Gefälschte Medikamente, illegale Ware:
EU zwingt AliExpress zu handeln

Die EU nimmt AliExpress ins Visier und greift nun durch. Illegale Medikamente und gefälschte Produkte sollen bisher über versteckte Links verbreitet werden. Während das Unternehmen Zusagen macht, solche Praktiken mitzubekämpfen, drohen Milliarden-Strafen.
Temu, Shein, AliExpress, Giftig

EU geht gegen AliExpress vor

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch zwei bedeutende Schritte im Verfahren gegen AliExpress verkündet. Sie akzeptierte rechtlich bindende Zusagen des chinesischen Online-Marktplatzes zur Systemverbesserung und veröffentlichte gleichzeitig vorläufige Untersuchungsergebnisse, die dem Unternehmen Verstöße gegen EU-Vorschriften zur Verbreitung illegaler Produkte vorwerfen.

Die Maßnahmen erfolgen im Rahmen des Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 Online-Plattformen mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven EU-Nutzern mit speziellen Anforderungen zur Bekämpfung illegaler Inhalte unterwirft.

Wir haben proaktiv mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun.
AliExpress

Verpflichtungen in mehreren Bereichen

AliExpress hat sich verpflichtet, Überwachungs- und Erkennungssysteme für illegale Produkte wie Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pornografische Inhalte zu verbessern. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, soll das Unternehmen insbesondere gegen die Verbreitung von versteckten Links und Partnerprogramme vorgehen.

Weitere Zusagen umfassen besseres Beschwerdemanagement, mehr Transparenz bei Werbe- und Empfehlungssystemen, verbesserte Händler-Rückverfolgbarkeit und erleichterten Datenzugang für Forscher. AliExpress gehört zur 1999 von Jack Ma gegründeten Alibaba Group, einem der größten Online-Handelsunternehmen weltweit.

Systematische Schwachstellen identifiziert

Trotz der Zusagen drohen Geldstrafen. Die EU-Kommission stellte fest, dass AliExpress die Risiken illegaler Produkte unterschätzt und nicht genügend Ressourcen für Moderationssysteme bereitgestellt hat. Strafen gegen Händler illegaler Inhalte werde nicht konsequent durchgesetzt.


Besonders problematisch seien daher die "systematischen Mängel" in den proaktiven Moderationssystemen, die böswilligen Händlern das Weiteroperieren oder Neustarten ermöglichen. Die Verbreitung gefälschter Medikamente und unsicherer Nahrungsergänzungsmittel gefährdet Verbraucher dabei ganz massiv.

Milliardenstrafen möglich

Bei bestätigten Verstößen drohen Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei Alibabas Umsatz von etwa 109 Milliarden Euro (2024) könnte eine maximale Strafe theoretisch mehrere Milliarden Euro erreichen.

Die EU-Kommission unter Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen zeigt mit diesem Vorgehen, dass sie die DSA-Durchsetzung ernst nimmt. Bereits zuvor gerieten Meta, TikTok und X wegen DSA-Verstößen unter Druck. Das Gesetz soll eine sicherere digitale Umgebung schaffen und Plattformen zur Verantwortung ziehen.

Was haltet ihr von den EU-Maßnahmen gegen AliExpress? Glaubt ihr, dass die Plattform tatsächlich sicherer wird, oder sind strengere Regeln nötig? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Was wirft die EU AliExpress konkret vor?
Die EU-Kommission wirft AliExpress vor, gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen zu haben. Insbesondere habe das Unternehmen unzureichend gegen den Verkauf illegaler Produkte wie gefälschter Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pornografischer Inhalte vorgegangen.

