Dinge der Menschen wiegen jetzt mehr als alle Lebewesen zusammen

Der Mensch hat die Erde endgültig in eine riesige Kulturlandschaft um­ge­baut. Die Natur spielt in der ganzen Sache nur noch die zweite Rolle. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung des Wechselverhältnisses.
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Die jetzt im renommierten Journal Nature veröffentlichte Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Menschheit einen Punkt erreicht hat, an der die von ihr produzierten Dinge eine größere Masse haben als alles Leben auf der Welt. Die zugrunde gelegten Daten kommen aus zwei verschiedenen Forschergruppen, die am israelischen Weizmann Institute of Science tätig sind.

Das Team um den Systembiologen Ron Milo untersucht anhand von sehr vielen Datenquellen - diese reichen von örtlichen Erhebungen bis hin zu Satelliten-Aufnahmen - die Entwicklung der gesamten Biomasse auf der Erde. Rechnet man hier alles von den unzähligen Bakterien bis hin zu den größten Lebewesen zusammen, kommt man auf Zahlen, an denen alle derzeit lebenden Menschen lediglich einen sehr kleinen Anteil von 0,01 Prozent haben.

Das verführt immer wieder mal zu Einschätzungen, nach denen wir letztlich nur einen bedingten Einfluss auf die übermächtige Natur nehmen können. Diese Annahme geht aber wohl ziemlich weit an der Realität vorbei. Denn die von uns produzierten Gegenstände, alle Bauwerke, Autos, Straßen und vieles mehr, kommen jetzt auf eine größere Masse als alle Lebewesen. Das berechnete eine zweite Forschergruppe.

Rasante Veränderung

Und die Verhältnisse haben sich sehr schnell verändert. Im Jahr 1900 betrug die Masse der Kulturprodukte gerade einmal 3 Prozent der Biomasse auf der Erde. Seitdem gab es etwa alle 20 Jahre eine Verdoppelung - wobei die Entwicklung aber nicht ganz gleichförmig verlief. Besonders starke Sprünge gab es beispielsweise, als in den 1950er und 1960er Jahren rund um die Welt ein regelrechter Beton-Boom einsetzte. Heute stellen wir in jeder Woche so viele Produkte her, wie die rund 8 Milliarden Menschen zusammen auf die Waage bringen.

Parallel zu dieser Entwicklung hat die Biomasse einen Abwärtstrend verfolgt - was ebenfalls im Wesentlichen auf das Wirken der Menschen zurückzuführen ist. Riesige versiegelte Flächen fehlen der Natur inzwischen und vor allem auch der Verlust an Wäldern sorgte für schwindende Mengen an Lebewesen. Allein das produzierte Plastik wiegt schon doppelt so viel, wie alle Tiere.

Für die Berechnung wurde allerdings nur die Trockenmasse der Lebewesen berücksichtigt. In ihrem natürlichen Zustand mit größeren Mengen enthaltenen Wassers wiegen die Lebewesen aktuell noch mehr als die menschengemachten Dinge - wenn die Entwicklung aber weitergeht wie bisher, ist das voraussichtlich im Jahr 2037 auch anders.

Siehe auch: Natur ohne Mobilfunk ist zu gefährlich: Wandern für Studenten verboten
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