Google: Lieber 30 % an allen Apps mitverdienen als kein Ärger mit Staat

Das Geschäftsmodell, für App-Store-Verkäufe rund ein Drittel der Einnahmen als Kommission zu beanspruchen, steht im Fall von Google seit geraumer Zeit unter Beschuss. Der Konzern erwog deshalb, es aufzugeben - und entschied sich dann doch, das Risiko einzugehen, von Wettbewerbshütern abgestraft zu werden.
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'Project Everest' sollte Alternativen ausloten

Google rief bereits 2021 das sogenannte "Project Everest" ins Leben, um im Zuge dessen zu prüfen, ob man das seit Jahren bestehende Geschäftsmodell, 30 Prozent aller mit Apps aus dem Google Play Store erzielten Umsätze für als Gebühr zu beanspruchen, durch Alternativen setzen könnte. Dies geht laut Bloomberg aus Dokumenten hervor, die jüngst im Zusammenhang mit der von Epic Games angestrengten Wettbewerbsklage veröffentlicht wurden.

Laut einer internen Präsentation von Google fürchtete das Unternehmen bereits 2021, dass man von den Regulierungsbehörden unter Druck gesetzt werden könnte, weil die 30 Prozent Kommission auf alle App-Store-Verkäufe schon damals höchst umstritten waren.


Die Autoren der Präsentation schlugen deshalb vor, dass man den Status quo noch ein paar Monate verteidigen könnte, bevor dann einige Änderungen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt vorgenommen werden sollten, um Google als führende Kraft zu positionieren und "noch drakonischere Gesetzgebung zu vermeiden".

Google prüfte kleinteiliges Gebührenmodell

Im Rahmen von "Project Everest" wurde deshalb erwogen, den Entwicklern lieber Gebühren in kleinerer Stückelung abzunehmen, die jeweils für Downloads, Updates oder Empfehlungen separat erhoben werden sollten. Offenbar fürchtete Google aber, dass sich dadurch ein massiver Rückgang der Einnahmen aus dem Play Store ergeben würde.

Es bestehe das "Potenzial für deutliche Verluste", die bei regulären Apps rund eine bis zwei Milliarden Dollar pro Jahr betragen würden, schätzten die Autoren der Präsentation im Jahr 2021. Bei Spielen ging man sogar von Mindereinnahmen in Höhe von jährlich sechs bis neun Milliarden Dollar aus. Ein solcher Ansatz wurde deshalb aufgegeben.

User Choice Billing & leichte Eingeständnisse

Stattdessen schlugen die Mitarbeiter des "Project Everest" vor, den App-Entwicklern die Möglichkeit einzuräumen, In-App-Zahlungen über eigene Dienstleister abzuwickeln und gleichzeitig die an Google abzuführende Kommission etwas zu reduzieren. Der Rückgang der Einnahmen aus dem Play Store würde bei einem solchen Ansatz laut den Schätzungen für 2021 rund 250 Millionen bis 1,3 Milliarden Dollar betragen, so die Prognose.

Im Grunde entsprach die letztgenannte Option bereits dem, was man in der letzten Woche im Rahmen der Einigung mit einer Vielzahl von US-Bundesanwälten festgelegt hatte. Tatsächlich hat sich trotz "Project Everest" nie etwas an dem Modell mit 30 Prozent Kommission geändert.

Zwar bietet Google mittlerweile seit 2022 das sogenannte "User Choice Billing" an, bei dem App-Entwickler zwar ihre Zahlungen über Drittanbieter abwickeln können, aber nur eine Reduktion der App-Store-Gebühren auf 26 Prozent ihrer Umsätze erhalten, doch wird dieses bisher nur sehr begrenzt angenommen. Aussagen von Google-Mitarbeitern zufolge hatten sich bis Mai 2023 nur 80 Entwickler für das User Choice Billing angemeldet.

Offenbar war man bei Google bis zuletzt der Meinung, dass man lieber das Risiko von massiven Eingriffen der weltweiten Gesetzgeber in Kauf nimmt, als auf jährlich bis zu 10 Milliarden Dollar an Umsätzen aus dem App-Vertrieb über den Play Store zu verzichten. Insgesamt hatte Google im Jahr 2021 einen Rekordumsatz in Höhe von knapp 48 Milliarden Dollar aus dem Play Store erwirtschaftet.

Zusammenfassung
  • Google steht wegen 30% App-Store-Kommission unter Druck
  • "Project Everest" prüfte alternative Gebührenmodelle
  • Google befürchtete Eingriffe durch Regulierungsbehörden
  • Vorschlag: Gebühren für Downloads, Updates, Empfehlungen
  • Potenzielle Verluste bei Änderung bis zu 9 Mrd. Dollar
  • "User Choice Billing" senkt Gebühren minimal auf 26%
  • Google nimmt Risiko hoher Einnahmeverluste in Kauf

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