Vorwürfe im Seagate-Skandal:
Neue Dimension im Festplatten-Betrug

Gefälschte Aufkleber, manipulierte Betriebsstunden, veränderte FARM-Werte: Der Betrug mit gebrauchten Seagate-Festplatten er­reicht eine neue Dimension. Die Prüfmethoden versagen, doch es gibt alternative Wege, um die Täuschung zu erkennen.
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Betrug wird immer raffinierter

Der Betrugsfall mit als neu verkauften gebrauchten Seagate-Festplatten nimmt immer größere Ausmaße an. Seagate Technology, gegründet 1978 und heute neben Western Digital einer der dominierenden Hersteller auf dem Fest­platten­markt, steht damit vor einem ernsthaften Imageproblem.

Nachdem bereits gefälschte Exos- und IronWolf-Modelle aufgetaucht waren, haben Betrüger ihre Methoden weiterentwickelt. Sie manipulieren nun auch die FARM-Werte (Field Accessible Reliability Metrics), die bisher als verlässlicher Hinweis auf die tatsächliche Nutzungsdauer galten. Bisher konnten Käufer Fälschungen durch den Abgleich der SMART-Daten mit den FARM-Werten relativ einfach erkennen.


Betrüger manipulieren nun auch FARM-Werte

SMART (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) überwacht ver­schiedene Betriebsparameter, während FARM-Werte Seagate-spezifische Metriken zur Beurteilung der Zuverlässigkeit liefern. Doch dieser Vergleich reicht jetzt nicht mehr aus.

Laut Heise-Berichten haben es Betrüger geschafft, die Anzahl der Betriebsstunden in den FARM-Werten zu verändern. Dadurch wird die Identifikation manipulierter Festplatten erheblich erschwert und erfordert alternative Prüfmethoden. Experten raten Käufern, auf andere Indikatoren zu achten. Dazu zählen die Betriebsstunden einzelner Festplattenköpfe oder ein Blick in die Log-Files.

Verräterische Merkmale

Sind das Self Test Log oder das Error Log bereits gefüllt, deutet das auf gebrauchte Hardware hin. Auch das Produktionsdatum kann Aufschluss geben: Liegt es mehr als sechs Monate zurück, ist Vorsicht geboten. Ein weiteres Warnsignal sind fehlende oder gefälschte Aufkleber, etwa auf der Stirnseite der Festplatte, wo normalerweise Seriennummer und Barcode zu finden sind. QR-Codes sollten mit dem Smartphone geprüft werden - echte führen direkt zur Garantieabfrage-Website, gefälschte erfordern eine manuelle Eingabe der Seriennummer.

Seagate betont, nicht in den Betrug verwickelt zu sein, und untersucht die Vorfälle. Die meisten betroffenen Festplatten stammen laut dem Unternehmen ursprünglich von OEMs oder Cloud-Anbietern, die jedoch nicht an den Manipulationen beteiligt sein sollen. Die Herkunft der gefälschten Laufwerke bleibt weiter ungeklärt.

Was haltet ihr von diesem eskalierenden Festplatten-Skandal? Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit gefälschten HDDs gemacht oder kennt zusätzliche Methoden zur Erkennung? Teilt eure Gedanken und Tipps in den Kommentaren!

Wie erkenne ich betroffene Festplatten?
Die übliche Prüfung der SMART- und FARM-Werte reicht nicht mehr aus, da Betrüger mittlerweile auch die FARM-Werte (Field Accessible Reliability Metrics) manipulieren können. Achten Sie stattdessen auf die Betriebsstunden der einzelnen Festplattenköpfe, die schwieriger zu fälschen sind.

Weitere Hinweise auf Betrug: Ein weit zurückliegendes Produktionsdatum (mehr als sechs Monate ist verdächtig), fehlende Aufkleber auf der Stirnseite oder gefälschte Aufkleber. Bei echten Festplatten führt der QR-Code direkt zur Garantieabfrage mit vorausgefüllter Seriennummer, bei gefälschten muss die Nummer manuell eingegeben werden.

