Monopol bei Apps: Google zahlt 700 Mio. Dollar & gibt ein wenig nach
Google muss den Umgang mit Apps unter Android aufgrund eines amerikanischen Kartellverfahrens ändern. Jetzt hat der Internetkonzern eine Liste geplanter Änderungen vorgestellt und bekannt gegeben, dass man 700 Millionen Dollar als Entschädigung an Kunden auszahlen wird.
Google wird unter anderem rund 700 Millionen US-Dollar Schadenersatz zahlen, was in etwa der Gewinnsumme entspricht, die Google innerhalb von drei Wochen durch den Vertrieb von Apps über den Google Play Store erwirtschaftet.
Weiterhin macht Google eine Reihe von Eingeständnissen, die den Umgang mit Apps unter Android aus alternativen Quellen als dem Play Store erleichter sollen. Allerdings gilt in allen Fällen eine zeitliche Begrenzung, sodass der Konzern danach theoretisch einfach weitermachen kann wie bisher. Hier eine schnelle Zusammenfassung der zeitlich begrenzten Eingeständnisse, die Google im Zuge der Einigung mit den US-Bundesstaaten macht (via The Verge):
Insgesamt wird sich das Nutzungserlebnis im Google Play Store also für einige Jahre durchaus an mehreren Stellen ändern. Die Eingeständnisse fallen jedoch in vielen Fällen sehr geringfügig aus. So dürfen die Entwickler von Apps zum Beispiel nicht auf ihre Websites oder andere Quellen verlinken, über die ihre Apps günstige zu bekommen sind.
Google hat zwar angekündigt, dass man das "User Choice Billing", also die Abwicklung von Zahlungen über externe Lösungen von Drittanbietern in Apps breiter ausrollen will, nachdem es bisher nur in Südkorea angeboten wurde. Doch fallen auch dabei noch hohe Gebühren gegenüber Google an, wenn man Zahlungen in einer aus dem Play Store bezogenen App abwickeln will. Der Nachlass gegenüber der sonst üblichen Kommission in Höhe von 30 Prozent beträgt effektiv nur rund vier Prozent.
Die jetzt vorgeschlagenen Anpassungen werden daher schon jetzt kritisiert. In einem Tweet erklärte Tim Sweeney, dessen Spielefirma Epic in einem anderen Verfahren gegen Google vorgegangen ist und dieses vor genau einer Woche gewann, dass die Vorschläge des Internetkonzerns eine Ungerechtigkeit gegenüber allen Android-Nutzern und App-Entwicklern darstellen.
Google könne damit sogar seine 30-prozentige "Monopolsteuer" auf Zahlungen über den Play Store fördern, indem man beim "User Choice Billing" ganze 26 Prozent Gebühren auf Zahlungen einstreicht, die Google dann bis jetzt nicht einmal selbst abwickelt und somit keinerlei eigenen Aufwand hat. Noch sind die Vorschläge von Google zur Beilegung des Monopolverfahrens von 50 US-Bundesstaaten aber nicht beschlossene Sache. Die endgültige Entscheidung soll erst am 8. Februar 2024 durch einen Richter fallen.
Siehe auch:
Google passt Umgang mit Apps aus dem Play Store an
Bereits im September verkündete Google eine Einigung in einem Gerichtsverfahren in den USA, bei dem es um die Monopolbildung durch die Übermacht des Google Play Stores unter Android ging. Jetzt hat Google eine Liste von Änderungen vorgelegt, um eine Einigung mit den klagenden US-Bundesstaaten zu treffen. Die Änderungen halten sich allerdings überraschend stark in Grenzen und daher dürften eher ein "Tropfen auf den heißen Stein" sein.Google wird unter anderem rund 700 Millionen US-Dollar Schadenersatz zahlen, was in etwa der Gewinnsumme entspricht, die Google innerhalb von drei Wochen durch den Vertrieb von Apps über den Google Play Store erwirtschaftet.
