Windows-Sperre für VeraCrypt:
Entwickler verliert Microsoft-Konto

Gesperrte Konten, fehlende Signaturen und viele Probleme: Die Verschlüsselungssoftware VeraCrypt steckt in einer massiven Krise. Microsoft verhindert aktuelle Windows-Updates und bringt das quelloffene Projekt VeraCrypt damit fast zum Erliegen.
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Zukunft von VeraCrypt ungewiss

Mounir Idrassi, Hauptentwickler der Verschlüsselungssoftware VeraCrypt, steht vor einem gravierenden Problem: Microsoft hat sein Entwicklerkonto unerwartet und dauerhaft gesperrt. Das Konto ist notwendig, um Treiber und Bootloader für Windows digital zu signieren.

Ohne diese Signatur blockiert das Betriebssystem die Ausführung der systemnahen Komponenten. Die Sperrung trifft das quelloffene Projekt besonders, weil die meisten Anwender VeraCrypt unter Windows nutzen.


Während Aktualisierungen für Linux und macOS weiterhin möglich sind, ist die Entwicklung der Windows-Version vorerst gestoppt. Ähnliche Schwierigkeiten mit Zertifikaten hatte 2025 bereits das Bürosoftware-Projekt LibreOffice.

Wie Idrassi in einem Beitrag auf Sourceforge schildert, erhielt er bei einem Anmeldeversuch lediglich den Hinweis, seine Organisation erfülle die Voraussetzungen für eine Verifizierung nicht. Ein Einspruch sei ausgeschlossen. Mehrere Versuche, den Kundendienst zu erreichen, führten nach seinen Angaben nur zu automatisierten Antworten und Chatbots.

Drohende Gefahr

VeraCrypt entstand 2013 als Abspaltung des eingestellten Vorgängers TrueCrypt. Das Projekt schließt bekannte Schwachstellen und erweitert die Sicherheitsfunktionen. Die Software verschlüsselt Container, Partitionen oder komplette Festplatten. Allein das Update vom Mai 2025 wurde fast eine Million Mal heruntergeladen. Bestehende Installationen funktionieren vorerst weiter.

TrueCrypt und VeraCrypt: Geschichte der Festplattenverschlüsselung

  • 2004
    2. Februar
    Veröffentlichung von TrueCrypt 1.0, der ersten Version des On-the-fly-Verschlüsselungstools
  • 2013
    22. Juni
    Start von VeraCrypt 1.0a als Fork von TrueCrypt, mit ersten Sicherheitsverbesserungen gegenüber dem Original
  • 2014
    Mai
    Offizielles Aus für TrueCrypt: Die Entwickler beenden die Entwicklung und warnen auf der Projektseite vor möglicher Unsicherheit der Software
  • 2025
    20. Januar
    VeraCrypt 1.26.18 erscheint, behebt Sicherheitslücken und beendet den Support für 32-Bit-Windows
  • 2025
    30. Mai
    Veröffentlichung von VeraCrypt 1.26.24 als aktuelle stabile Version für Windows, macOS und Linux

Idrassi verweist jedoch darauf, dass das aktuell verwendete Zertifikat in wenigen Monaten abläuft. Wird das Problem bis Ende Juni nicht gelöst, könnten Systeme mit vollständiger Laufwerksverschlüsselung betroffen sein: Akzeptiert Windows das abgelaufene Zertifikat nicht mehr, besteht das Risiko, dass sich Rechner nicht mehr starten lassen.

Ein Ausweichen auf unsignierte Versionen gilt wegen der Sicherheitsfunktion Secure Boot als kaum praktikabel. Deren Deaktivierung würde die Systemsicherheit verringern. Der Fall macht die Abhängigkeit freier Projekte von den Infrastrukturen großer Konzerne deutlich. Bereits in der Vergangenheit sorgte Microsofts Umgang mit digitalen Signaturen für erhebliche Probleme.

Auswirkungen auf den Entwickler

Nach Idrassis Angaben gefährdet die Sperre nicht nur VeraCrypt, sondern auch seine berufliche Tätigkeit, da er dort ebenfalls signierte Software bereitstellen muss. Der Entwickler sucht derzeit nach Unterstützung aus der Community, um die Zukunft der Windows-Version zu sichern. Ein ähnlich gelagerter Fall sorgte bereits vor Jahren für Aufsehen, als ein Anwender Microsoft wegen einer Kontosperrung verklagte.

Nutzt ihr VeraCrypt für eure Datensicherheit oder setzt ihr auf Alternativen? Was meint ihr zum Umgang von Microsoft mit freien Entwicklern? Teilt eure Gedanken gerne in den Kommentaren.

Download VeraCrypt - Quelloffener TrueCrypt-Nachfolger
Zusammenfassung
  • Microsoft hat das Entwicklerkonto von Mounir Idrassi dauerhaft gesperrt
  • Ohne digitale Signatur verweigert Windows die Treiberausführung
  • VeraCrypt entstand 2013 als Abspaltung des eingestellten TrueCrypt
  • Das genutzte Zertifikat läuft in wenigen Monaten ab und gefährdet PCs
  • Idrassi erreichte beim Kundendienst nur Chatbots und keine Menschen
  • Die Aktualisierung vom Mai 2025 verzeichnete fast eine Million Downloads
  • Der Vorfall zeigt die starke Abhängigkeit freier Entwickler von Microsoft

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