Seagate-Skandal: Gebrauchte Festplatten als Neuware verkauft

Gebrauchte Seagate-Festplatten werden als Neuware verkauft. Dut­zen­de Käufer berichten von Laufwerken mit tausenden Betriebsstunden. Betroffen sind vor allem Server-HDDs der Exos-Serie. Experten raten zur genauen Prüfung neuer Festplatten.
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Verdacht auf Betrug im Festplattenhandel

Eine Welle von Beschwerden rollt durch die IT-Branche: Zahlreiche Kunden berichten, dass sie beim Kauf vermeintlich neuer Festplatten des Herstellers Seagate gebrauchte Ware erhalten haben. Besonders betroffen sind Server-Festplatten der Exos-Serie. Die Fälle werfen Fragen nach möglichem Betrug und Unregelmäßigkeiten in der Lieferkette auf.

Laut Berichten von Heise haben sich mindestens 50 Käufer gemeldet, die bei renommierten Online-Händlern Seagate-Festplatten als Neuware erworben haben. Bei genauerer Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass die Laufwerke bereits mehrere tausend Betriebsstunden hinter sich hatten.


Gebrauchsspuren und versteckte Laufzeiten

Die betroffenen Kunden berichteten von sichtbaren Gebrauchsspuren wie Kratzern an den Gehäusen. Besonders auffällig: Während oberflächliche SMART-Tests (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) nur wenige Betriebsstunden anzeigten, offenbarten detailliertere FARM-Analysen (Field Accessible Reliability Metrics) die wahre Nutzungsdauer. Viele Festplatten wiesen zwischen 15.000 und 36.000 Betriebsstunden auf, in Extremfällen sogar bis zu 50.000 Stunden.

Betroffen sind hauptsächlich Modelle der Seagate Exos-Serie mit Kapazitäten von 12 bis 16 Terabyte. Vereinzelt wurden auch Fälle mit 4-, 10- und 18-Terabyte-Laufwerken gemeldet. Die Festplatten wurden über verschiedene bekannte Online-Händler vertrieben, darunter Amazon, Mindfactory und Alternate.

Ein weiteres Problem: Viele der gelieferten Festplatten stellten sich als OEM-Ware heraus. Diese für Computerhersteller bestimmten Laufwerke verfügen nur über die gesetzliche Gewährleistung des Händlers, nicht aber über die übliche Herstellergarantie. Darauf wurden die Käufer beim Erwerb nicht hingewiesen.

Prüfung neuer Festplatten empfohlen

IT-Experten raten Käufern, neue Festplatten gründlich zu überprüfen. Die FARM-Werte lassen sich mit spezieller Software wie den smartmontools (Befehl: smartctl -l farm /dev/sd[X]) oder Seagates SeaTools auslesen. Der interessante Wert sind die "Power on Hours", also die Betriebsstunden. Dabei ist auf die Version zu achten: Die FARM-Abfrage funktioniert erst ab Version 7.4 der smartmontools.

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Download SeaTools - Festplattendiagnose für Windows Unklar bleibt, wie die gebrauchten Festplatten wieder in den Handel gelangten. Seagate gibt aus Datenschutzgründen keine Details zur Lieferkette bekannt. Auch das ursprüngliche Verkaufsland lässt sich nicht ermitteln.

Handlungsempfehlungen für Betroffene

Kunden, die eine der betroffenen Festplatten erworben haben, wird empfohlen, die Betriebsdauer zu überprüfen und gegebenenfalls vom Kauf zurückzutreten. Viele Händler haben bereits Rücknahmen akzeptiert. Als Beweismittel dient eine Liste der FARM-Werte.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle gebrauchten Festplatten betrügerisch verkauft werden. Offiziell von Seagate generalüberholte Laufwerke sind an einem auffälligen grünen Rand um den Aufkleber erkennbar und haben zurückgesetzte SMART- und FARM-Werte.

Habt ihr selbst schon einmal ähnliche Erfahrungen beim Kauf von Festplatten oder anderer Hardware gemacht? Teilt eure Gedanken und Erlebnisse in den Kommentaren.