Prüfen Sie auch die Log-Files: Sind Self Test Log oder Error Log bereits gefüllt, handelt es sich höchstwahrscheinlich um gebrauchte Ware. Diese Methode eignet sich auch für Festplatten von Toshiba und Western Digital, die keine FARM-Werte besitzen.
Welche Modelle sind betroffen?
Bisher wurden hauptsächlich Seagate-Festplatten der Serien Exos und IronWolf als betroffene Modelle identifiziert. Diese Festplatten werden als Neuware verkauft, obwohl es sich tatsächlich um gebrauchte Geräte handelt, deren Betriebsstunden und andere Daten manipuliert wurden.

Laut Seagate stammen die meisten dieser manipulierten Festplatten ursprünglich von OEMs oder Cloud-Anbietern. Diese Unternehmen sollen jedoch nicht an dem Betrug beteiligt sein. Wer genau die Laufwerke modifiziert und als neu verkauft, ist derzeit noch Gegenstand laufender Untersuchungen.
Was sind FARM-Werte?
FARM-Werte (Field Accessible Reliability Metrics) sind spezielle Diagnosedaten, die bei Seagate-Festplatten zusätzlich zu den Standard-SMART-Werten ausgelesen werden können. Sie ziehen laut Seagate "Daten aus mehreren internen Protokollen, um einen Überblick über die Laufwerksnutzung und den Gesundheitszustand zu geben".

Bislang galten die FARM-Werte als zuverlässiger Indikator zur Erkennung gefälschter Neuware, da sie schwieriger zu manipulieren sind als die normalen SMART-Werte. Allerdings haben Betrüger mittlerweile Wege gefunden, auch diese Daten zu fälschen, was die Identifizierung manipulierter Festplatten erschwert.
Wie prüfe ich FARM-Werte?
FARM-Werte können mit speziellen Tools ausgelesen werden. Unter Linux nutzen Sie die SmartMonTools mit dem Befehl smartctl -l farm /dev/sda (wobei /dev/sda durch den entsprechenden Laufwerkspfad zu ersetzen ist). Alternativ können Sie auch die offiziellen Seagate Seatools verwenden.

Für Synology-NAS-Nutzer gibt es das Docker-Image "farm-check", allerdings ist dieses Tool möglicherweise nicht mehr zuverlässig, da es hauptsächlich die Betriebsstunden (Power On Hours) prüft, die inzwischen gefälscht werden können. Der Entwickler sieht derzeit keine Möglichkeit, das Tool auf eine Prüfung ohne die POH zu erweitern.
Woher kommen die gefälschten HDDs?
Laut Berichten könnten die manipulierten Festplatten aus China stammen. Seagate hat mitgeteilt, dass die meisten dieser HDDs ursprünglich von OEMs (Original Equipment Manufacturers) oder einem Cloud-Anbieter stammen, die jedoch nicht an dem Betrug beteiligt sein sollen.

Seagate selbst betont, nichts mit dem Betrug zu tun zu haben und die Vorfälle zu untersuchen. Wer genau die Laufwerke modifiziert und als neu verkauft, ist derzeit noch Gegenstand der Untersuchungen. Der Hersteller bittet Betroffene, sich direkt zu melden, um den Betrugsfall aufzuklären.
Was tun bei betroffener Festplatte?
Wenn Sie eine gefälschte Festplatte identifiziert haben, kontaktieren Sie umgehend den Verkäufer und fordern Sie eine Rückerstattung. Dokumentieren Sie alle Beweise für den Betrug, wie Screenshots der SMART- und FARM-Werte, Fotos der Festplatte und des Aufklebers sowie den Kaufbeleg.

Seagate bittet Betroffene, sich direkt unter fraud@seagate.com zu melden, um bei der Aufklärung des Betrugs zu helfen. Sollte der Händler nicht kooperieren, können Sie je nach Land eine Beschwerde bei Verbraucherschutzorganisationen oder den zuständigen Behörden einreichen.
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Zusammenfassung
  • Seagate-Festplatten-Skandal: Betrüger fälschen nun auch FARM-Werte
  • Identifizierung gefälschter Neugeräte wird deutlich schwieriger
  • Experten empfehlen alternative Prüfmethoden wie Überprüfung der Logs
  • Produktionsdatum und fehlende Aufkleber können auf Fälschungen hinweisen
  • QR-Code-Scan der Aufkleber kann bei der Erkennung von Originalen helfen
  • Seagate betont, nicht in den Betrug verwickelt zu sein
  • Herkunft und Vertriebsweg der manipulierten Festplatten noch unklar

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