Surface Pro 3 im Test: Microsofts fast perfektes Notebook-Tablet
Display, Digitizer und Stylus
Microsoft verbaut beim Surface Pro 3 ein neues, auf 12 Zoll angewachsenes IPS-Display mit einer Auflösung von 2160x1440 Pixeln, das im ungewöhnlichen 3:2-Format daherkommt. Das Panel bietet damit eine für die Größe recht hohe Pixeldichte, weshalb Microsoft ab Werk auf eine Skalierung der Windows-UI-Elemente auf 150 Prozent setzt. Dies funktioniert in den meisten Anwendungen gut, doch gerade bei bestimmten Desktop-Programmen wie etwa Googles Chrome Browser wird die Oberfläche durch die Skalierung matschig. Hier liegt die Schuld jedoch nicht bei Microsoft, sondern beim Internetkonzern, der noch immer nicht dafür gesorgt hat, dass sich die Oberfläche von Chrome auf hochauflösenden Displays ordentlich der Skalierung anpasst.Die Helligkeit des Displays erreicht beim Surface Pro 3 maximal knapp 340 Candela, was ein recht guter Wert ist, wie er auch bei einigen anderen Notebooks und Tablets erreicht wird, aber keineswegs eine Top-Leistung. So leuchten viele Smartphones deutlich stärker und es würde dem Surface Pro 3 sicherlich gut zu Gesicht stehen, wenn das Panel heller wäre, um sich etwa vom erklärten Konkurrenten MacBook Air abzuheben - das Apple-Notebook hat eine praktisch identische maximale Helligkeit zu bieten. Weil das Cover-Glas des Surface-Tablets direkt mit dem Display verbunden ist, werden Reflexionen vermieden, so dass es ganz gut im Freien abgelesen werden kann, auch wenn hier eine größere Helligkeit mehr helfen würde.
Das Display des Surface Pro 3 in der Nahaufnahme
Die Farbwiedergabe ist beim Microsoft Surface Pro 3 angenehm kräftig, bewegt sich aber weitestgehend im realistischen Bereich und wirkt somit nicht übertrieben, wie es bei manchen Tablets - gerade von Samsung - der Fall ist. Leider hat das Display beim neuen Microsoft-Tablet bei Grautönen einen leichten Grünstich, so dass weiße und vor allem eben gräuliche Farbtöne teilweise deutlich grün eingefärbt erscheinen. Die Blickwinkelstabilität ist beim neuen Surface hingegen sehr gut, so dass man das Tablet problemlos auch aus sehr spitzen Winkeln von der Seite betrachten kann, was sich auch dann bezahlt macht, wenn man es auf dem Schoß verwendet oder in anderen Situationen steckt, in denen man nicht direkt von vorn darauf schaut.
Der neue Formfaktor macht die Nutzung des Surface Pro 3 als Laptop oder zum Lesen langer Texte deutlich angenehmer als bei Geräten mit 16:9-Format wie etwa dem Vorgängermodell. Will man mehrere Fenster nebeneinander anordnen oder die Snap-Funktion der Windows-8.1-Oberfläche verwenden, lassen sich so deutlich mehr Informationen auf einen Blick erfassen als bisher, weshalb die Wahl des neuen Formats eine gute Idee war.
Stylus
Microsoft verpasst dem Surface Pro 3 nicht nur ein neues Format, sondern führt auch einen neuen Digitizer und wegen des Wegfall eines aktiven Digitizers durch die neue Technik auch einen neuen Stylus. Man löst also die Wacom-Technik der Vorgängermodelle mit einem neuen aktiven Stylus von NTrig ab, was wohl vor allem auf den Wunsch der Redmonder zurückzuführen sein dürfte, die Dicke der Display-Ebene und damit auch des gesamten Tablets deutlich zu reduzieren. Weil der Digitizer-Layer nun anders arbeitet, muss der Stylus mit einer Batterie versehen werden.Er kann daher auseinandergeschraubt werden und ist im Innern mit einer vom Nutzer auszutauschenden Batterie im ungewöhnlichen AAAA-Format versehen. Der Stromspeicher sorgt erst dafür, dass der Stylus funktionieren kann und macht auch die Nutzung der beiden Tasten am unteren Ende möglich. Am oberen Ende des Stifts sitzt zudem eine lilafarbene Taste, mit der man das Tablet aufwecken und in eine gesperrte Variante von OneNote starten lassen kann, um schnell zwischendurch Notizen anzufertigen. Hierfür werden im oberen Teil des Stylus zwei kleine Knopfzellen vom Typ 319 verwendet, so dass insgesamt gleich drei Batterien in dem Gerät untergebracht sind.
