Indische Corona-Variante: Indien will Löschung von Social-Media-Posts

Indien fordert Social-Media-Konzerne auf, Hinweise auf eine "indische Variante" des Coronavirus zu entfernen. Es geht dabei um die Coronavirus-Variante B.1.617, die im Mai 2020 erstmals in Indien identifiziert wurde. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach hat Indiens Informationstechnologie (IT)-Ministerium Social-Media-Firmen schriftlich aufgefordert, alle Inhalte herunterzunehmen, die sich auf eine "indische Variante" des Coronavirus beziehen. Der Brief liegt Reuters vor. Die indische Regierung will damit laut eigene Angaben die "Stigmatisierung" stoppen, die ihrer Ansicht nach aus einer falschen Interpretation heraus gestartet war. Nun sollen Firmen wie Facebook, Twitter und Co, alle Posts löschen oder vor Veröffentlichung heraus­filtern, die diese "falsche Bezeichnung indische Variante" verwenden.

Indien begründet das "Verbot" mit der wissenschaftlichen Bezeichnung

"Dies ist komplett FALSCH", heißt es in dem Brief. "Es gibt keine solche Variante von Covid-19, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wissenschaftlich als solche bezeichnet wird. Die WHO hat den Begriff 'Indische Variante' in keinem ihrer Berichte mit der B.1.617-Variante des Coronavirus in Verbindung gebracht". Die Weltgesundheitsorganisation sagte am 11. Mai, dass die Coronavirus-Variante B.1.617, die letztes Jahr erstmals in Indien identifiziert wurde, als weltweit besorgniserregende Variante eingestuft wird.


Die indische Regierung hat schon einen Tag, nachdem die WHO im letzten Jahr eine Warnung vor der neuen Variante herausgegeben hatte, sich öffentlich gegen den Begriff "indische Variante" gewehrt. Dabei werden weltweit Coronvirus-Varianten von Ärzten und Gesundheitsexperten generisch genannt, je nachdem, wo sie identifiziert werden. Dazu gehören Varianten aus Südafrika und Brasilien.

Eine hochrangige indische Regierungsquelle sagte gegenüber Reuters, dass die Mitteilung herausgegeben wurde, um eine "laute und klare" Botschaft zu senden, dass solche Erwähnungen der "indischen Variante" Missverständnisse verbreiten und das Image des Landes schädigen. Die indische Regierung steht wegen ihres Umgangs mit der Coronavirus-Pandemie zunehmend in der Kritik. Weltweit waren dabei Hilfsaktionen für Indien gestartet, vor allem um bei der Patientenbehandlung zu helfen.

Keine Zensur-Maßnahmen geplant

Auf Nachfrage von Reuters lehnte ein leitender Angestellter eines nicht genannten Social-Networks eine solche Forderung ab. Da es Hunderttausende solcher Beiträge gäbe, wäre das nicht nur schwer umsetzbar, ein solcher Schritt würde zu einer stichwortbasierten Zensur in der Zukunft führen.

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