Algorithmus "sabotiert" 39 Prozent aller Abitur-Noten in Großbritannien

Schöne neue Schulwelt: In Großbritannien hat ein Algorithmus dazu ge­führt, dass tausende Abschlussnoten heruntergestuft worden sind. Grund war die Coronakrise und der Umstand, dass schriftliche Prüfungen aus­ge­fallen sind. Doch an der Praxis gibt es scharfe Kritik.
Universität, Ausbildung, Vorlesung
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Die so genannten "A-Levels" sind nicht 1:1 mit dem deutschen Abitur oder der öster­rei­chi­schen Matura vergleichbar, dieses Jahr hatte aber auch die britische höchste Schul­ab­schluss­prüfung mit den gleichen Problemen bzw. Umständen zu kämpfen. Denn natürlich war auch in Großbritannien ein normaler Schulbetrieb in den vergangenen Monaten wegen der Corona-Pandemie nicht möglich.

Doch für etwa 40 Prozent der britischen Schüler hat das Ganze kein echtes Happyend zur Folge. Vereinfacht gesagt ordnete Bildungsminister Gavin Williamson an, dass die Lehrer ihre Schüler bewerten sollen, ohne dass diese eine schriftliche Abschlussprüfung absolviert haben bzw. absolvieren konnten.

Vergleich zum Vorjahr entscheidend

Doch wie der Guardian berichtet (via taz), hat das zuständige Office of Qualifications and Examinations Regulation (Ofqual) nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der Ergebnisse auf Anordnung von Williamson Neuberechnungen angeordnet. Dabei kam ein Algorithmus zum Einsatz, der auf Basis der Vorjahresergebnisse die Noten von 2020 auswertete und anpasste.

Die Parameter des Algorithmus kann man aber wohl zu Recht kritisieren. Denn die Annahme der Software ist, dass schlechte und gute Schulen und somit auch Noten in den beiden Jahren übereinstimmen müssen. Das hatte zur Folge, dass rund 39 Prozent aller Noten um mindestens eine Stufe herabgestuft wurden, bei gerade einmal gut zwei Prozent wurde die Note angehoben. Bevorzugt werden dabei kleinere Privatschulen, die Herabstufungen waren hin­gegen vor allem an öffentlichen Einrichtungen zu finden.

Für viele Schüler hat das konkrete existenzielle Folgen, denn in Großbritannien sind die Prüfungsnoten eng an eine Hochschulzulassung geknüpft. Viele sehen nun ihre Zukunft an der Universität in Gefahr. Auf das britische Bildungsministerium rollt nun wohl eine Klagewelle zu, Gavin Williamson kündigte nach Protesten auch bereits an, dass Betroffene gleich mehrere Möglichkeiten für Einsprüche bzw. Korrekturen bekommen werden.

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