Huawei-Flaggschiffe fliegen wegen Betrugstaktik aus Benchmark-Listen

Nachdem bekannt wurde, dass Huawei erneut versucht mit modifizierten Einstellungen bei Benchmark-Tests bessere Werte zu erzielen, hat die Prüforganisation UL, der auch die Macher der bekannten Software 3DMark angehören, Konsequenzen gezogen und die aktuellen Top-Smartphones von Huawei aus ihren Rankings geworfen.
Huawei, Leica, Triplecam, Huawei P20 Pro
Huawei
Zunächst hatte Anandtech bei Versuchen mit den aktuellen High-End-Smartphones von Huawei festgestellt, dass die Geräte speziell konfiguriert sind, um Benchmark-Tools wie 3DMark zu erkennen und dann mehr Leistung bereitzustellen. Sobald die Benchmark-Software durch eine einfache Umbenennung der App-Dateien nicht mehr erkannt wurde, fielen die gemessenen Werte auf den Geräten erheblich niedriger aus.


In der Folge führte UL eigene Tests mit einer internen Version des von FutureMark entwickelten 3DMark-Tests durch und konnte die "Optimierungen" durch Huawei ebenfalls nachweisen. Wurde die Benchmark-App auf den Geräten nicht "erkannt", waren die Messwerte erheblich niedriger. Weil die Regelungen der UL vorsehen, dass Benchmarks dazu dienen, die typische Performance von Geräten unter hoher Last zu messen, sieht man in der Optimierung der Performance für bestimmte Benchmarks einen Verstoß und hat deshalb die Huawei-Topmodelle aus den Ranglisten entfernt.

Huawei P20, P20 Pro, Nova 3 und Honor Play sind raus

Konkret betrifft die Entscheidung der UL und von FutureMark die Modelle Huawei P20, P20 Pro, Huawei Nova 3 und Honor Play. Sie alle basieren auf dem Huawei-eigenen Kirin 970 Octacore-SoC. Huawei selbst reagierte auf die Vorwürfe wegen der fragwürdigen Benchmark-Optimierung mit dem Verweis, dass man damit versucht habe, sich den bei anderen chinesischen Herstellern üblichen Optimierungsmaßnahmen für die Benchmark-Nutzung anzupassen.

In einer Stellungnahme gegenüber Android Authority hieß es außerdem, dass sich die Geräte tatsächlich bei Erkennung einer Benchmark-Anwendung in einen speziellen "Performance-Modus" schalten, um die maximale Leistung zu liefern. Langfristig wolle man den Nutzern direkten Zugriff auf entsprechende Einstellungen geben, damit diese selbst entscheiden können, wann der "Performance-Modus" aktiviert wird. Außerdem sei man bereit, mit Partnern zusammenzuarbeiten, um neue, bessere Standards für die Messung der Leistung von Smartphones zu entwickeln.

Anandtech hatte festgestellt, dass die Performance-Optimierung vor allem durch einen Verzicht auf sonst übliche Maßnahmen zur Einhaltung bestimmter Temperaturgrenzen und Reduzierung des Energiebdarfs erfolgt. Statt den Chip also nur mit einer begrenzten Verlustleistung laufen zu lassen, arbeitet er bei Erkennung eines bestimmten Benchmarks unter absoluter Maximallast. Im normalen Nutzungsalltag wird hingegen stets versucht, eine Balance zwischen möglichst viel Leistung bei möglichst niedrigem Energiebedarf zu finden - so dass das Verhalten bei Benchmarks keineswegs dem Verhalten in der alltäglichen Nutzung entspricht.
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