Surface Pro 3 Stylus zerlegt
Was die Eingabe angeht, bringt die Umstellung auf den neuen Stylus und die geänderte Bauweise des Bildschirms Vor- und Nachteile mit sich. Während die Möglichkeit zum Aufwecken des Tablets auf Knopfdruck zur Eingabe von Notizen und die geringere Dicke natürlich positiv zu bewerten sind, sinkt die Zahl der Druckstufen mit dem neuen Stylus erheblich. Statt bisher 1024 gibt es nun nähmlich nur noch 256 Druckstufen, was eigentlich ein Rückschritt ist. Im Nutzungsalltag macht sich die geringere "Auflösung" jedoch kaum bemerkbar, denn die meisten Anwender dürften keinen Unterschied erkennen - einzig Künstler, die das Surface zum Zeichnen verwenden wollen, sollten vielleicht beim älteren Modell bleiben, wenn sie nicht ohnehin ein von Wacom selbst vertriebenes Gerät nutzen.
Unschön ist allerdings ein anderer Effekt, den das Streben nach einem möglichst dünnen Gehäuse auf Seiten von Microsoft mitbrachte: Weil die Display-Abdeckung aus Glas wohl deutlich dünner geworden ist beziehungsweise Display und Cover nun noch direkter miteinander verbunden sind, drückt der Stylus beim Schreiben schnell auf das Dislay-Panel durch, so dass der Druck für eine farbige "Blase" um die Stiftspitze sorgt. Dies tritt wirklich sehr rasch auf, wenn man wie mit einem normalen Kugelschreiber, Bleistift oder Füllfederhalter auf dem Display schreiben möchte. In diesem Zusammenhang ist fraglich, ob Microsoft hier garantieren kann, dass das Display durch die mögliche Dauerbelastung bei der Stylus-Nutzung langfristig keinen Schaden erleidet.
Surface Pro 3: Stift drückt auf das Display durch
Einen weiteren Vorteil gibt es jedoch, was das dünnere Display-Paket beim Surface Pro 3 angeht - die Verzögerung zwischen Stiftspitze und der Darstellung des Gezeichneten auf dem Display hat meiner Meinung nach schon deutlich nachgelassen, so dass nun ein geringerer Abstand zwischen der Spitze des Stylus und einer frisch gezeichneten Linie auf dem Display entsteht. Insgesamt stellt der neue Stylus also durchaus einer Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen des Microsoft-Tablets für professionelle Anwender dar, wenn man mit dem schnelleren Durchdrücken der Display-Abdeckung auf das IPS-Panel darunter leben kann.
Kameras
Microsoft verbaut beim Surface Pro 3 wie gehabt zwei gleich hoch auflösende Kameras, wobei zumindest die rückwärtige Kameraeinheit leicht geneigt positioniert ist, um sie so der Neigung des Tablets im Tischbetrieb anzupassen. Die Auflösung ist für Videogespräche und Schnappschüsse ausreichend, Fotos sollte man mit den beiden 5-Megapixel-Kameras eher nicht anfertigen, auch wenn die Qualität in gut ausgeleuchteten Umgebungen überraschend gut ausfällt.Sound
Die beiden Lautsprecher des Surface Pro 3 sitzen nicht mehr am oberen Rand und strahlen nach hinten ab, sondern wurden nun auf die Front verlegt. Sie sitzen nun im oberen Bereich der Front und fallen auf den ersten Blick kaum auf. Dies allein sagt schon recht viel über ihre Fähigkeiten, denn diese sind weiterhin ziemlich begrenzt. Die Lautstärke bleibt deutlich hinter anderen Tablets und den meisten Notebooks zurück, doch immerhin ist der Ton klar und verzerrt nicht. Auch ein Hauch von Bass ist zu vernehmen, auch wenn der Resonanzraum augenscheinlich sehr begrenzt ist.
Lautsprecher des Surface Pro 3
Die schmalen Schlitze spucken allgemein einen klaren und recht guten Klang aus, im Vergleich mit meinem Lenovo Yoga 2 Pro ist das Surface Pro 3 jedoch deutlich unterlegen, was Lautstärke und Klang angeht. Zum gelegentlichen Videokonsum reichen die Lautsprecher des Microsoft-Tablets also durchaus, sobald man jedoch länger Musik hören oder einen Film ansehen möchte, sollte auf Kopfhörer oder eine am Line-Out angeschlossene Stereoanlage zurückgegriffen werden. Per Bluetooth können natürlich auch externe Lautsprecher verwendet werden, die ebenfalls einen deutlich besseren Sound liefern.
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