Qualitätsprüfer packt aus: Boeing verbaut Teile vom "Schrottplatz"

Die Flut an Personen, die zu den gravierenden Sicherheitsmängeln beim amerikanischen Luftfahrtunternehmen auspacken, nimmt kein Ende. Jetzt hat ein ehemaliger Qualitätsprüfer schockierende Einzelheiten zur Herkunft der teilweise verbauten Komponenten verraten.
Boeing, Verschwörung, Skandal, Qualitätsmängel, Luftfahrtsicherheit

Nächster Whistleblower belastet Boeing

Wikileaks-Gründer Julian Assange wurde Anfang letzter Woche, am 25. Mai 2024, nach über fünf Jahren aus der britischen Gefangenschaft freigelassen. Damit endete eine seit 2012 andauernde Odyssee. Auch bei Boeing machen gerade Whistleblower Schlagzeilen. Wenn auch in anderer Form.

Erst letzte Woche hatte ein veröffentlichter Bericht des Mechanikers Richard Cuevas erneut kein gutes Licht auf Boeing geworfen. Demnach habe das Unternehmen trotz Kenntnissen über Mängel deren Existenz verheimlicht. Jetzt gibt es erneut Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters von Boeing, der schwere Vorwürfe erhebt.


Teile vom Schrottplatz verbaut

Gegenüber CNN behauptet jetzt der Qualitätsprüfer Merle Meyers, der über 30 Jahre für das Luftfahrtunternehmen gearbeitet hatte, dass bei der Fertigung des Boeing 787 Dreamliners ganz bewusst beschädigte und vom Schrottplatz zurückgeholte Teile verwendet wurden, um Produktionszeiten einzuhalten. Das sei eine ausgeklügelte inoffizielle Praxis unter Managern der Firma gewesen.

Der Druck auf den Fertigungsteams sei enorm hoch. Sie konkurrierten um benötigte Teile sogar untereinander. Mitarbeiter hätten sich nach Feierabend an Sicherheitsleute gewandt, damit diese ihnen die Teilelager aufschließen, um schneller und vor anderen Teams an die benötigten Komponenten zu gelangen. Dabei wurden die vorgesehenen Qualitätskontrollen umgangen.

Qualitätskontrollen umgangen

So und auf anderen Wegen sind seit Anfang der 2000er-Jahre, Meyers Schätzungen nach, etwa 50.000 Teile an der Qualitätskontrolle vorbeigeschleust und in Flugzeugen verbaut worden. Dabei geht es sowohl um kleine Einzelteile wie Schrauben als auch um komplexe Strukturen wie Flügelklappen. Relativiert wird die Anzahl dieser Bauteile etwas, schaut man sich an, aus wie vielen Teilen ein Boeing 787 Dreamliner insgesamt zusammengesetzt ist: etwa 2,3 Millionen.

Wie E-Mails belegen, hatte Meyers die Probleme jahrelang dem internen Team für Unternehmensangelegenheiten bei Boeing mitgeteilt. Etwaige Untersuchungen hätten aber nie zu einer Veränderung geführt. Schließlich wurde er mit einer Abfindung aus dem Unternehmen gedrängt.

Eigenen Angaben zufolge war Meyers nie scharf darauf, ein Whistleblower zu sein. Nach allem, was er in seinen 30 Jahren beim amerikanischen Flugzeugbauer erlebt hat, spreche er nun aber mit allen, die fragen. Einen persönlichen Groll gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber scheint er nicht zu hegen. So sagt er im Interview mit CNN: "Hoffentlich können wir dieses Unternehmen wieder zu dem machen, was es einmal war."

Zusammenfassung
  • Boeing steht wegen Whistleblower Richard Cuevas in der Kritik
  • Auch Ex-Mitarbeiter Merle Meyers erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing
  • Beschädigte Teile wurden in Boeing 787 Dreamliners verwendet
  • Mitarbeiter umgingen Qualitätskontrollen für schnellere Fertigung
  • Etwa 50.000 Teile wurden laut Meyers unkontrolliert verbaut
  • Meyers wurde nach Hinweisen auf Mängel aus dem Unternehmen gedrängt

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