BSI gibt Empfehlungen: Endstation für klassische Verschlüsselung

Ab dem Jahr ist 2032 ist Schluss mit Krypto-Klassikern solo: Das BSI empfiehlt RSA und ECC nur noch in Kombination mit Post-Quanten-Verfahren - wer Daten langfristig schützen will, muss jetzt umdenken.
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Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Terminankündigungen vom BSI

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat in seiner aktualisierten Technischen Richtlinie TR-02102 erstmals ein Ablaufdatum für klassische asymmetrische Verschlüsselungsverfahren formuliert. Demnach soll der alleinige Einsatz von Verfahren wie RSA und Elliptic Curve Cryptography (ECC) für die Schlüsseleinigung nur noch bis Ende 2031 empfohlen werden, für Anwendungen mit sehr hohem Schutzbedarf lediglich bis Ende 2030.

Was sind klassische asymmetrische Verschlüsselungsverfahren? Diese Verfahren bilden das Fundament moderner Kryptographie für sichere Kommunikation, digitale Signaturen und Authentifizierung. Ein Überblick am Ende des Beitrags.


Künftig sollen klassische Verfahren in diesem Bereich in hybrider Form mit Post-Quanten-Kryptografie (PQC) kombiniert werden. Die Empfehlung betrifft zunächst die Aushandlung gemeinsamer Schlüssel, etwa in Protokollen wie TLS oder IPsec; für klassische Signaturverfahren sieht das BSI eine Abkündigung der alleinigen Nutzung bis Ende 2035 vor.

Einen vollständigen Verzicht auf RSA oder ECC zugunsten ausschließ­lich quanten­sicherer Ver­fahren schreibt die Richt­linie bislang nicht vor, sondern fokussiert auf Kombinationen aus klassischen und PQC-Algorithmen. Die TR-02102 besitzt formal Empfehlungs­charakter, wird jedoch als krypto­grafische Grund­lage für weitere Vorgaben des Bundes heran­gezogen und ent­faltet darüber mittelbar verbindliche Wirkung, etwa im behörd­lichen Umfeld oder in regulierten Branchen.

Hintergrund der Anpassungen ist nach Angaben des BSI die Einschätzung, dass künftige Quantencomputer asymmetrische Verschlüsselung brechen könnten und bereits heute abgefangene Daten später entschlüsselt werden können ("Store now, decrypt later").

Neue Vorgaben auf der Zielgeraden

BSI-Präsidentin Claudia Plattner bezeichnet die Migration auf Post-Quanten-Kryptografie als zwingend und spricht davon, dass mit der Abkündigung klassischer Verschlüsselungsverfahren neue Maßstäbe gesetzt würden. Parallel dazu verfolgt die Europäische Union einen eigenen Fahrplan, nach dem Mitgliedstaaten die Umstellung auf quantensichere Verfahren schrittweise vorantreiben und hochkritische Systeme bis spätestens 2030 absichern sollen.

Was meint ihr: überfälliger Weckruf für mehr IT-Sicherheit - oder zusätzlicher Druck für Unternehmen, die ohnehin schon mit NIS-2 & Co. kämpfen?

RSA (Rivest-Shamir-Adleman)
Das bekannteste und am weitesten verbreitete Verfahren seit 1977. Basiert auf der Schwierigkeit, große Zahlen in ihre Primfaktoren zu zerlegen. Wird für Verschlüsselung und digitale Signaturen verwendet.
Elliptische Kurven (ECC)
Seit den 1980er Jahren entwickelt, nutzt die Mathematik elliptischer Kurven. Bietet bei kürzeren Schlüssellängen vergleichbare Sicherheit wie RSA, was effizientere Implementierungen ermöglicht.
DSA (Digital Signature Algorithm)
Standardisiert 1994, speziell für digitale Signaturen entwickelt. Basiert auf ElGamal und dem diskreten Logarithmusproblem.
Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch
Das erste praktische Public-Key-Verfahren von 1976. Streng genommen kein Verschlüsselungsverfahren, sondern ein Protokoll zum sicheren Schlüsselaustausch über unsichere Kanäle. Ebenfalls basierend auf dem diskreten Logarithmusproblem.
ElGamal
Entwickelt 1985, basiert auf dem diskreten Logarithmusproblem. Wird hauptsächlich für Verschlüsselung eingesetzt und ist Grundlage für spätere Verfahren wie DSA.
Zusammenfassung
  • BSI gibt erstmals Ablaufdatum für klassische Verschlüsselungsverfahren
  • RSA und ECC werden bis Ende 2031 empfohlen, bei hohem Schutzbedarf bis 2030
  • Künftig sollen klassische Verfahren mit Post-Quanten-Kryptografie kombiniert werden
  • Für Signaturverfahren ist die alleinige Nutzung bis Ende 2035 vorgesehen
  • Grund ist die Bedrohung durch künftige Quantencomputer
  • EU-Fahrplan sieht Absicherung hochkritischer Systeme bis 2030 vor

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