Japan: Wer seine Steuern zahlt, erhält nun digitale Items für Videospiele

Wer in Japan einen Teil seiner Steuern an einen bestimmten Bezirk leitet, erhält digitale Items für das Videospiel Final Fantasy 14. Mit diesem für deutsche Maßstäbe ungewöhnlichen Modell sollen Kommunen gezielt gefördert werden.
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Steuerzahlungen für digitalen Loot

Der Japaner tickt schon immer ein wenig anders als der Deutsche. Und so kommen uns hierzulande einige Dinge, die im Land der aufgehenden Sonne völlig normal sind, etwas seltsam vor. Japanische Forscher entwickeln etwa Geschmacks-TVs zum Abschlecken oder Menschen-Waschmaschinen. Außerdem lächeln dortige Angestellte dank KI-Überwachung jetzt teilweise noch freundlicher. Ebenso ungewohnt dürfte für viele Deutsche sein, dass sich Japaner über das Zahlen ihrer Steuern jetzt kosmetische In-Game-Gegenstände für das MMORPG Final Fantasy 14 sichern können.

Der Tokioter Bezirk Shibuya kooperiert dafür ab sofort mit dem Entwickler Square Enix. Ziel der Aktion ist es, Bürger dazu zu motivieren, einen Teil ihrer Einkommenssteuer gezielt an den Bezirk abzuführen. Im Gegenzug erhalten Teilnehmer digitale Prämien für das Online-Rollenspiel.


Um die Belohnungen zu erhalten, müssen Bürger verschiedene Steuerbeträge an die Gemeinde abführen. Für 6900 Yen (etwa 37 Euro) gibt es virtuelle Kleidungsstücke wie das sogenannte Magitek-Kostüm. Für 8900 Yen (etwa 48 Euro) erhalten Nutzer das Megashiba-Reittier für ihre Sammlung. Wer alle sechs verfügbaren Pakete freischalten möchte, muss 58.100 Yen (etwa 312 Euro) an den Bezirk überweisen.

Eigenheit des japanischen Steuersystems

Wie Famitsu (via Polygon) berichtet, basiert das Modell auf dem japanischen Furusato-Nozei-System. Das Programm wurde 2008 eigentlich ins Leben gerufen, um ländliche Regionen finanziell zu unterstützen. Steuerzahler können einen Teil ihrer Abgaben an eine frei wählbare Kommune leiten. Als Dankeschön verschicken die Gemeinden oft lokale Spezialitäten wie hochwertiges Fleisch oder traditionelles Handwerk. Shibuya setzt stattdessen nun auf digitale Güter.
Final Fantasy 14: In-Game-Items für SteuerzahlungenDas Megashiba-Reittier Final Fantasy 14: In-Game-Items für SteuerzahlungenEbenfalls erhältlich: Schuluniformen
Die Auswahl der Gegenstände beinhaltet eine direkte Anspielung auf die Geschichte des Bezirks. Das Megashiba-Reittier ist ein riesiger Hund, der an Hachiko erinnert. Der treue Akita wartete in den 1920er-Jahren jahrelang am Bahnhof Shibuya auf seinen verstorbenen Besitzer. Heute steht dort eine bekannte Bronzestatue, die zu den beliebtesten Wahrzeichen Tokios gehört. Neben dem Hund spiegeln die virtuellen Schuluniformen die Bedeutung Shibuyas als Zentrum der japanischen Jugendkultur wider.

Auch im Shop erhältlich

Die Aktion ist natürlich strikt auf Japan beschränkt. Wer nicht in dem asiatischen Land steuerpflichtig ist, muss die kosmetischen Gegenstände regulär im Online-Shop von Square Enix erwerben. Der reguläre Preis aller angebotenen Items liegt bei 14.100 Yen (etwa 76 Euro).

Würdet ihr einen Teil eurer Abgaben umleiten, um In-Game-Items für euer Lieblingsspiel zu erhalten? Teilt eure Meinung zu dem System gerne in den Kommentaren mit uns!

Zusammenfassung
  • Der Bezirk Shibuya bietet nun virtuelle In Game Gegenstände für Steuern
  • Durch das System Furusato Nozei lassen sich Abgaben in digitale Items umwandeln
  • Spieler erhalten für ihre Steuerzahlungen Inhalte für Final Fantasy 14
  • Die virtuellen Güter beziehen sich thematisch auf Wahrzeichen aus Shibuya
  • Das ungewöhnliche Angebot gilt exklusiv für in Japan steuerpflichtige Bürger
  • Internationale Fans müssen die digitalen Gegenstände regulär im Shop kaufen

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