Laut den vorläufigen Ergebnissen der Untersuchung habe AliExpress Risiken unterschätzt, Moderation vernachlässigt und seine eigenen Richtlinien nicht durchgesetzt. Dies betrifft vor allem die unzureichende Kontrolle von Händlern und versteckte Links zu illegalen Inhalten.
Welche Konsequenzen drohen AliExpress?
Sollte die EU-Kommission ihre vorläufigen Ergebnisse bestätigen, drohen AliExpress empfindliche Geldstrafen. Zudem könnte das Unternehmen verpflichtet werden, einen verbindlichen Maßnahmenplan zur Einhaltung des DSA vorzulegen.

Da AliExpress als Very Large Online Platform (VLOP) gilt, unterliegt es besonders strengen Anforderungen. Wiederholte Verstöße könnten zu noch schärferen Sanktionen oder Einschränkungen im EU-Markt führen.
Welche Maßnahmen hat AliExpress zugesagt?
AliExpress hat der EU-Kommission eine Reihe verbindlicher Maßnahmen zugesichert. Dazu zählen eine verbesserte Erkennung illegaler Produkte, mehr Transparenz bei der Werbung und den Empfehlungen sowie ein überarbeitetes System zur Händlerverfolgung.

Zusätzlich wird ein unabhängiger Monitoring-Trustee eingesetzt, der die Umsetzung überwacht. Auch das Beschwerdemanagement und der Zugang zu Plattformdaten für Forscher sollen verbessert werden.
Was ist der Digital Services Act (DSA)?
Der DSA ist ein EU-Gesetzespaket zur Regulierung großer Online-Plattformen. Ziel ist es, illegale Inhalte zu bekämpfen, Nutzerrechte zu schützen und mehr Transparenz bei Algorithmen und Werbung zu schaffen.

Plattformen wie AliExpress müssen Risiken analysieren, Maßnahmen zur Inhaltsmoderation treffen und regelmäßig Berichte vorlegen. Der DSA gilt seit 2023 und betrifft alle sogenannten VLOPs mit über 45 Mio. Nutzern in der EU.
Welche Produkte waren besonders problematisch?
Besonders im Fokus standen gefälschte oder nicht zugelassene Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pornografische Inhalte, die über versteckte Links angeboten wurden. Auch Markenfälschungen wurden entdeckt.

Diese Produkte wurden oft durch Affiliate-Programme oder Influencer indirekt beworben. Die EU kritisierte, dass AliExpress solche Inhalte nicht ausreichend moderiert und Händler nicht konsequent sanktioniert habe.
Wie will AliExpress illegale Inhalte erkennen?
AliExpress beabsichtigt, seine Systeme zur Erkennung illegaler Inhalte auszubauen. Dazu zählt der Einsatz verbesserter Algorithmen, manuelle Prüfungen und ein transparenteres "Notice-and-Action"-Verfahren für Nutzerhinweise.

Außerdem sollen Händler besser verifiziert und ihre Aktivitäten nachvollziehbarer gemacht werden. Die Plattform plant, regelmäßig Berichte an die EU und den Monitoring-Trustee zu übermitteln.
Gibt es Auswirkungen auf andere Plattformen?
Ja, die Maßnahmen gegen AliExpress setzen ein Signal für andere große Plattformen wie Amazon, Temu oder eBay. Auch sie müssen sich an die Vorgaben des DSA halten und mit ähnlichen Prüfungen rechnen.

Für IT-Teams in solchen Unternehmen bedeutet das: Compliance- und Moderationssysteme müssen technisch aufgerüstet werden. Der Fall AliExpress könnte als Präzedenzfall für künftige Durchsetzungen dienen.
Zusammenfassung
  • EU nimmt AliExpress wegen Verbreitung illegaler Produkte ins Visier
  • Kommission akzeptiert rechtlich bindende Zusagen zur Systemverbesserung
  • Digital Services Act seit Februar 2024 verpflichtet große Online-Plattformen
  • AliExpress muss Erkennungssysteme für illegale Produkte verbessern
  • Versteckte Links und Partnerprogramme werden für den Vertrieb genutzt
  • Mängel in Moderationssystemen ermöglichen Weiteroperieren böser Händler
  • Bei Verstößen drohen Strafen bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes

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