Baikal: Russischer CPU-Hersteller ist pleite und wird abgewickelt

Russland will die Embargo-Folgen eigentlich auch damit mildern, bestimmte Produkte in Eigenregie herzustellen. Zumindest bei den Prozessoren gibt es in dieser Hinsicht nun einen herben Rückschlag: Einer der wichtigsten Hersteller des Landes ist pleite.
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Keine Hoffnung mehr

T-Platforms, die Muttergesellschaft des russischen Chipherstellers Baikal Electronics, ist endgültig Konkurs und versteigert ihre Vermögenswerte, berichtete das russische Magazin Cnews. Das Unternehmen stand bereits seit Ende letzten Jahres unter Insolvenzverwaltung und kam angesichts der anhaltenden Sanktionen gegen die russische Hightech-Branche nicht mehr auf die Füße.

Zu den Werten, für die nun ein Käufer gesucht wird, gehört auch das geistige Eigentum rund um die Baikal-Prozessoren, die auf Basis von ARM- und MIPS-Architekturen entwickelt wurden. Mit den Chips wollte man in Russland nicht nur eine eigene PC-Produktion etablieren, sondern sogar Supercomputer bauen.


Wie groß das Interesse ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Denn besonders viel lässt sich mit den zur Versteigerung stehenden Werten nicht anfangen. Das liegt zum Teil daran, dass die Architekturen relativ veraltet sind. Der Baikal-M1-Prozessor beispielsweise basiert auf acht etwas in die Jahre gekommenen Cortex-A57-Kernen, die mit 1,50 GHz arbeiten und mit einem 8 MB großen L3-Cache ausgestattet sind, der von einer ARM Mali-T628-GPU mit acht Clustern und zwei Display-Pipelines ergänzt wird. Ein Baikal-S-Prozessor für Server mit 48 Kernen kam nie über eine Ankündigung hinaus, sodass unklar ist, wie weit die Entwicklung hier fortgeschritten war.

Produktion unmöglich

Mit den Designs allein dürfte man als russisches Unternehmen auch wenig anfangen können. Denn die Produktion der Chips erfolgte bisher beim Auftragshersteller TSMC. Dieser weigerte sich allerdings bereits wenige Tage nach dem Beginn der Invasion der Ukraine, weiterhin für russische Firmen tätig zu sein. Die seitdem brachliegende Fertigung müsste nun also erst einmal mit einem anderen Produzenten in Angriff genommen werden.

Hierfür kämen dabei bestenfalls chinesische Anbieter infrage, die aber selbst mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, da sie nur eingeschränkt an Equipment aus dem Ausland kommen. Russland plante zwar, auch eine eigene Chipindustrie aufzubauen, doch ob dies unter dem Embargo je funktioniert, ist unklar.
Zusammenfassung
  • Russlands Chiphersteller Baikal Electronics ist pleite
  • Muttergesellschaft T-Platforms versteigert Vermögenswerte
  • Geistiges Eigentum rund um Baikal-Prozessoren wird verkauft
  • Baikal-Prozessoren basieren auf veralteten Architekturen
  • Produktion der Chips erfolgte bei Auftragshersteller TSMC
  • TSMC stellt Produktion für russische Firmen ein
  • Russland plant eigene Chipindustrie, Erfolg wegen US-Embargo unklar

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