Abschied von Windows: Microsoft verliert Südkorea als Kunden

Fast schon hätte man denken können, die Zeit der großen Migrations-Projekte von Windows zu Linux seien vorbei. Doch nun will ein ganzes Land seine Verwaltungen auf die freie Plattform umstellen. Entsprechende Planungen sind in Südkorea inzwischen so weit gediehen, dass das zuständige Ministerium sein Konzept öffentlich präsentiert.
Südkorea, Stadt, Seoul, gangnam
Duesride (CC BY-SA 3.0)
Sämtliche Regierungsrechner sollen demnach auf Linux umgestellt werden. Das geht aus einer entsprechenden Mitteilung des Innenministeriums hervor, über die der Korea Herold berichtet. Letztlich gehören dazu alle den verschiedenen Ministerien untergeordneten Behörden. Um wie viele Systeme es sich dabei genau handelt, ist derzeit noch unklar.

In einer ersten Stufe will man jetzt beginnen, die Migration innerhalb des Innenministeriums anlaufen zu lassen. Das dient quasi als Pilotprojekt, in dessen Rahmen mögliche Kompatibilitäts- und Sicherheits-Probleme gelöst werden sollen. Wenn hier ein als hinreichend erachteter Stand erreicht ist, soll damit begonnen werden, auch alle anderen Systeme in der staatlichen IT-Infrastruktur umzustellen.

Wechsel steht ohnehin an

Der Grund für die Planungen liegt nach Angaben des Ministeriums in Kostenerwägungen. Diese sind bei solchen Projekten immer mehr oder weniger umstritten, da ja nicht nur Lizenzkosten berücksichtigt werden können. Allerdings führt man als weitere Überlegung an, dass man nicht mehr so gern von einem einzelnen großen Anbieter aus den USA abhängig wäre.

Eine Migration auf eine neue Plattform steht demnächst ohnehin an. Südkoreas öffentliche Institutionen arbeiten aktuell auf Windows 7, dessen Support Anfang kommenden Jahres ausläuft. Eine Umstellung auf Windows 10 wäre dann zwar sicherlich etwas einfacher, umfangreiche Anpassungen diverser Eigenentwicklungen und Tests sonstiger Software würden aber auch dann anfallen.

Für Microsoft würde der Erfolg eines solchen Projektes aber längst nicht mehr so ein heftiger Schlag sein, wie es noch vor vielleicht zehn Jahren der Fall war. Denn inzwischen ist man in Redmond viel stärker daran interessiert, Cloud-Kapazitäten und -Dienste zu vermarkten als Windows-Lizenzen. Mit Windows lässt sich Azure sicherlich besser verkaufen, aber auch Deals mit Linux-Nutzern steht hier absolut nichts im Wege.

Siehe auch: Tschüs Suse, hallo Windows: Linux-Aus in Niedersachsens Finanzämtern
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