US-Kunden erhalten Play Store Guthaben als Entschädigung
629 Millionen davon sollen in Form von Play Store Guthaben an Endkunden ausgeschüttet werden, um sie für Fälle zu entschädigen, in denen sie zuvor aufgrund von Googles Monopolstellung zu viel Geld für Apps aus dem Store bezahlt haben. 70 Millionen sollen von den klagenden US-Bundesstaaten auf beliebige Art verwendet werden. Rund eine Milliarde Dollar entfällt zudem auf administrative Zwecke rund um das Verfahren.Weiterhin macht Google eine Reihe von Eingeständnissen, die den Umgang mit Apps unter Android aus alternativen Quellen als dem Play Store erleichter sollen. Allerdings gilt in allen Fällen eine zeitliche Begrenzung, sodass der Konzern danach theoretisch einfach weitermachen kann wie bisher. Hier eine schnelle Zusammenfassung der zeitlich begrenzten Eingeständnisse, die Google im Zuge der Einigung mit den US-Bundesstaaten macht (via The Verge):
- 7 Jahre lang wird Google "Android weiterhin technisch in die Lage versetzen, die Installation von Apps von Drittanbietern auf mobilen Geräten über andere Mittel als Google Play zu ermöglichen".
- 5 Jahre lang wird Google den Entwicklern erlauben, ein alternatives In-App-Abrechnungssystem neben Google Play anzubieten (auch bekannt als "User Choice Billing")
- 5 Jahre lang wird Google die Entwickler nicht zwingen, Kunden, die sich für Google Play und Google Play Billing entscheiden, ihre besten Preise anzubieten.
- 4 Jahre lang wird Google die Entwickler nicht dazu zwingen, ihre Titel auf Google Play zur gleichen Zeit wie in anderen Stores und mit den gleichen Funktionen anzubieten.
- 5 Jahre lang wird Google Unternehmen nicht dazu zwingen, Google Play exklusiv auf einem Telefon oder dessen Homescreen anzubieten.
- 4 Jahre lang wird Google die OEMs nicht daran hindern, Installationsrechte für vorinstallierte Apps zu gewähren
- 5 Jahre lang wird Google keine "Zustimmung" mehr verlangen, bevor ein OEM einen App-Store eines Drittanbieters vorinstalliert
- 4 Jahre lang lässt Google zu, dass App-Stores von Drittanbietern Apps aktualisieren, ohne die Zustimmung der Nutzer einzuholen.
- 4 Jahre lang lässt Google zu, dass App-Stores von Drittanbietern seine APIs und "Feature-Splits" verwenden, um die Installation von Apps zu unterstützen
- 5 Jahre lang wird Google seine beiden Sideloading-"Schreckensbildschirme" in eine einzige Benutzeraufforderung umwandeln, die das Äquivalent zu folgenden, zuvor vereinbarten Ausdrucksweise darstellt: "Ihr Telefon ist derzeit nicht für die Installation von Anwendungen aus dieser Quelle konfiguriert. Wenn Sie dieser Quelle die Erlaubnis zur Installation von Apps erteilen, können Ihr Telefon und Ihre Daten gefährdet sein."
- 5 Jahre lang wird Google den an User Choice Billing teilnehmenden Entwicklern erlauben, ihre Nutzer über bessere Preise an anderer Stelle zu informieren und "Transaktionen mit der bestehenden webbasierten Abrechnungslösung des Entwicklers in einer eingebetteten Webansicht innerhalb seiner App abzuschließen."
- 6 Jahre lang wird Google "Entwicklern weiterhin erlauben, Kontaktinformationen, die sie außerhalb der App oder innerhalb der App (mit Zustimmung der Nutzer) erhalten haben, für die Kommunikation mit Nutzern außerhalb der App zu verwenden".
- Google wird es 6 Jahre lang zulassen, dass Apps, die nur zum Konsumieren gedacht sind (z. B. Netflix, bei dem man nicht auf dem Gerät bezahlen kann), den Nutzern bessere Preise anderswo mitteilen, ohne auf eine externe Website zu verlinken - Beispiel: "Auf unserer Website für 9,99 Dollar erhältlich".
- 6 Jahre lang darf Google "Entwicklern nicht verbieten, den Nutzern Service- oder andere Gebühren im Zusammenhang mit Google Play oder dem Abrechnungssystem von Google Play offenzulegen."
