Ukraine: Russen zerstörten seit Juli 10 Mio. Bücher und ihre Verlage

Russische Angriffe liefern immer wieder Bilder von Toten und zerstörten Gebäuden aus der Ukraine. Die Auswirkungen gehen aber weit darüber hinaus. So sind allein in den letzten Wochen signifikante Teile der ukrainischen Kultur vernichtet worden.
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    Massive Schäden

    Seit Juli fielen den Attacken rund zehn Millionen Bücher und ein erheblicher Teil der Produktions- und Logistikkapazitäten der heimischen Buchbranche zum Opfer. Das Ukrainische Buchinstitut warnt deshalb vor einem möglichen Zusammenbruch des gesamten Buch-Ökosystems und ruft internationale Verlage zu Unterstützung und Spenden auf, wie der Guardian berichtet.

    Besonders schwer getroffen wurde am 1. August ein Logistikzentrum der Verlagsgruppe RNK-Ranok in Charkiw. Bei dem Angriff wurden nach Angaben des Buchinstituts etwa acht Millionen Bücher vernichtet. Das Lager dient nicht nur der Verlagsgruppe und ihren zahlreichen Marken, sondern auch als Verteilerzentrum der ukrainischen Buchhandelskette KnyhoLand mit 51 Filialen und mehreren Online-Shops. Zusätzlich gingen rund 600.000 Schulbücher verloren.


    Bereits bei Angriffen auf Kiew im Juli waren mehr als 1,5 Millionen Bücher zerstört worden. Insgesamt entsprechen die jüngsten Verluste laut Buchinstitut etwa 30 Prozent der Menge an Büchern, die in der Ukraine normalerweise innerhalb eines Jahres produziert wird. Der vorläufig geschätzte finanzielle Schaden beläuft sich auf knapp eine Milliarde Hrywnja, das sind umgerechnet rund 19 Millionen Euro.

    "Wir stehen vor dem Risiko des Zusammenbruchs des gesamten Buch-Ökosystems", sagte die Direktorin des Ukrainischen Buchinstituts, Oleksandra Koval. Die ukrainische Regierung arbeite zwar an Hilfsprogrammen für betroffene Verlage und Druckereien. Vorgesehen sind unter anderem Zuschüsse für die Wiederherstellung von Maschinen sowie Entschädigungen für beschädigtes Eigentum. Nach Einschätzung des Instituts reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus, um die Verluste vollständig auszugleichen.

    Es geht um die Identität

    Auch der Beschuss von Kiew am 16. August traf die Buchbranche. Auf dem Pochaina-Buchmarkt brach ein Feuer aus, das mehrere Verkaufsreihen, Bücher und Eigentum von Händlern zerstörte. Der 1997 gegründete Markt war einst einer der größten des Landes und beherbergte Hunderte Stände mit Büchern von mehr als 120 Verlagen.

    Das Buchinstitut bezeichnet die Branche als strategisch wichtig für die Ukraine. Verlage bewahrten und verbreiteten die ukrainische Kultur und gäben dem Land eine eigene Stimme. Angesichts des russischen Angriffskriegs sei die Unterstützung der Verlage daher mehr als Wirtschaftshilfe, erklärte Institutsmitarbeiterin Olena Odynoka: Es gehe darum, der Ukraine die Möglichkeit zu erhalten, ihre Geschichte und Identität selbst zu vermitteln.

    Das Institut bat deshalb internationale Verlage, ukrainische Unternehmen finanziell und durch Kooperationen zu unterstützen. Zugleich appelliert es an die Branche, die Zusammenarbeit mit russischen Verlagen und Literaturagenturen zu beenden.

    Zusammenfassung
    • Russische Angriffe zerstörten seit Juli rund zehn Millionen Bücher
    • Das Ukrainische Buchinstitut warnt vor dem Kollaps des Ökosystems
    • Ein Angriff auf ein Logistikzentrum vernichtete acht Millionen Bücher
    • Der finanzielle Gesamtschaden beläuft sich auf rund 19 Millionen Euro
    • Staatliche Hilfsprogramme reichen laut dem Buchinstitut nicht aus
    • Internationale Verlage sollen ukrainische Unternehmen unterstützen

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