Top-Level-Domain .io könnte bald verschwinden

Das Ende einer bekannten Domain-Endung kündigt sich an. Durch politische Veränderungen wird bald die Ära der vor allem bei Startup-Firmen und in Crypto-Kreisen beliebten Top-Level-Domain *.io enden. Der Hintergrund: das dazugehörige Land "verschwindet".
Flagge, Fahne, British Indian Ocean Territory, Mauritius, Chagos Archipel, Chagos Inseln
CC0 / RainbowSilver2ndBackup / Creazilla

Briten geben Chagos-Archipel an Mauritius ab

Mit .io verschwindet wohl bald eine der bekannteren Alternativen zu weiter verbreiteten Domainendungen. Hintergrund ist, dass die britische Regierung die Kontrolle über das sogenannte "British Indian Ocean Territory" aufgibt, wie der Journalist Gareth Edwards in seinem Newsletter bei Every berichtet.

Dabei handelt es sich um ein kleines tropisches Atoll im Indischen Ozean, das auch als das Chagos-Archipel bekannt ist. Künftig wird die Inselgruppe dem größeren Inselstaat Mauritius zugeordnet, der sich rund 1100 Seemeilen von der südöstlichen Küste des afrikanischen Kontinents befindet.

Die Chagos Inseln oder die britischen Überseegebiete im Indischen Ozean spielen in der Weltpolitik wohl eine eher kleine Rolle. Für die Welt der Internet-Domains ist .io durchaus aber eine willkommene Abwechslung. Wer sich einen modernen Anstrich verpassen will, um zum Beispiel "edgy" zu wirken oder eine technologieaffine Zielgruppe anzusprechen, griff bis zuletzt gern zu ".io".

Einer der Gründe dafür könnte sein, dass .io oft auch mit der englischen Abkürzung I/O für "Input/Output" gleichgesetzt wird. *.io wurde stets auch von bekannten Internetdiensten gern genutzt: so ist Github immer noch unter einer .io-Domain erreichbar. Google nutzte seit 2008 ebenfalls immer mal wieder eine .io-Domain, um dort die Website für seine Entwicklerkonferenz Google I/O unterzubringen. Darüber hinaus gibt es andere junge oder weniger junge Firmen, die die .io-Domain für sich nutzten.

Dabei wird oft vergessen, dass .io sozusagen eine Art Länderkennzeichen, also eine "Country Code Top Level Domain" (ccTLD) ist und somit für ein bestimmtes Land steht.

Mit den politischen Veränderungen wird die Domain getilgt

Und das sind nun mal die Chagos Inseln, besser bekannt als British Indian Ocean Territory. Auf den Inseln betreiben die USA und Großbritannien seit Ende der 1960er-Jahre einen großen Militärstützpunkt. Die Nachbarnation Mauritius beansprucht die Inseln aber seit jeher für sich. Nach mehr als 50 Jahren ist der Streit mit den Briten jetzt aber beendet, so dass die Inseln (wieder) Teil von Mauritius werden können. Im Gegenzug dürfen die Briten und Amerikaner ihre Militärgelände auf den Inseln weitere 99 Jahre lang betreiben.

Sobald die entsprechenden Verträge unterzeichnet sind, dürfte es kein "British Indian Ocean Territory" mehr geben. Wie dann mit der TLD .io verfahren werden soll, ist derzeit noch unklar. Wahrscheinlich ist, dass die Internationale Organisation für Standardisierung (ISO) den Ländercode IO aus ihrer Spezifikation entfernt.

Weil die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) auf dieser Basis die Vergabe von Top-Level-Domains regelt, dürfte dann auch die Verteilung von Domainnamen unter dieser TLD eingestellt werden. Im Anschluss werden dann wohl automatisch nach und nach alle bestehenden .io-Domains abgeschafft.

Dies wäre jedenfalls der reguläre Gang der Dinge, doch ob die IANA und die ihr übergeordnete ICANN letztlich auch so verfahren werden, ist derzeit noch offen. Es bleibt zu hoffen, dass es rund um .io nicht das gleiche Chaos wie etwa rund um die ".su"-TLD der ehemaligen Sowjetunion geben wird. Sie beherbergt mittlerweile ein buntes Sammelsurium an oft nicht legalen oder zumindest sehr zwielichtigen Angeboten.

Zusammenfassung
  • .io Domain wird durch politische Veränderungen abgeschafft
  • Beliebte Domainendung bei Startups und Crypto-Szene
  • Kontrollverlust der Briten über British Indian Ocean Territory
  • Zuordnung des Chagos-Archipels zu Mauritius steht bevor
  • .io steht für Country Code Top Level Domain des Territoriums
  • Unklarheit über die Zukunft der .io-Domains nach Gebietswechsel
  • Mögliche Entfernung des Ländercodes IO durch die ISO

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