Streit um größten russischen Online-Händler Wildberries endet blutig

Dramatische Eskalation bei Russlands größtem Online-Händler Wildberries: Ein Streit zwischen der Gründerin und ihrem Ehemann führte zu einer tödlichen Schießerei am Firmensitz. Der Vorfall zeigt die wilden internen Machtkämpfe beim "russischen Amazon".
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Tödlicher Machtkampf bei Russlands "Amazon"

Bei einer Schießerei am Hauptsitz des russischen Online-Händlers Wildberries in Moskau sind laut Reuters zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt worden. Der Vorfall am Mittwoch markiert eine dramatische Eskalation im Streit zwischen der Unternehmensgründerin Tatjana Bakaltschuk und ihrem Noch-Ehemann Wladislaw um die Zukunft des E-Commerce-Riesen (via derStandard).

Wildberries, oft als "Russlands Amazon" bezeichnet, ist der größte Online-Händler des Landes. Das 2004 gegründete Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben täglich rund zwölf Millionen Bestellungen und erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von umgerechnet 24 Milliarden Euro. Von einem kleinen Online-Kleiderhandel, hat sich Wildberries zu einem Marktplatz für alle Arten von Waren entwickelt.

Konflikt um Fusionspläne

Der Konflikt entzündete sich an Fusionsplänen von Wildberries mit der Werbefirma Russ Group, die von Tatjana Bakaltschuk vorangetrieben wurden. Ihr Ehemann Wladislaw, der nur einen kleinen Anteil am Unternehmen hält, lehnte die Fusion vehement ab. Im Juli reichte Tatjana Bakaltschuk schließlich die Scheidung ein.


Am Mittwoch eskalierte die Situation, als Wladislaw Bakaltschuk laut Angaben von Wildberries mit bewaffneten Begleitern versuchte, in die Firmenzentrale einzudringen. Es kam zu einer Schießerei, bei der zwei Sicherheitsleute von Wildberries getötet wurden. Unter den Verletzten sind auch zwei Polizeibeamte.

Die Darstellungen über die Ereignisse gehen weit auseinander:

  • Wladislaw Bakaltschuk behauptet, er sei zu friedlichen Verhandlungen gekommen und seine Gruppe sei nicht bewaffnet gewesen.
  • Tatjana Bakaltschuk bezeichnet den Vorfall als "gescheiterten Versuch eines Firmenüberfalls".
  • Telegram-Kanäle berichteten bereits vor der Schießerei live über Wladislaw Bakaltschuks Ankunft am Firmenhauptsitz. Zu seinen Begleitern sollen laut dieser Berichte unter anderem professionelle Kampfsportler gehört haben.

Politische Dimension

Der Vorfall zeigt auch die durchaus komplexen Machtverhältnisse in der russischen Wirtschaft und auch Politik: Denn die umstrittene Fusion von Wildberries mit der Russ Group soll Berichten zufolge sogar die Unterstützung von Präsident Wladimir Putin genießen. Gleichzeitig stellte sich der tschetschenische Machthaber Ramzan Kadyrow auf die Seite von Wladislaw Bakaltschuk und bezeichnete den Deal als "dreisten Firmenraub".

Die russischen Behörden haben inzwischen fast 30 Personen im Zusammenhang mit der Schießerei festgenommen. Gegen Wladislaw Bakaltschuk wurde laut seinen Anwälten Anklage wegen Mordes und versuchten Mordes an einem Polizeibeamten erhoben.

Zusammenfassung
  • Zwei Tote und sieben Verletzte bei Schießerei in Moskau
  • Streit um Fusion führt zu tödlicher Eskalation bei Wildberries
  • Wildberries verarbeitet täglich zwölf Millionen Bestellungen
  • Tatjana Bakaltschuk treibt Fusionspläne voran, Ehemann dagegen
  • Wladislaw Bakaltschuk versucht, bewaffnet in Zentrale einzudringen
  • Unterstützung Putins für Fusion, Kadyrow steht Wladislaw bei
  • 30 Personen im Zusammenhang mit Vorfall festgenommen

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