EU weicht Anforderungen an offene Standards auf

Recht, Politik & EU Die Europäische Union gibt in der Auseinandersetzung mit Vertretern jener Software-Hersteller, die auf proprietäre Modelle setzen, offenbar klein bei und verabschiedet sich von offenen Standards. Das geht aus nun bekannt gewordenen Passagen einer zweiten Version des European Interoperability Framework (EIF) hervor, das die Anforderungen an die EU-weiten eGovernment-Projekte definiert. In der ersten Version setzte man hier noch voll auf offene und freie Standards.

Im aktuellen Entwurf wird nach einem Bericht des Magazins 'ComputerWorld UK' Offenheit mit dem Willen des Anbieters definiert, die Interna der jeweiligen Technologie mit den Nutzern teilen zu wollen und sich der Auseinandersetzung mit ihnen zu stellen.

Das würde es auch Herstellern proprietärer Technologien ermöglichen, weiter im Geschäft zu bleiben. Es würde ausreichen, die jeweiligen Spezifikationen zu veröffentlichen und somit zumindest faktisch deren Umsetzung durch Dritthersteller in anderen Anwendungen zu ermöglichen.

Die erste Version der EIF, die im Jahr 2004 verabschiedet wurde, ging hier deutlich weiter. Hier hieß es in den Anforderungen noch, der Hersteller müsse die Quellcodes offenlegen und sich im Rahmen einer Community einer demokratische Debatte um die Weiterentwicklung stellen - so wie es in Open Source-Projekten üblich ist.

Hinsichtlich der ursprünglichen Idee zur Umstellung auf offene Standards stellt die neue Fassung damit einen Schritt zurück dar. Immerhin ging es darum, sicherzustellen, dass Inhalte zukünftig unabhängig von bestimmten Software-Herstellern oder Patenten langfristig zugänglich bleiben.
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!