Experten-Umfrage: Regierungen & Konzerne größte Gefahr fürs Netz

Im Rahmen seines Internet and American Life Projects hat das Pew Research Center für eine neue Studie mehr als 1400 Experten danach gefragt, worin sie für die nächsten 20 Jahre die größten Gefahren für das Internet sehen. Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Der Think-Tank befragte für seine Studie Experten aus dem akademischen Bereich, Theoretiker und Mitarbeiter der Technologieindustrie danach, welche die dominierenden Gefahren für das Netz und seine Nutzer in den kommenden Jahrzehnten sein werden. Die Mehrheit sah dabei Risiken nicht etwa in Hacker-Angriffen und neuen Wellen der Internet-Kriminalität. Viel gefährlicher seien Regierungen und große Internetkonzerne, die ihre Interessen schützen wollen, heißt es.

Vor allem die Überwachung des Internets durch Regierungen, restriktive Regulierungsmaßnahmen und die Gier von Unternehmen würden nach Meinung der Experten am wahrscheinlichsten zum Risiko für die Idee, dass das Web ein Netzwerk frei fließender Informationen sein sollte. So fürchten viele, dass das Internet zunehmend in Splitterbereiche aufgeteilt wird, weil Regierungen den Zugriff wie zum Beispiel während des "arabischen Frühlings" beschränken.

Datensammelwut der Konzerne und Lobbyismus gegen Netzneutralität

Auch die Durchsetzung überzogener Gesetze zum Schutz von Urheberrechten sowie die in Australien und Kanada umgesetzten Filter zum Schutz gegen Kinderpornografie stellen nach Meinung der Experten eine Gefahr für das Internet dar. In vielen Fällen werde bei solchen Maßnahmen die Grenze überschritten oder man stehe zumindest kurz davor.

Durch die jüngst von Edward Snowden und seinen Mitstreitern enthüllten Überwachungsmaßnahmen der NSA entstehe eine weitere Gefahr. Weil Regierungen, Nutzer und Webanbieter versuchen, den Austausch von Daten zu limitieren, trügen sie mit dem Wunsch, die Privatsphäre und den Datenschutz zu fördern, zur Fragmentierung des Webs bei.

Weitere wichtige Faktoren, die die Experten alarmieren, sind die wachsende Macht von Großkonzernen wie Facebook, Google, Apple und Microsoft sowie die Lobbyarbeit diverser Unternehmen, die eine "Zweiklassengesellschaft" für den Datenverkehr unter dem Deckmantel einer angeblich besseren Verfügbarkeit einführen wollen und somit die Netzneutralität aufs Spiel setzen.
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