Cory Doctorow: Ohne Nerd-Politik sind wir verloren
Der Science-Fiction-Autor und Netzaktivist Cory Doctorow hat die Hacker, Geeks und Nerds aufgefordert, sich den Realitäten des politischen Geschäfts zu stellen. Nur so könne längerfristig dafür gesorgt werden, dass die der technologischen Entwicklung zugeschriebenen positiven Effekte auf die Gesellschaft auch wirklich eintreffen.
Wie er in einem Gastbeitrag für die britische Tageszeitung 'The Guardian' ausführte, sei es dabei wichtig, sich nicht in den zwei gefährlichsten Fallstricken, die tief in der Szene verwurzelt sind, zu verheddern: Dem Nerd-Determinismus und dem Nerd-Fatalismus.
Als Nerd-Determinismus beschreibt Doctorow eine Haltung, nach der sich technisch Begabte nicht um gefährliche oder einfältige Maßnahmen der Politik oder der Rechtssprechung kümmern, weil sie sich selbst angesichts ihrer Fähigkeiten als relativ unangreifbar betrachten. Überwachungs-Schnittstellen bei Providern sieht man beispielsweise in Zeiten der Verfügbarkeit starker Kryptographie und von Anonymisierungsdiensten als unproblematisch an.
Das sei zwar formal korrekt, es reiche aber nicht aus, sich selbst zu schützen und den Rest der Welt mit dem Problem allein zu lassen, so Doctorow. Auch gelte dies nur, wenn man ausschließlich mit einem kleinen Kreis anderer Geeks in Kontakt steht. "95 Prozent der Leute, mit denen man korrespondiert, nutzen aber einen freien Webmail-Account mit einer Überwachungs-Schnittstelle", führte er aus. Solange diese dann nicht mit Verschlüsselung umgehen können, bleiben die eigenen Schutzmaßnahmen sinnlos.
Auf der anderen Seite sieht Doctorow den Nerd-Fatalismus, wonach man sich ausschließlich mit Geek-Angelegenheiten beschäftigt und den Rest der Welt aus der Annahme heraus ignoriert, dass man von der Politik letztlich ohnehin nur korrumpiert wird. Hier werden also die hehren Ideale des Geektums von der übrigen Gesellschaft abgekoppelt.
Es sei zwar richtig, dass Politik einer eigenen inneren Logik folgt und eher das Mögliche statt der Ideale im Blick hat. "Es gibt aber eine wichtige Wahrheit über Politik und Rechtssprechung: Auch wenn du kein Interesse an ihnen hast, heißt das nicht, dass sie kein Interesse an dir haben", so Doctorow.
Deshalb könne man noch so clevere dezentralisierte Systeme wie BitTorrent entwickeln - wenn diese letztlich einen ausreichend großen Fußabdruck im Alltag hinterlassen, werden sie auf irgendeine Art von der Gesetzgebung angegriffen. "Wenn das passiert, ist Technologie nicht die Rettung. Die einzige Verteidigung gegen juristische Attacken liegt im Gesetz", führte Doctorow weiter aus.
Deshalb sei es wichtig, dass Geeks sich politisch engagieren. "Wenn Leute, die Technologie verstehen, ihre positive Wirkung nicht verteidigen, wenn wir nicht auf dem Feld der traditionellen Macht- und Politikstrukturen operieren, wenn wir nicht für die Rechte unserer technisch unversierten Freunde und Nachbarn eintreten, dann werden wir ebenso verloren sein", lautet Doctorows Fazit.
Als Nerd-Determinismus beschreibt Doctorow eine Haltung, nach der sich technisch Begabte nicht um gefährliche oder einfältige Maßnahmen der Politik oder der Rechtssprechung kümmern, weil sie sich selbst angesichts ihrer Fähigkeiten als relativ unangreifbar betrachten. Überwachungs-Schnittstellen bei Providern sieht man beispielsweise in Zeiten der Verfügbarkeit starker Kryptographie und von Anonymisierungsdiensten als unproblematisch an.
Das sei zwar formal korrekt, es reiche aber nicht aus, sich selbst zu schützen und den Rest der Welt mit dem Problem allein zu lassen, so Doctorow. Auch gelte dies nur, wenn man ausschließlich mit einem kleinen Kreis anderer Geeks in Kontakt steht. "95 Prozent der Leute, mit denen man korrespondiert, nutzen aber einen freien Webmail-Account mit einer Überwachungs-Schnittstelle", führte er aus. Solange diese dann nicht mit Verschlüsselung umgehen können, bleiben die eigenen Schutzmaßnahmen sinnlos.
Auf der anderen Seite sieht Doctorow den Nerd-Fatalismus, wonach man sich ausschließlich mit Geek-Angelegenheiten beschäftigt und den Rest der Welt aus der Annahme heraus ignoriert, dass man von der Politik letztlich ohnehin nur korrumpiert wird. Hier werden also die hehren Ideale des Geektums von der übrigen Gesellschaft abgekoppelt.
Es sei zwar richtig, dass Politik einer eigenen inneren Logik folgt und eher das Mögliche statt der Ideale im Blick hat. "Es gibt aber eine wichtige Wahrheit über Politik und Rechtssprechung: Auch wenn du kein Interesse an ihnen hast, heißt das nicht, dass sie kein Interesse an dir haben", so Doctorow.
Deshalb könne man noch so clevere dezentralisierte Systeme wie BitTorrent entwickeln - wenn diese letztlich einen ausreichend großen Fußabdruck im Alltag hinterlassen, werden sie auf irgendeine Art von der Gesetzgebung angegriffen. "Wenn das passiert, ist Technologie nicht die Rettung. Die einzige Verteidigung gegen juristische Attacken liegt im Gesetz", führte Doctorow weiter aus.
Deshalb sei es wichtig, dass Geeks sich politisch engagieren. "Wenn Leute, die Technologie verstehen, ihre positive Wirkung nicht verteidigen, wenn wir nicht auf dem Feld der traditionellen Macht- und Politikstrukturen operieren, wenn wir nicht für die Rechte unserer technisch unversierten Freunde und Nachbarn eintreten, dann werden wir ebenso verloren sein", lautet Doctorows Fazit.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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