
Hauptsächlich betroffen sind Server-Festplatten der Seagate Exos-Serie, insbesondere die 16-TB-Modelle ST16000NM000J und ST16000NM001G sowie die 12-TB-Varianten ST12000NM0127 und ST12000NM0558.

Vereinzelt wurden auch Fälle bei Modellen mit 4, 10, 14 und 18 TB gemeldet. Die Problematik scheint sich vorwiegend auf Enterprise-Festplatten zu konzentrieren.
Was kann ich als Käufer tun?
Betroffene sollten umgehend den Kaufvertrag rückgängig machen. Als Beweismittel empfiehlt sich ein Screenshot der FARM-Werte sowie der Garantieabfrage bei Seagate.

Mehrere Händler haben bereits Rücknahmen zugesagt. Bei Neukäufen sollten Sie die Festplatte sofort auf Gebrauchsspuren prüfen und die FARM-Werte auslesen.
Wie prüfe ich die FARM-Werte?
Mit den Smartmontools (ab Version 7.4) lassen sich die FARM-Werte über den Befehl "smartctl -l farm /dev/sd[X]" auslesen. Der relevante Wert findet sich unter "Power on Hours".

Alternativ können Sie die SeaTools-Software von Seagate verwenden. Beide Programme sind für Windows und Linux verfügbar.
Welche Händler sind beteiligt?
Berichte nennen große Händler wie Amazon, JB Computer, Mindfactory und Reichelt. Auch Alternate, Böttcher, Galaxus, Jacob und weitere sind betroffen.

Bemerkenswert ist, dass einige der genannten Händler offizielle Seagate-Partner sind. Die genaue Herkunft der gebrauchten Festplatten ist derzeit noch unklar.
Refurbished oder Betrug?
Offiziell generalüberholte Seagate-Festplatten sind an einem grünen Rand um den Aufkleber erkennbar. Bei diesen werden SMART- und FARM-Werte zurückgesetzt.

Die aktuellen Fälle zeigen jedoch Anzeichen eines systematischen Betrugs, da die Platten als Neuware verkauft werden und die tatsächliche Nutzungsdauer verschleiert wird.
Gibt es eine Entschädigung?
Aktuell beschränken sich die Ansprüche auf die Rückabwicklung des Kaufvertrags. Eine zusätzliche Entschädigung ist nicht bekannt.

Da es sich um einen möglichen Betrugsfall handelt, könnten weitere rechtliche Schritte folgen. Betroffene sollten die Entwicklung aufmerksam verfolgen.
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Zusammenfassung
  • Seagate-Festplatten als Neuware verkauft, tatsächlich gebraucht
  • Betrug weitet sich international aus, Ursprung vermutlich in China
  • Gebrauchte Platten möglicherweise aus ehemaligen Chia-Mining-Farmen
  • Seagate kündigt gründliche Untersuchung und Maßnahmen an
  • Händler bieten Rücknahmen, Austausch oder Entschädigungen an
  • Erkennung schwierig: SMART-Werte zurückgesetzt, FARM-Werte aufschlussreich
  • Betroffene Festplatten sind im Schnitt bereits 25.000 Betriebsstunden alt

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