Versteckte Kosten: Behörde prüft Ryanair-Sitzgebühren für Familien

Die britische Wettbewerbsbehörde ermittelt offiziell gegen die Fluggesellschaft Ryanair. Im Fokus stehen versteckte Gebühren, die Eltern für Sitzplätze neben ihren Kindern zahlen müssen. Dem Konzern drohen nun empfindliche Strafen.

Ermittlungen gegen Ryanair

Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat eine formelle Untersuchung gegen die irische Fluggesellschaft Ryanair eingeleitet. Im Zentrum der Prüfung stehen verpflichtende Gebühren, die Eltern zahlen müssen, um auf Flügen neben ihren Kindern zu sitzen. Die Behörde prüft derzeit, ob das Unternehmen mit den geforderten Zusatzkosten gegen geltendes Verbraucherrecht verstößt.

Nach den aktuellen Richtlinien der Fluggesellschaft muss mindestens ein Elternteil bei Kindern im Alter von zwei bis elf Jahren zwingend einen kostenpflichtigen Sitzplatz reservieren. Die Kosten hierfür belaufen sich im Durchschnitt auf rund neun Euro pro Strecke. Bei anderen großen Anbietern am Markt erfolgt die gemeinsame Zuweisung von Sitzplätzen für Familien in der Regel völlig ohne Aufpreis.


Versteckte Kosten

Wie BBC News berichtet, untersucht die Behörde in dem Fall zwei wesentliche Aspekte. Zum einen geht es um die Frage, ob Eltern faktisch dafür zur Kasse gebeten werden, dass die Fluglinie ihre gesetzlichen Sicherheitsvorgaben für Kinder an Bord erfüllt. Zum anderen steht der Vorwurf des sogenannten Drip Pricing im Raum.

Beim Drip Pricing werden dem Kunden zunächst niedrige Basispreise angezeigt, während unvermeidbare Zusatzgebühren erst spät im eigentlichen Buchungsprozess auftauchen. Das britische Gesetz verlangt jedoch klar (wie das der EU), dass der vollständige Ticketpreis von Anfang an transparent ausgewiesen wird. Sollte am Ende ein Verstoß festgestellt werden, drohen dem Konzern Geldstrafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes.

Fluglinie weist Vorwürfe zurück

Das betroffene Unternehmen verteidigt das eigene Vorgehen und bezeichnet die Untersuchung der Behörde als unbegründet. Die Fluglinie argumentiert stattdessen, dass Erwachsene zwar für ihren eigenen reservierten Platz zahlen, aber im selben Buchungsvorgang bis zu vier angrenzende Sitzplätze für Kinder kostenlos auswählen können. Das System spare Familien unterm Strich sogar Geld, meint Ryanair.

Zudem wirft die Fluggesellschaft der britischen Regierung vor, mit der Untersuchung lediglich von eigenen Versäumnissen in der Luftfahrtpolitik ablenken zu wollen. Alleine ist Großbritannien mit diesem Vorgehen aber nicht: In Italien darf das Unternehmen solche Gebühren nach einem verlorenen Rechtsstreit mit der dortigen Zivilluftfahrtbehörde bereits nicht mehr erheben. Es bleibt nun abzuwarten, wie die britische Behörde in dem Fall abschließend entscheidet.

Findet ihr solche Sitzplatzgebühren für Familien gerechtfertigt oder seht ihr darin reine Abzocke? Teilt eure Meinungen zu dem Thema gerne direkt mit uns in den Kommentaren!

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