Wie erkenne ich betroffene HDDs?
Bei äußerlicher Betrachtung können Gebrauchsspuren wie Kratzer oder Schrammen erste Hinweise geben. Die üblichen SMART-Werte zeigen dabei oft nur wenige Betriebsstunden an.

Entscheidend ist die Prüfung der FARM-Werte mit spezieller Software wie Smartmontools (ab Version 7.4) oder Seagate's SeaTools. Diese zeigen die tatsächliche Laufzeit, die bei betroffenen Platten zwischen 15.000 und 50.000 Stunden liegt.
Welche Modelle sind betroffen?
Hauptsächlich betroffen sind Server-Festplatten der Seagate Exos-Serie, insbesondere die 16-TB-Modelle ST16000NM000J und ST16000NM001G sowie die 12-TB-Varianten ST12000NM0127 und ST12000NM0558.

Vereinzelt wurden auch Fälle bei Modellen mit 4, 10, 14 und 18 TB gemeldet. Die Problematik scheint sich vorwiegend auf Enterprise-Festplatten zu konzentrieren.
Was kann ich als Käufer tun?
Betroffene sollten umgehend den Kaufvertrag rückgängig machen. Als Beweismittel empfiehlt sich ein Screenshot der FARM-Werte sowie der Garantieabfrage bei Seagate.

Mehrere Händler haben bereits Rücknahmen zugesagt. Bei Neukäufen sollten Sie die Festplatte sofort auf Gebrauchsspuren prüfen und die FARM-Werte auslesen.
Wie prüfe ich die FARM-Werte?
Mit den Smartmontools (ab Version 7.4) lassen sich die FARM-Werte über den Befehl "smartctl -l farm /dev/sd[X]" auslesen. Der relevante Wert findet sich unter "Power on Hours".

Alternativ können Sie die SeaTools-Software von Seagate verwenden. Beide Programme sind für Windows und Linux verfügbar.
Welche Händler sind beteiligt?
Berichte nennen große Händler wie Amazon, JB Computer, Mindfactory und Reichelt. Auch Alternate, Böttcher, Galaxus, Jacob und weitere sind betroffen.

Bemerkenswert ist, dass einige der genannten Händler offizielle Seagate-Partner sind. Die genaue Herkunft der gebrauchten Festplatten ist derzeit noch unklar.
Was ist mit der Garantie?
Die betroffenen Festplatten sind meist OEM-Ware ohne Herstellergarantie. Es gilt nur die gesetzliche Gewährleistungspflicht des Händlers.

Bei einer Garantieabfrage wird oft auf den Händler verwiesen. Teilweise sind die Platten bereits mehrere Jahre alt, erkennbar an der verbleibenden Garantielaufzeit.
Refurbished oder Betrug?
Offiziell generalüberholte Seagate-Festplatten sind an einem grünen Rand um den Aufkleber erkennbar. Bei diesen werden SMART- und FARM-Werte zurückgesetzt.

Die aktuellen Fälle zeigen jedoch Anzeichen eines systematischen Betrugs, da die Platten als Neuware verkauft werden und die tatsächliche Nutzungsdauer verschleiert wird.
Gibt es eine Entschädigung?
Aktuell beschränken sich die Ansprüche auf die Rückabwicklung des Kaufvertrags. Eine zusätzliche Entschädigung ist nicht bekannt.

Da es sich um einen möglichen Betrugsfall handelt, könnten weitere rechtliche Schritte folgen. Betroffene sollten die Entwicklung aufmerksam verfolgen.
Zusammenfassung
  • Gebrauchte Seagate-Festplatten als Neuware verkauft, vor allem Exos
  • Mindestens 50 Käufer erhielten Laufwerke mit tausenden Betriebsstunden
  • FARM-Analysen zeigen wahre Nutzungsdauer von bis zu 50.000 Stunden
  • Betroffen sind hauptsächlich 12-16 TB Modelle der Seagate Exos-Serie
  • Viele Festplatten stellten sich als OEM-Ware ohne Herstellergarantie heraus
  • Experten empfehlen gründliche Überprüfung neuer Festplatten mit SeaTools
  • Unklar, wie gebrauchte Festplatten wieder in den Handel gelangten

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