Scan = Hintertür: Offener Brief soll Apple zum Umdenken bewegen

In einem offenen Brief wird Apple aufgefordert, die Pläne zur Einführung der neuen Tools zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu stoppen. Man befürchtet eine Hintertüre für Spionage ganz allgemeiner Natur.
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Die Aufregung um die von Apple kürzlich vorgestellte Funktionen zur Erkennung von Bildern, die sexuellen Kindesmissbrauch zeigen (sogenanntes Child Sexual Abuse Material, kurz CSAM) nimmt immer weitere Bahnen. Apple will dabei KI-gestützt CSAM-Inhalte finden, die in der iCloud liegen und diese mit der Datenbank des National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) abgleichen. Dazu gab es viel Kritik unter anderem von prominenten Datenschützern (wir berichteten). Apple Foto-ScanDas Prinzip für den Abgleich Mit einem offenen Brief versuchen jetzt Datenschützer Unterstützer zu finden, um Apple zum Umdenken zu bewegen. Dabei geht es vor allem um die Gefahr, dass Apples Versuch, im Kampf gegen Kindesmissbrauch zu helfen, von Dritten für ihre ganz eigenen Zwecke ausgenutzt werden kann. Denkbar ist, dass diese Hintertür, die durch das Scannen aufgestoßen wird, für das Ausschnüffeln fremder Accounts eingesetzt wird. Es ist alles nur Spekulation, aber die Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen.

Offener Brief

Mit einer Hintertür hätten nicht nur Strafverfolgungsbehörden plötzlich Zugriff auf die ansonsten von Apple so vehement verteidigten privaten Daten der Nutzer, sondern auch Kriminelle. Nun haben sich einige der Kritiker zusammengefunden und einen offenen Brief für Apple im Internet veröffentlicht. Wer möchte, kann ihn auf appleprivacyletter.com unterzeichnen. Zu den ersten Unterzeichnern gehören Branchenexperten und prominente Namen wie Edward Snowden.

Der Brief in Auszügen:

"Ein offener Brief gegen Apples in die Privatsphäre eingreifende Technologie zum Scannen von Inhalten. Sicherheits- und Datenschutzexperten, Kryptographen, Forscher, Professoren, Rechtsexperten und Apple-Konsumenten kritisieren Apples geplanten Schritt, die Privatsphäre der Nutzer und die End-to-End-Verschlüsselung zu untergraben.

Liebe Apple-Leute,
am 5. August 2021 kündigte Apple Inc. neue technologische Maßnahmen an, die unter dem Namen "Erweiterter Schutz für Kinder" für praktisch alle Geräte gelten sollen. Auch wenn die Ausbeutung von Kindern ein ernstes Problem ist und die Bemühungen, es zu bekämpfen, zweifellos gut gemeint sind, führt der Vorschlag von Apple eine Hintertür ein, die den grundlegenden Schutz der Privatsphäre für alle Nutzer von Apple-Produkten zu untergraben droht.
Die von Apple vorgeschlagene Technologie funktioniert durch die kontinuierliche Überwachung von Fotos, die auf dem iPhone, iPad oder Mac des Nutzers gespeichert oder freigegeben werden. Ein System erkennt, wenn eine bestimmte Anzahl anstößiger Fotos im iCloud-Speicher entdeckt wird und alarmiert die Behörden. Ein anderes System benachrichtigt die Eltern eines Kindes, wenn über iMessage Fotos gesendet oder empfangen werden, die nach Ansicht eines maschinellen Lernalgorithmus Nacktheit enthalten.
Da beide Überprüfungen auf dem Gerät des Nutzers durchgeführt werden, haben sie das Potenzial, jede Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu umgehen, die ansonsten die Privatsphäre des Nutzers schützen würde.
Unmittelbar nach der Ankündigung von Apple schlugen Experten auf der ganzen Welt Alarm darüber, wie die von Apple vorgeschlagenen Maßnahmen jedes iPhone in ein Gerät verwandeln könnten, das kontinuierlich alle Fotos und Nachrichten, die es durchläuft, scannt, um etwaige anstößige Inhalte an die Strafverfolgungsbehörden zu melden und so einen Präzedenzfall zu schaffen, bei dem unsere persönlichen Geräte zu einem radikalen neuen Werkzeug für eine invasive Überwachung werden, ohne dass es eine Kontrolle gibt, die einen möglichen Missbrauch und eine unangemessene Ausweitung des Umfangs der Überwachung verhindert.

Wir, die Unterzeichnenden, fordern, dass:
Der Einsatz der von Apple Inc. vorgeschlagenen Technologie zur Überwachung von Inhalten sofort gestoppt wird.
Apple Inc. eine Erklärung herausgibt, in der sie ihr Engagement für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und den Schutz der Privatsphäre der Nutzer bekräftigen."
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