GPF ruft zu Spenden für Anonymisierungsnetze auf
Insbsondere im Zusammenhang mit den Geschehnissen um die iranische Präsidentschaftswahl am 12. Juni sei vielen Menschen in Deutschland wieder bewusst geworden, dass die Unterdrückung oppositioneller oder nicht erwünschter gesellschaftlicher Bewegungen häufig mit der Filterung und Zensur des Internets einhergeht, teilte die Stiftung mit.
Weniger bekannt sei, dass entsprechende Maßnahmen bereits in 36 Ländern umgesetzt werden. Das ermittelte die OpenNet Initiative. Zur Umgehung der Internetzensur greifen betroffene Internetnutzer verstärkt auf Anonymisierungsnetzwerke zurück. In der Regel werden diese durch Freiwillige betrieben, und der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt.
Das größte Anonymisierungsnetzwerk dieser Art ist "The Onion Router" (Tor). Statistiken zeigen, dass sich in den vergangenen Wochen die Anzahl der iranischen Nutzer etwa verzehnfacht hat. Dies belegt nach Ansicht der Stiftung, welche Bedeutung Anonymisierungsnetzen zur Wahrnehmung demokratischer Grundrechte wie Informations- und Kommunikationsfreiheit zukommt. Zahlreiche ähnliche Beispiele gebe es aus anderen Ländern, die keinen freien Informationszugang gewähren.
Um einer großen Anzahl von Benutzern den Zugriff auf Anonymisierungsnetze zu ermöglichen, müssen diese über ausreichende Kapazitäten verfügen. Da deren Nutzung kostenlos sein muss, sind die Netze auf freiwillige Betreiber angewiesen. Die German Privacy Foundation betreibt derzeit beispielsweise 11 Anonymisierungsdienste. Bei einem monatlichen Datenaufkommen von rund 20 Terabyte entspricht dies mehreren Millionen anonymisiert übertragenen Webseiten und Emails pro Monat.
Der Betrieb dieser Server verursacht nicht unerhebliche Kosten. Um der zunehmenden Bedeutung von Anonymisierungsnetzen gerecht zu werden und die steigenden Benutzeranzahl bewältigen zu können, müssen diese weiter ausgebaut werden. "Es ist im Interesse einer jeden demokratischen Institution, Menschen weltweit bei der Wahrnehmung ihrer Bürgerrechte zu unterstützen - hierbei spielen Anonymisierungsnetze mittlerweile eine wichtige Rolle. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, diese Verantwortung wahrzunehmen, und Anonymisierungsnetze verstärkt zu fördern", erklärte die Stiftung.
Darüber hinaus appellierte man auch an die normalen Bürger, den Ausbau von Anonymisierungsnetzen direkt zu unterstützen. Es stehe grundsätzlich jedem frei, einen Anonymisierungsserver selber zu betreiben. Sollte dies nicht möglich sein, kann der Ausbau auch durch Spenden finanziert werden. Bereits für 50 Euro kann der Betrieb eines Anonymisierungsservers für einen Monat sichergestellt werden.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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