Insgesamt wird sich das Nutzungserlebnis im Google Play Store also für einige Jahre durchaus an mehreren Stellen ändern. Die Eingeständnisse fallen jedoch in vielen Fällen sehr geringfügig aus. So dürfen die Entwickler von Apps zum Beispiel nicht auf ihre Websites oder andere Quellen verlinken, über die ihre Apps günstige zu bekommen sind.
Google hat zwar angekündigt, dass man das "User Choice Billing", also die Abwicklung von Zahlungen über externe Lösungen von Drittanbietern in Apps breiter ausrollen will, nachdem es bisher nur in Südkorea angeboten wurde. Doch fallen auch dabei noch hohe Gebühren gegenüber Google an, wenn man Zahlungen in einer aus dem Play Store bezogenen App abwickeln will. Der Nachlass gegenüber der sonst üblichen Kommission in Höhe von 30 Prozent beträgt effektiv nur rund vier Prozent.
Die jetzt vorgeschlagenen Anpassungen werden daher schon jetzt kritisiert. In einem Tweet erklärte Tim Sweeney, dessen Spielefirma Epic in einem anderen Verfahren gegen Google vorgegangen ist und dieses vor genau einer Woche gewann, dass die Vorschläge des Internetkonzerns eine Ungerechtigkeit gegenüber allen Android-Nutzern und App-Entwicklern darstellen.
Google könne damit sogar seine 30-prozentige "Monopolsteuer" auf Zahlungen über den Play Store fördern, indem man beim "User Choice Billing" ganze 26 Prozent Gebühren auf Zahlungen einstreicht, die Google dann bis jetzt nicht einmal selbst abwickelt und somit keinerlei eigenen Aufwand hat. Noch sind die Vorschläge von Google zur Beilegung des Monopolverfahrens von 50 US-Bundesstaaten aber nicht beschlossene Sache. Die endgültige Entscheidung soll erst am 8. Februar 2024 durch einen Richter fallen.
Zusammenfassung
- Google ändert Umgang mit Apps nach US-Kartellklage
- 700 Mio. US-Dollar Schadenersatz geplant
- Änderungen betreffen vor allem App-Installation
- Zeitlich begrenzte Zugeständnisse an Entwickler
- Play Store bleibt dominant, geringe Kommissionsnachlässe
- Kritik an Googles Vorschlägen
- Endgültige Entscheidung fällt im Februar 2024
Siehe auch:
- Epic gewinnt gegen Google, Play Store stellt ein illegales Monopol dar
- Play Store auf Galaxy-Startscreens: Google zahlt Milliarden an Samsung
- Play Store: Google kennzeichnet besonders sichere VPN-Apps
- Google Play Store für Windows: Beta für Android-Spiele jetzt verfügbar
- Play Store-Exklusivität: Google wird zu Kartellstrafe verurteilt
Thema:
Videos zum Thema Google
- Huawei Mate X7 im Test: Auffälliges Foldable ohne Google-Dienste
- Wanbo Vali 1 Pro: Budget-Projektor mit Google TV im Test
- Super Bowl 2026: Google richtet mit Gemini ein neues Zuhause ein
- Google Pixel 10: Dieses Zubehör hat sich im Alltag wirklich bewährt
- Pixel 9a: Googles Mittelklasse-Smartphone überzeugt im Praxistest
Beiträge aus dem Forum
Weiterführende Links
Neue Nachrichten
- Aktuelle Technik-Blitzangebote von Amazon im Überblick
- The Witcher: CD Projekt plant angeblich neues Multiplayer-Spiel
- Forscher bauen aus alten Handys erstaunlich leistungsstarke Server
- Xbox-Exodus: Chef von Microsofts Spielestudios geht
- Galaxy A27: Samsung leakt sein neues Jedermann-Smartphone selbst
- Spiele als Dauerwerbesendung: EA plant Reklame 'direkt im Gameplay'
- Nutzen umstritten, UK bannt dennoch Social Media für Unter-16-Jährige
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen?
Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links,
um WinFuture zu unterstützen:
Vielen Dank!